Der Haldensleber Stadtrat soll auf seiner nächsten Sitzung am 16. Juni darüber beschließen, ob der 2. Bauabschnitt für das Mehrgenerationenhaus in der Gröperstraße errichtet wird. Immerhin würde die Stadt bei der Realisierung des Vorhabens ab dem Jahr 2014 mit fast 2,8 Millionen Euro mit im Boot sitzen. Das ruft bei einigen Stadträten Bedenken hervor.

Haldensleben. Eine Grundsatzentscheidung soll der Haldensleber Stadtrat auf seiner nächsten Sitzung am 16. Juni fällen: Soll der 2. Bauabschnitt für das Mehrgenerationenhaus in der Gröperstraße errichtet und bei seiner Inbetriebnahme die Seniorenbegegnungsstätte in der Hagenstraße 60 geschlossen werden? Eine Frage, die von einigen Stadträten äußerst kritisch begleitet wird, wie auf den jüngsten Sitzungen von Sozial- und Finanzausschuss deutlich wurde.

Der Hauptvorwurf der Kritiker an die Stadtverwaltung lautet, dass der zweiten Schritt vor dem ersten gemacht werde. Zwar gibt es für den 2. Bauabschnitt eine Grobkonzeption, doch ein Träger für die Einrichtung hat sich bislang nicht gefunden. Bis auf Interessensbekundungen einiger Organisationen und Vereine, möglicherweise für einzelne Bereiche die Verantwortung übernehmen zu wollen, ist die Frage, wer das Haus später betreiben soll, noch völlig offen. Nur eines steht fest - die Stadt wird sich diese Jacke nicht anziehen können, schon allein aus finanziellen Gründen.

Um sich die Meinungsbildung zu erleichtern, haben die Mitglieder des Sozialausschusses die Mehrgenerationenhäuser in Salzgitter Bad und in Stendal besichtigt. "In beiden Fällen wurde klar, dass dort ein Konzept dahinter stand. Doch das ist in Haldensleben nicht der Fall", machte Dr. Michael Reiser (Freie Wähler/pro Althaldensleben) im Sozialausschuss deutlich. Es müsse doch erst einmal ein Konzept entwickelt werden. "Ein Gebäude zu errichten, reicht allein nicht aus", sagte er.

Ähnlich sah es auch Hermann Ortlepp (SPD) im Finanzausschuss. "Wir müssen doch erst einmal einen Betreiber finden, bevor wir uns entscheiden, den 2. Bauabschnitt zu bauen", erklärte er. Immerhin geht es um fast 2,8 Millionen Euro, die Haldensleben für den Neubau in die Hand nehmen müsste - als Gegenfinanzierung für die in Aussicht gestellten Fördermittel von rund 1,5 Millionen Euro für den 2. Bauabschnitt, mit dem im Jahr 2014 begonnen werden könnte.

"Ich muss doch erst einmal wissen, was ich will..."

"Ich sehe es genau andersherum. Ich muss doch erst einmal wissen, was ich will, und suche mir dann einen Partner", hielt Bürgermeister Norbert Eichler dagegen. Eine positive Entscheidung des Stadtrats zum Mehrgenerationenhaus wäre aber auch ein positives Signal für den oder die möglichen Betreiber, ergänzte Stadt-Dezernent Henning Konrad Otto. "Vor dem finanziellen Hintergrund schaffen wir in Haldensleben gute Voraussetzungen, die das Vorhaben für mögliche Betreiber noch interessanter machen", sagte er im Hinblick auf die 40-prozentige Förderung des 2. Bauabschnittes, die das Land in Aussicht gestellt hat. Ein Interessent müsste somit nicht "bei Null" anfangen.

Otto wünscht sich möglichst viele Beteiligte aus den verschiedenen Altersstrukturen, um das Haus mit Leben zu erfüllen. "Wir als Stadtverwaltung wollen es uns nicht zutrauen, solch ein Mehrgenerationenhaus zu gestalten", unterstrich er.

