Die Harbkerin Gabriele Brakebusch und der Osterweddinger Kay Barthel haben für die CDU bei der gestrigen Landtagswahl die Direktmandate in den Wahlkreisen Oschersleben und Wanzleben gewonnen. Für Brakebusch ist es die dritte Legislaturperiode, für Barthel die erste im Landtag von Sachsen-Anhalt. Über die Listen ihrer Parteien zogen weiterhin die Wanzleberinnen Gudrun Tiedge (Linke) und Silke Schindler (SPD) erneut in den Landtag ein. Im Wahlkreis Oschersleben ist die Wahlbeteiligung um 5,4 auf 47,6 Prozent gegenüber der letzten Wahl gestiegen, im Wahlkreis Wanzleben um 4,7 auf 50,7 Prozent.

Oschersleben / Wanzleben. Mit gemischten Gefühlen hat Gabriele Brakebusch das Wahlergebnis aufgenommen. "Ich hätte mir doch ein bisschen mehr gewünscht. Ich bin nun schon neun Jahre im Landtag, breit aufgestellt und viel im Kreis unterwegs", sagte sie zur Volksstimme. Tatsächlich hatte sie bei der Wahl vor fünf Jahren mehr Prozente geholt. Trotzdem freue sie sich über dieses gewonnene Direktmandat. "Jetzt kann ich im Landtag da weitermachen, wo ich aufgehört habe." Dazu gehöre etwa, sich weiter für die Kindereinrichtungen in der Region einzusetzen und die Schulen auszubauen. Ebenso sei der Straßenbau wichtiges Anliegen für die Zukunft. Die Harbkerin freute sich, dass mit ihr drei weitere Abgeordnete im neu gewählten Landtag aus dem alten Bördekreis vertreten sind. "Ich denke, dass wir damit gut aufgestellt sind."

Hinter sich ließ die Wahlsiegerin im Wahlkreis 9 Mitbewerber Wolfgang Zahn. "Ich bin mit meinem Ergebnis hochzufrieden. Hinter Jens Bullerjahn habe ich im Land das zweitbeste Ergebnis für die SPD erreicht", zeigte sich der Hornhäuser gestern Abend jedoch nicht enttäuscht über seinen zweiten Platz bei den Direktmandaten im Wahlkreis Oschersleben. Er habe seiner Konkurrentin Gabriele Brakebusch einen harten Kampf geliefert und nur knapp verloren. "Das politische Geschäft geht weiter. Im Kreistag werde ich mich weiter für die Belange der Bürger einsetzen", kündigte Zahn an.

Für Dr. Uwe Schrader, ebenfalls Konkurrent um das Direktmandat im Wahlkreis Oschersleben, brachte der Wahlabend "ein enttäuschendes Ergebnis", wie er sagte. Die FDP hat es als politische Kraft nicht in den Landtag geschafft. Schrader zieht somit nicht wieder ins sachsen-anhaltische Parlament ein, denn dafür hätte er das Direktmandat gewinnen müssen. "Damit hat der Wahlkampf für 2016 wieder begonnen", zeigt sich Schrader dennoch tatkräftig. Es gebe nach wie vor eine liberale Basis in den Kommunalparlamenten. Deshalb sei das Ergebnis nun "kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken". Trotzdem würden die Liberalen angesichts dieser schlechten Wahlergebnisse in den nächsten Wochen mit sich ins Gericht gehen.

Schindler und Tiedge ziehen über Liste ein

Gemeinsam mit seiner Familie, seiner Frau Vera, den Eltern, den Wahlhelfern, Freunden und Bekannten, um die CDU-Mitglieder nicht zu vergessen, verbrachte Kay Barthel den Wahlabend in der "CDU-Scheune" in Langenweddingen. Aufgeregt und nach einer Erkältung auch etwas angeschlagen, verfolgte der CDU-Mann die Ergebnisse für den Wahlkreis 20. Als die Hälfte aller Wahlbereiche ausgezählt und gemeldet war, stand bereits fest, dass Barthel der Wahlsieg im Wahlkreis 20 nicht mehr zu nehmen war. Ein Vorsprung von gut zwölf Prozent gegenüber seinen "Verfolgerinnen" Gudrun Tiedge und Silke Schindler konnte ihm nicht mehr genommen werden. "Ich freue mich natürlich, dass es so gut gelaufen ist. Das hätte ich ehrlich gesagt so deutlich gar nicht erwartet. Für mich war es der erste Wahlkampf. Es war für alle Beteiligten, vor allem aber für meine Familie, auch eine sehr anstrengende Zeit. Ich bin super zufrieden", meinte der glückliche Wahlsieger. Zufrieden ist er zudem mit der gestiegenen Wahlbeteiligung im Land. "Das wirft ein besseres Bild auf Sachsen-Anhalt. Genau wie die Tatsache, dass es die NPD nicht geschafft hat." Ein sehr gutes Ergebnis hat Barthel in seiner Heimatgemeinde im Sülzetal erzielt. "Es zeigt, dass mein Engagement in der Kommunalpolitik, im Gemeinderat, Früchte trägt." Für den diplomierten Ingenieur, der zuletzt als persönlicher Mitarbeiter von Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre tätig war, beginnt nun ein völlig neuer Lebensabschnitt, dem er mit Spannung entgegensieht.

Landtagsabgeordnete Silke Schindler von der SPD feierte ihren erneuten Einzug in den Landtag auf der SPD-Wahlparty in der Festung Mark in Magdeburg: "Ich möchte mich zunächst bei meinen Wählern bedanken. Aktuell gehen wir davon aus, dass wir zirka 25 bis 26 Sitze über die Liste im Landtag besetzen werden. Das Ergebnis erinnert uns an das vor fünf Jahren. Die Gefühle liegen deshalb zwischen Zufriedenheit und ein klein wenig Enttäuschung darüber, dass unser Anteil an Stimmen doch nicht mehr geworden ist. Dennoch haben wir heute einen Grund zum Feiern." Als wichtig empfinde sie das Signal, dass die NPD nicht mit in den Landtag einziehen wird.

Gudrun Tiedge von den Linken stieß auf ihren Wahlerfolg und den Wiedereinzug mit Parteifreunden in Wanzleben an. "Das gute Ergebnis zeigt, dass die Bürger unsere gute Arbeit im Landtag honorieren. Unsere Konzepte haben überzeugt. Ich möchte mich bei den Wählern für das entgegengebrachte Vertrauen bedanken. Ich freue mich sehr, dass ich meine Arbeit im Speziellen in der Innenpolitik fortführen kann. Dazu zählt auch das Thema Polizeiarbeit. Das liegt mir sehr am Herzen. Der Stellenabbau bei der Polizei darf nicht weiter vorangetrieben werden, sondern muss ein Ende finden." Dass Wichtigste sei ihrer Meinung nach bei dieser Wahl aber das Zeichen, dass die NPD nicht in den Landtag einziehen wird. "Das ist ein Sieg für die Demokratie."