Am 28. November wurde in Gardelegen ein neuer Stadtrat gewählt. Die Volksstimme stellt von nun an in den folgenden Ausgaben täglich eine(n) der 36 Ratsfrauen und Ratsherren vor.

Peckfitz. Viel Freizeit hat Otto Grothe nicht. Denn er ist beruflich selbstständig. Morgens 5.30 Uhr klingelt der Wecker. Mit dem Feierabend sei es schwierig. "Der Beruf ist mein Hobby", sagt der Elektroinstallateurmeister.

Doch es gibt Ausnahmen, für die findet er immer Zeit. Für seinen Enkel Gerrit Meinecke zum Beispiel. Wenn der Dreijährige aus dem Schwarzwald die Altmark besucht, spielt Otto Grothe mit ihm, oder sie machen zusammen Musik. Dazu setzt sich der 54-Jährige auch ans Keyboard und stimmt Kinderlieder an.

Und Otto Grothe bringt sich in das Leben von Peckfitz ein. Fast jede Woche probt er mit dem Kirchenchor. "Ich singe gerne. Das macht mir Spaß", erzählt Otto Grothe. Er singt den Bass. Mehrmals im Jahr tritt der Chor zu Konfirmationen und christlichen Feiertagen auf. Sieben Jahre ist der Peckfitzer schon dabei.

Seit über zehn Jahren engagiert sich Otto Grothe im Fremdenverkehrsverein Mieste. Die Region will er bekannter machen, damit Leute hierher kommen. Dazu bringe der Verein zum Beispiel jedes Jahr einen eigenen Kalender heraus. Der Verein organisiert zudem das jährliche Drömlingskonzert und im Frühjahr ein Angrillen zum Muttertag.

Politisch gesehen ist Otto Grothe ein "alter Hase". Für die CDU saß er eine Legislaturperiode bis 2009 im Kreistag. 20 Jahre lang war er Bürgermeister in Peckfitz.

Er kandidierte nach der Wende als parteiloser Kandidat und wurde auf Anhieb Bürgermeister. "Das war mutig. Ich wurde ins kalte Wasser geschmissen", erinnert er sich. Alles war neu. Es habe kaum Informationen gegeben. "Es war eine interessante Zeit", sagt Grothe.

Daraus habe er viel gelernt. "Demokratie lebt von Kompromissen", sagt der 54-Jährige zu der Arbeit im neuen Stadtrat. Sein Interesse an Politik ist sowohl regional als auch international. Im Wohnzimmer liegen Lokalzeitungen. Im Fernsehen laufen die Nachrichten.

Eine Entscheidung der internationalen Politik sorgt aber bei ihm für Kopfschütteln: das Glühlampen-Verbot. Grothe interessiert sich für die Geschichte der Technologie. Und die Erfindung der Glühlampe ist für ihn mit die bedeutendste. An der EU-Entscheidung kritisiert er, dass die Erzeugung und die Entsorgung in die günstigen Prognosen für die Energiesparlampen nicht mit eingerechnet worden seien.

Das Verbot sei mit Gewalt durchgedrückt worden und daher nicht überzeugend. Kein Kompromiss eben.

Bei allem Engagement in der Politik, Familie und der Region sehnt sich Otto Grothe manchmal nach Ruhe. Er liebt die frische Luft. Am Wochenende geht er oft mit seiner Frau Angelika spazieren, mit dabei Kurzhaardackeldame Betty.

Er schwingt sich auch gerne auf sein Fahrrad und kurvt mit seiner Frau durch die Altmark. Auch längere Touren scheuen beide nicht. Vor fünf Jahren sind sie bis nach Stralsund gefahren.

Und Otto Grothe reist gerne, am liebsten gen Süden. Er mag besonders die italienische Lebensart. "Die sind locker, nicht so verbissen. Mal leben und leben lassen", erinnert er sich an einen Urlaub in Südtirol.

"Jetzt machen wir eher Großeltern-Urlaub im Schwarzwald", sagt seine Frau lächelnd. Ihr Sohn Axel, der Vater von Gerrit, wohnt dort und arbeitet in der Schweiz - als Elektriker wie der Papa. Ihr zweiter Sohn Oliver ist in der Nähe von Magdeburg in der Landwirtschaft tätig.