Der Stadtrat hat sich am Montag gegen die Pläne der Van der Velde Agrar GmbH ausgesprochen, deren Transporte zur Schweinemastanlage durch Gröningen zu führen. Der Betrieb will seine Ställe erweitern, um zusätzlich 6000 Tiere zu halten und muss dafür nachweisen, dass eine angemessene Straße zur Anlage führt, die zwischen Heynburg und Dalldorf auf einer Anhöhe liegt.

Gröningen. Viele Bürger, die zur Ratssitzung am Montag-abend gekommen waren, sprachen sich ebenfalls gegen die Pläne aus, die von Vertretern der Van der Velde Agrar GmbH vorgestellt wurden. Die sehen vor, alle Fahrzeuge zur Mastanlage über einen Feldweg und über das Thietal bis zur Kreisstraße zu führen, und weiter über den Dalldorfer Weg, die Dalldorfer Straße sowie durch die Stadt bis zum Prälatenberg und zur B 81.

Hintergrund ist, dass die Betreiber nicht erreicht haben, einen Feldweg ausbauen und nutzen zu dürfen, der durch die Gemarkung Kroppenstedt direkt zur B 81 führt - außerorts und ohne Lärmbelastung für die Menschen. Diese Direktverbindung lehne der Landesbetrieb Bau (LBB) ab, weil es dafür keine Abbiegerspur auf der Bundesstraße gebe, hieß es am Montag dazu von Steffi Pelzer, Planerin im Auftrag der Van der Velde Agrar GmbH. Für ein erfolgreiches Genehmigungsverfahren zum Bau des dritten Stallgebäudes sowie einer Biogasanlage ist die gewährleistete Zufahrt indes eine der zentralen Fragen. Der Antrag auf Erweiterung der Anlage läuft beim Landesverwaltungsamt in Halle.

Was die vorgestellte Variante angeht, die mitten durch Gröningen führt, schien Stadtrat Dr. Raimo Modler (UWG) den Bürgern aus den Herzen zu sprechen, als er meinte: "Ich lese hier heraus, dass die von ihnen favorisierte Variante die genehmigungstechnisch einfachste ist." Entsprechend fragte Bürgermeisterin Renate Hillebrand (CDU), ob "mit Nachdruck" darauf hingearbeitet worden sei, die Direktverbindung zur B 81 schaffen zu können. Auch Bauamtsleiterin Ines Philipp bohrte nach: "Es gibt die Möglichkeit, eine Ausnahmeregelung zu beantragen. Haben Sie das schon versucht?" Von einer solchen Option sei bei ihren Gesprächen mit dem LBB gar keine Rede gewesen, entgegnete Steffi Pelzer. Ob ein solcher Antrag im Nachgang noch gestellt wird, war bis gestern offen. Marcus Knorr, Rechtsbeistand der Anlagenbetreiber, sagte auf Volksstimme-Nachfrage, dass dazu Rücksprache mit Berend Van der Velde als Vorhabenträger zu halten sei.

Bürger: "Sie betreiben Augenwischerei"

Die Bürger bezeichneten den Versuch, eine andere Lösung zu finden statt der Fahrten mitten durch den Ort als "halbseiden" und die nun vorgestellten Pläne als "Augenwischerei". Mit der Ortsumgehung sei es gelungen, den Verkehr endlich aus Gröningen herauszubringen. Da wolle man ihn durch die Schweinemastanlage nicht wieder in der Stadt haben. Das sahen auch etliche Stadträte so. Die Van der Velde Agrar GmbH erwartet nach Angaben vom Montag durchschnittlich neun statt wie bisher drei Lkw-Lieferungen am Tag, wenn sie die bisherige Anlage wie geplant erweitern.

Weiter glauben die Anwohner, die das Thietal teilweise seit ihrer Kindheit kennen, dass erhebliche Mehrkosten nötig seien, um daraus wirklich einen für schwere Lkw zu jeder Jahreszeit befahrbaren Weg zu machen. Die meisten bezweifelten, dass es überhaupt möglich sei. Einstmals wurde dort Müll, Unrat und Asche abgelagert. Ina Thiele: "Die Steigung dort ist noch stärker als jetzt bei Heynburg. Und da mussten die Lkw im Winter mit Traktoren die glatte Straße hochgezogen werden oder fuhren mit Schneeketten. Das kann es doch nicht sein." Steffi Pelzer dazu: "Es ist klar, dass teilweise 30 Meter Höhenunterschied überbrückt werden müssen und dass dieser Verbindungsweg ausgebaut werden muss."

Aufgebracht blieben die Anwohner auch nach diesen Erläuterungen. Ansässig Am Dalldorfer Weg und in der Dalldorfer Straße, beklagen sie schon jetzt zu viel Lärm und dass die Straße in Richtung Stadtkern Gröningen in einem sehr schlechten Zustand sei. "Das Kopfsteinpflaster ist zu schlecht, und um die Kurve kommen schon die Busse kaum", berichtet etwa Kathlen Sauer, die an der Straße wohnt.

Das letzte Wort liegt beim Landesverwaltungsamt

Petra Hohmann und Peter Flohr wohnen ein paar Häuser weiter, da, wo der Übergang zum Asphalt kommt. Sie wenden ein, dass die Straßenbreite nicht ausreicht. Die ist, das räumt Steffi Pelzer auf Volksstimme-Nachfrage ein, nur in Teilen die nötigen 5,50 Meter für Begegnungsverkehr breit. An schmalen Stellen von 5,25 Meter müssten die Wagen "mit verminderter Geschwindigkeit aneinander vorbeifahren". Die Anwohner befürchten, dass stattdessen die Seitenbereiche noch mehr zerfahren werden. Dass die Van der Velde Agrar GmbH angeboten hat, wenigstens zur Lärmminderung 50 Meter Deckschicht vom Asphalt über das anliegende Kopfsteinpflaster der Straße zu ziehen, sei für sie kein Trost. Bürger und Stadt lehnen die Pläne damit einhellig ab.

Zu beachten: Das letzte Wort hat allerdings das Landesverwaltungsamt, das die Vorschläge der Van der Velde Agrar GmbH abschließend prüft. Die müssen laut aktueller Frist bis Ende März eingereicht werden.

 

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