Noch immer ist nach der Entscheidung des Gemeinderates, sich nicht am Schnittstellenprogramm der Nasa zu beteiligen, keine wirkliche Ruhe eingekehrt. Bürger brachten in Briefen an den Vorsitzenden des Gemeinderates ihren Unmut über die Entscheidung zum Ausdruck.

Altenweddingen. Als am Montagabend der Altenweddinger Ortschaftsrat zusammenkam, berichtete Ortsbürgermeister und Vorsitzender des Gemeinderates, Jörg Methner, von den Briefen und er verlas eine Argumentation, die er dazu erarbeitet hatte. Wobei er auch betonte, dass sich die Räte keineswegs für ihre Entscheidung rechtfertigen müssten. "Der Beschluss ist nun einmal demokratisch gefasst. Ich antworte dem Bürger auch, um ihm die Augen, vor allem über die finanzielle Situation der Gemeinde, zu öffnen", so Jörg Methner. "Es gibt nach wie vor offene Fragen zum Schnittstellenprogramm, und auch uns hat man nicht die volle Wahrheit über mögliche Kosten, die zusätzlich auf die Gemeinde zukommen, gesagt."

Im Brief an den Bürger heißt es unter anderem: "Warum habe ich gegen die Beteiligung der Gemeinde am Schnittstellenprogramm gestimmt? Ausgangspunkt meiner Entscheidung ist die finanzielle Situation der Gemeinde. Wir haben ein Loch im Haushalt von vielen Millionen Euro! Wenn alle Dinge, die eigentlich erledigt werden müssten, umgesetzt werden sollen, dann kommen wir auf ca. zwölf Millionen Euro, die wir hierzu benötigen würden. Für mich stehen nicht der Straßenbau oder ein Bahnhof an erster Stelle, sondern ganz andere Dinge.

Wir reden ständig davon, dass Kinder eine Zukunft brauchen, und dass wir etwas bieten müssen, damit Kinder in die Welt gesetzt werden können. Und da steht bei mir an erster Stelle die Erhaltung der Kindertagesstätten, der Grundschulen, der Sport- und Freizeiteinrichtungen und auch der Schwimmbäder.

Schauen Sie sich die Grundschule in Osterweddingen an, auch wenn wir dort jetzt investieren, aber das Geld wird nicht reichen. Wir brauchen Räumlichkeiten für den dortigen Hort, auch die Sporthalle in Osterweddingen kann in diesem Zustand so nicht bleiben. Und das ist mir wichtiger als ein Bahnhof oder eine weitere Straße.

Schauen Sie sich die Kindertagesstätte in Langenwed- dingen an. Dort müssten längst bauliche Veränderungen stattfinden, aber wir können es nicht! Schauen Sie sich unsere Wohnungen an, viele sind in einem erschreckenden Zustand. Kürzlich bat ich um eine kleine finanzielle Unterstützung für unseren Fackelumzug. Wenigstens für die Bezahlung der Kapelle und für die Fackeln. Da erhielt ich die Antwort, es ist kein Geld da. Oder die Veranstaltung zum zehnjährigen Bestehen der Gemeinde Sülzetal, auch dafür waren keine Mittel da, alles wurde gesponsert. Aber für eine Sicherheitsfirma, die sechs Monate Streife fährt, überwiegend zum Schutz des Gewerbegebietes. Die Verantwortlichkeit hierfür wird derzeitig geprüft."

Jörg Methner erklärte weiter, er habe vor seiner Entscheidung für oder gegen das Schnittstellenprogramm die Kommunalaufsicht angerufen und gefragt, ob man dieser Entscheidung zustimmen könne. Ihm sei gesagt worden, dass durch viele derartige Entscheidungen die Gemeinde finanziell schlecht dasteht und hoch verschuldet ist. "Und wenn ich zustimme, wurde mir gesagt, dann muss woanders gestrichen werden. Das kann ich im Interesse aller Bürger nicht verantworten. Wenn wir allen Bürgern die Augen öffnen, dann würde die Mehrheit der Sülzetaler bei einer Bürgeranhörung gegen das Schnittstellenprogramm sein", ist sich Jörg Methner sicher.