Oschersleben. Noch ist die Aussetzung des Zivildienstes zum 30. Juni nicht beschlossen, und die Rahmenbedingungen des Nachfolge-Modells Bundesfreiwilligendienst sind weiter unklar. Trotzdemmüssen sich Sozialeinrichtungen darauf einstellen. Im Matthias-Claudius-Hausist man weiter auf die Mitarbeit und das soziale Engagement von Freiwilligen angewiesen- weilsie im täglichen Miteinander unersetzlich sind. Insgesamt acht Stellen sind innerhalb desBundesfreiwilligendienstes ab 1. Juli in Oschersleben zu besetzen.Werkstattleiter Dirk Belling weiß um die Bedeutung all jener, die als Zivis und FSJ´ler denAlltag im Matthias-Claudius-Haus begleiten. "Sie machen einen unglaublich wichtigenJob", fasst er zusammen. "Wir setzen weiter auf sie."

Doch wie genau das alles in Zukunftaussehen wird, steht im Detail noch nicht fest. Denn: Ab dem 1. Juli soll es mit dem Zivildienstvorbei sein - eine logische Konsequenz aus der Aussetzung der Wehrpflicht. AlsZivildienst-Ersatz soll der Bundesfreiwilligendienst folgen, der in der Regel zwölf, mindestenssechs und höchstens 24 Monate dauert. Die Probezeit beträgt sechs Wochen, dieFreiwilligen sind sozialversichert und bekommen ein Taschengeld. Die Bundesregierunghat angekündigt, einen entsprechen- den Gesetzesentwurf in Kürze zu verabschieden.

Im Oschersleber Matthias-Claudius-Haus sind insgesamt acht Stellen im Freiwilligendienstab 1. Juli zu besetzen. Die Einsatzgebiete sind vielfältig und ein Führerschein Voraussetzung."Wir möchten ganz klar sowohl Männer als auch Frauen motivieren, sich beiuns vorzustellen", erklärt Belling, der als Koordinator für den Zivil- und Freiwilligendienstzuständig ist. Ein entsprechender Bewerbungsbogen wird auf der Internetseitewww.claudiushaus.de zum Download angeboten.

Im Zuge dessen lichten sich so langsamdie Reihen der Zivis im Matthias-Claudius-Haus. Da theoretisch noch bis 30. Junider Zivildienst angetreten werden kann, möchte Belling auch hier motivieren. "Wer Zeitbis zum Ausbildungs- oder Studienbeginn überbrücken möchte, kann sich nach wie vorals Zivi bei uns vorstellen", betont er. Voraussetzung ist natürlich, dass dafür der Bescheid"Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer" vorhanden ist.

Noch kann der Freiwilligendienst nur mit Nachdruck beworben werden, handfeste Verträgekönnen erst nach der Gesetzesänderung geschlossen werden. Dirk Belling weiß, dassviele an dieser Stelle skeptisch werden und abwartend die Arme heben. "Die Rahmenbedingungensollen laut Bundesregierung im Frühjahr feststehen. Für uns als Sozialeinrichtungwird das ein blitzschneller Wandel und eine Herausforderung, den Freiwilligendienstund das FSJ parallel zu bewerben", sagt er. "Wir müssen die Unterschiede klar machen,Transparenz zeigen und uns anstrengen, Interessenten für beide Freiwilligendienste zugewinnen." Im Klartext bedeutet das: "Wir müssen einfach zusehen, wo wir Leute herbekommen",so Belling.