Allerdings hat die Verwaltung eine Grobkonzeption vorgelegt. Sie beinhaltet Flächen für ein "Zentrum ¿Überdachter Marktplatz\'" als zentraler Anlaufstelle und Treffpunkt für jedermann in der Innenstadt, eine Seniorentagesstätte, Gemeinbedarfs- und Vereinsflächen, Kinderbetreuung, Räume für Dienstleistungsangebote sowie einen Bewegungs- und Multifunktionsraum. Und für diese Nutzungsangebote will die Stadt verbindliche Partner binden. "Wir entwickeln zuerst die Idee und werden frühestens 2014 bauen und nicht umgekehrt", erläuterte Norbert Eichler die Vorgehensweise der Verwaltung. Für die eigentliche Baumaßnahme, so betonte er, werde es im Stadtrat eine separate Entscheidung geben.

Natürlich seien im Detail noch viele Fragen offen, bestätigte Otto: "Und solange niemand da ist, der das Haus betreiben will, wird es auch keine konkrete Planung geben, was das Haus beinhaltet und wie diese Vorstellungen umgesetzt werden." Dafür seien aber auch noch drei Jahre Zeit. Vorausgesetzt, der Stadtrat stimmt dem Vorhaben zu, meinte Otto.

"Muss das fünf Millionen Euro kosten?

"Wir haben in Haldensleben sowohl eine gute Senioren- als auch Kinderbetreuung. Das Mehrgenerationenhaus soll ja ein Treffpunkt werden. Aber muss das fünf Millionen Euro kosten? Können wir nicht bestehende Einrichtungen nutzen und dort Möglichkeiten schaffen, damit sich die Generationen auch wirklich treffen?", fragte Klaus Czernitzki (Die Linke). Ähnlich sieht es auch sein Fraktionskollege Josef Franz. "Der Betreuungsbedarf ist in Haldensleben doch soweit gedeckt. Und es gibt keine schriftlichen Zusagen von Vereinen und schon gar keinen Betreiber. Vielleicht sollten wir überlegen, ob das ganze Vorhaben nicht abgespeckt werden kann?"

In der Fraktion der Linken besteht die Befürchtung, "dass wir ein Haus hinstellen, es dann aber nicht mit Leben füllen können", so Czernitzki. Für Eberhard Resch (CDU) könne es aber nur so laufen. "Wir müssen mit dem Haus starten, sonst tut sich gar nichts. Es muss sich dann über die Jahre entwickeln", so sein Standpunkt. "Wir sollten diese Chance nutzen - auch vor dem Hintergrund, dass es scheitern kann", bekannte er sich zu dem Vorhaben.

Daher sei es für ihn auch die Grundlage für das Mehrgenerationenhaus, dort die Seniorenbegegnungsstätte zu integrieren. Das sieht der Beschluss, über den der Stadtrat zu befinden hat, ebenfalls vor: Mit der Inbetriebnahme des Mehrgenerationenhauses soll die Begegnungsstätte in der Hagenstraße geschlossen werden. "So kann die Stadt neue Ideen umsetzen, ohne die Situation für die Senioren verschlechtern zu wollen", meinte Eichler dazu. Für Klaus Czernitzki stellte sich in diesem Zusammenhang aber auch eine andere Frage. "Was passiert mit der Begegnungsstätte an der Hagenstraße, wenn sie geschlossen wird?", fehlte ihm eine Aussage über eine mögliche Nachnutzung des städtischen Gebäudes.

Eine Empfehlung für den Stadtrat mochten aber angesichts der offenen Fragen weder die Mitglieder des Sozial-, noch die des Finanzausschusses abgeben. Das Thema soll zunächst in den Fraktionen behandelt werden und bei den nächsten Ausschusssitzungen wieder auf die Tagesordnung kommen. "Ich glaube kaum, dass ein Stadtrat grundsätzlich gegen das Mehrgenerationenhaus ist, aber ich möchte doch gern die Meinungen aus den anderen Fraktionen dazu hören", hatte Ortlepp im Finanzausschuss eine "Vertagung" beantragt. Auch Sozialausschussvorsitzender Czernitzki wollte erst noch ein Meinungsbild aus den Fraktionen abwarten.

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