Domerslebens Carnevalsclub-Urgestein Rosemarie Mendt verabschiedet sich nach 441 närrischen Auftritten in ihrer Rolle als "Minecken Muusekettel" von der Bühne. Sie hat vor 40 Jahren den Domersleber Carnevalsclub (DCC) mit ins Leben gerufen. Die Rolle der plattdeutsch sprechenden "Minecken" hatte sie von Anfang an inne. Eine Nachfolgerin für die Figur wird es nicht geben, sagt die 73-Jährige. Zum Abschied im Rahmen des 40. Bühnenjubiläum gab es für das DCC-Gründungsmitglied 40 Rosen - natürlich stilecht in den Vereinsfarben blau-gelb.

Domersleben. "Ein bisschen verrückt muss man schon sein, wenn man 40 Jahre lang beim Carnevalsclub mit auf der Bühne stehen will", sagt Rosemarie Mendt lachend. Dabei strahlen ihre Augen, der Frohsinn steht der 73-Jährigen bis heute buchstäblich ins Gesicht geschrieben.

Nach ihrem 40-jährigen DCC-Bühnenjubiläum und genau 441 Auftritten in ihrer Paraderolle als "Minecken Muusekettel" wurde sie jetzt von den Domersleber Jecken mit einem dreifachen "Börde Helau" verabschiedet - dazu gab es einen "duften" Blumengruß, der mit 20 gelben und 20 blauen Rosen für die Vereinsfarben stand.

Rosemarie Mendt ist Mitglied der ersten DCC-Stunde, hauchte dem Verein gemeinsam mit neun weiteren Domerslebern vor 40 Jahren närrisches Leben ein. "Damals war Martin Merbt der geistige Vater des Vereins, aber auch der, der sich die und damit ,meine\' Kultfigur ausgedacht hat. Ich bin Minecken seit der ersten Stunde und damit sozusagen die Mutter vom Club", sagte sie.

Von insgesamt 443 Auftritten innerhalb 40 Vereinsjahren, manchmal bis zu 13 Auftritte pro Session, habe sie alles in allem nur zwei nicht besetzen können. "Einmal waren wir bei einer Silberhochzeit zu Besuch, das andere Mal bei einem 50. Geburtstag eingeladen", erinnert sich die Rentnerin genau. Ihre älteste Tochter Kathrin sei bei diesen beiden Auftritten für sie als Minecken eingesprungen.

Rosemarie Mendt spielte in den 40 Jahren viele Rollen - "Drei bis vier pro Session. Ich habe gesungen, getanzt und war im Elferrat." Aber: Sie sei in vier Jahrzehnten nie Prinzessin gewesen. Ihr Ehemann Günther ist schließlich seines Zeichens passionierter Jäger, die Rolle des Prinzen blieb deshalb unbesetzt. Ihre letzte Zeile, die sie in ihrer Rolle als Minecken Muusekettel bei der finalen Prunksitzung im Zuge der diesjährigen 40. DCC-Session am 5. März im Domersleber Kulturhaus aufsagte, lautete rückblickend mehr als trefflich: "Das war mein Leben." So ist es auch, lässt die Oma von fünf Enkelkindern den Abend Revuepassieren. "Bei den Proben für die Rolle habe ich bei dieser Zeile immer losgeheult. Als es dann aber soweit war und ich auf der Bühne stand, war dieses Gefühl wie weggeblasen", erzählt die 73-Jährige.

Für den Abschied ihrer "Minecken" hatten die DCC-Narren sogar die Ursprungsbühnenfamilie aus den DCC-Anfängen in ihrer Erstbesetzung organisiert. Mineckens erster Partner wurde damals von Gerd Roeber, die Kinder "Lieschen und Ernstchen" von Kathrin Mendt (heute Kudwin) und Roland Bernhardt gespielt. "Darüber habe ich mich sehr gefreut", sagt die DCC-Jubilarin.

Gemeinsam sang "Minecken" mit ihren Jecken zum Abschluss das Lied "Was soll ich denn zu Hause, was soll ich denn im Bett?". Der Titel ist dabei Programm. Schließlich bleibt sie dem Verein erhalten, will auch weiterhin den Kindern des Schul-Carnevalsclubs (DSCC) beim Einstudieren von plattdeutschen Sketchen beratend zur Seite stehen.

"Solange ich lebe, werde ich Mitglied des Domersleber Carnevals Clubs bleiben", sagte sie. In der nächsten Session wolle sie allerdings noch einmal mit einer Mini-Rolle auf die Bühne zurückkehren, kündigt die Seniorin an. Aber nicht als Minecken. "Die Rolle ist als Kultfigur ad acta gelegt worden. Auch eine Nachfolgerin wird es nicht geben."