Ein Paar sitzt am Frühstückstisch und beide schlingen in Eile noch einen Bissen vom Brötchen hinunter. Dann aber los, weil die Arbeit ruft. Als die Kirchenglocken in diesem Moment läuten, schauen sie sich kurz an und halten inne. Es ist 8 Uhr und sie wissen, es muss jemand gestorben sein ... So oder so ähnlich kann es morgendlich ablaufen, wenn jemand aus der Kirchengemeinde im Ort ausgeläutet wird. Das geschieht, wenn er am Vortag verstorben ist. Mit dieser Tradition möchte sich das Kirchspiel Gröningen nun auch für nicht konfessionell gebundene Menschen öffnen.

Gröningen. "Es ist dieses Innehalten, ein Aufruf zum stillen Gebet, die Pause im Alltag und der in diesem Moment eröffnete Raum, eine Fürbitte zu sprechen", erläutert Pfarrer Matthias Müller die Wirkung des Glockengeläuts für Verstorbene, das auch Ausläuten genannt wird. Verstirbt ein Kirchenmitglied, läutet der Küster am folgenden Werktag um 8 Uhr die Glocken. "Es ist immer ein Gebetsruf", erklärt der Pfarrer.

"Viele Leute beten, die nicht in der Kirche sind"

Im Gemeindekirchenrat des Gröninger Kirchspiels reifte nun schon seit längerem die Idee, sich mit dieser Tradition auch nicht konfessionell gebundenen Menschen zu öffnen. Dessen Vorsitzende Burga Kinzel erklärt: "Nun kann uns jeder anrufen, der möchte, dass für einen Angehörigen ausgeläutet werden soll. Wir wissen schließlich nicht, wieviele Leute beten, die nicht in der Kiche sind. Es ist oft eine sehr private Angelegenheit." Die Küster in den Orten des Kirchspiels sind die Ansprechpartner. Zum Kirchspiel gehören die Orte Gröningen, Kloster Gröningen, Dalldorf und Deesdorf.

Pfarrer Matthias Müller, Pfarrer in Großalsleben, aber derzeit in Vertretung für die vakante Pfarrstelle in Gröningen aktiv, begrüßt diesen Schritt ausdrücklich. "Ich freue mich, dass der Gemeindekirchenrat diesen Weg geht und dass sich die Kirche damit der Gesellschaft öffnet und dass das Ausläuten damit allen Menschen zugute kommt."

"Angebot, das keine andere Institution leisten kann"

Vor Jahrzehnten sei es gar nicht aufgefallen, dass mit dem Ausläuten nur den Gemeindemitgliedern dieses Trauergeläut gewidmet wurde. Fast jeder gehörte zur Kirche. Das sei heute anders. Mit dem Angebot, auch für nicht konfessionell gebundene Menschen auszuläuten, werde nun eine klare Regel getroffen, die für alle Menschen in und außerhalb der Kirche erkennbar ist. "Damit stellen wir Öffentlichkeit her, auch weil wir damit ein Angebot machen, das keine andere Institution leisten kann", sagte Pfarrer Müller mit Blick auf eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Dabei sei es einigen Wenigen zu verdanken, dass die Kirchen in den Orten nicht dem Verfall preis gegeben wurden. Deshalb gibt es noch viele intakte Gotteshäuser, die gleichzeitig als kulturelle Zentren den gesamten Ort bereichern. Das Ausläuten soll nun auf Wunsch ebenfalls allen Menschen zuteil werden - ein Schritt, der die Kirchengemeinde und die Menschen außerhalb der organisierten Glaubensgemeinschaft zusammenführen möchte.