Schermcke. Eine freudige Nachricht verkündeten vor einigen Wochen die Anwohner der Straße "Am Jungfernhölzchen" in Schermcke. Nach zähem Kampf, der beinahe zehn Jahre andauerte, bekam die Anliegerstraße eine Tonnenbegrenzung. Nun ist es nur noch Fahrzeugen, die bis 3,5 Tonnen wiegen, erlaubt, diese Straße zu befahren.

Im Jahr 2000 wurde die Straße "Am Jungfernhölzchen" gebaut, da es eine Anliegerstraße ist, waren die Straßenausbaubeiträge entsprechend hoch für die Anwohner. Doch die Freude über die neue Straße währte nicht lange. Bordsteine oder gar Begrenzungspfähle wurden kaputtgefahren, vor allem durch schwere Fahrzeuge der Landwirtschaft. Bald hatte auch die Straße Schaden genommen, bildeten sich die ersten Dellen.

Damals gehörte die Gemeinde Schermcke noch zur Verwaltungsgemeinschaft "Börde" Seehausen. Eigentlich hätte von Seiten des Bauamtes schon zu dieser Zeit gefordert werden müssen, dass die Baufirma ihrer Gewährleistung nachkommt. Doch die Zeit verstrich, ohne dass sich etwas tat. Die Anwohner wehrten sich schon damals gegen das Kaputt-Fahren ihrer Straße, machten unzählige Kompromissvorschläge, wie es auch für den landwirtschaftlichen Verkehr, der das Gut erreichen möchte, funktionieren könnte. "Doch es passierte nichts, gar nichts. Wir haben eine Straße teuer bezahlt und unsere Lebensqualität verloren", machten die Anwohner in der Ortschaftsratssitzung am Donnerstagabend deutlich. Die Straße weist inzwischen Dellen von bis zu elf Zentimetern auf. Das Fass zum Überlaufen brachte jedoch die Tatsache, dass im vergangenen Herbst Rüben über die Anliegerstraße abtransportiert wurden, "im Minutentakt", wie die Anwohner sagen. Barbara Wajroch, Stadträtin und Mitglied des Schermcker Ortschaftsrates, machte gegenüber des Oschersleber Ordnungsamtes deutlich, dass es so nicht weitergehen könne. Nach einer Überprüfung folgte die verkehrsbehördliche Anordnung für die Tonnenbegrenzung.

Groß war die Freude, als die 3,5-Tonnen-Schilder aufgestellt wurden. "Wenn die Fahrzeuge jetzt diese Begrenzung auch einhalten würden, wären wir wunschlos glücklich", meinten die Anwohner vor einigen Wochen. Um so erstaunter waren sie, als das Thema "Befahrung der Straße Am Jungfernhölzchen" plötzlich auf der Tagesordnung der Ortschaftsratssitzung stand.

Grund ist die Tatsache, dass der Pächter des Gutshofes sich an das Oschersleber Ordnungsamt wandte mit der Bitte, die Angelegenheit nochmals zu überprüfen, auch unter der Prämisse, dass Umwege nötig wären, um Getreide oder Dünger auf dem Gutshof in Schermcke zu lagern. Das sehen die Anwohner anders, was sie in der Ortschaftsratssitzung auch deutlich machten. "Allein der Wille fehlt, einen anderen Weg zu nehmen", sind sie sich einig. Die Mitglieder des Ortschaftsrates Schermcke indes sind sich einig: Es bleibt bei der Tonnenbegrenzung.

Ordnungsamtsleiter Gerd Ludwig und Fritz Wilding vom Straßenverkehrsamt sichteten in Vorbereitung der Ortschaftsratssitzung nochmals die Lage und Gerd Ludwig sagte gestern der Volksstimme: "Es bleibt bei der Tonnenbegrenzung." Allerdings müsse dann auch das Halteverbot in der Straße "An der Sandbreite" eingehalten werden, damit die landwirtschaftlichen Fahrzeuge diesen Weg nehmen können. Letztlich bleibe es auch bei der Tonnenbegrenzung, weil geplant ist, die Straße "Am Jungfernhölzchen" zu reparieren. Würde die Begrenzung wieder aufgehoben, würde die Reparatur sinnlos sein.

Der Pächter des Gutes war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.