Quer durch die gesamte Gemeinde Sülzetal erstreckt sich ein ausgeklügeltes Feldwegesystem. Im Rahmen der Flurneuordnung sind in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Wege entstanden. Diese aber werden nicht nur immer wieder verbotenerweise von Fahrzeugführern befahren. Leider nutzen einige Unbelehrbare die Wege dafür, möglichst unauffällig und vor allem illegal Müll zu entsorgen.

Sülzetal. Wenn Ordnungsamts-Außendienstmitarbeiter Siegfried Lamprecht von seinen Touren quer durch das Sülzetal zurückkehrt, hat er täglich neue Müllberge in der Natur entdeckt. Die Volksstimme begleitete ihn und Ordnungsamtsleiter Rudi Wenzel auf einer dieser Tour von Feldweg zu Feldweg.

Erst neu gebaut ist der Feldweg zwischen Dodendorf in Richtung Fünf-Wege-Kreuzung. Von hier aus gelangt man zügig nach Sülldorf, Bahrendorf oder Stemmern. Entlang der meisten Feldwege sind auch dichte Hecken als Windschutzstreifen gepflanzt.

Doch die Freude über die grünende und blühende Natur entlang der Wegstrecke währt nur kurz. Die ersten Müllhaufen tauchen auf. Farbeimer, ein alter Autositz und andere, aus dem Auto ausgebaute Teile. "Sondermüll also", wie Rudi Wenzel feststellt. "Die neuen Feldwege, und davon sind eine ganze Reihe in den vergangenen Jahren durch die Flurneuordnung entstanden, laden scheinbar regelrecht zu diesen illegalen Müllentsorgungstouren ein", meint der Ordnungsamtsleiter.

Wobei er denkt, dass etliche Müllberge hier im Sülzetal nicht nur den Bürgern vor Ort zuzuschreiben sind. Etliche Berge seien in seinen Augen durch den sogenannten Müll-Tourismus, vor allem aus der Landeshauptstadt, entstanden.

Egal, in welche Richtung und auf welchem Feldweg wir uns an diesem Nachmittag bewegen: Immer wieder sind neue Müllhaufen zu entdecken. Beispielsweise auch hinter Altenweddingen. Dort liegt vor allem Elektroschrott. Auch dieser müsste nicht in die "Botanik" gekippt werden. Die Gemeinde kommt ihren Bürgern entgegen und bietet immer am ersten Sonnabend eines Monats von 10 bis 12 Uhr den Service an, Elektroschrott in den Betriebshöfen der einzelnen Ortschaften abgeben zu können.

Als Ordnungsamtsmitarbeiter registriert Siegfried Lamprecht alle Verstöße gegen die Müllentsorgung und meldet sie an den Landkreis weiter. Dieser sammelt den Müll wieder ein. "Es ist beinahe unmöglich, mal einen Sünder auf frischer Tat zu erwischen. Und der Appell an die Bevölkerung, die Augen offen zu halten, ist zwecklos ", meint der Ordnungshüter.

Die zahlreichen Feldwege sind allerdings nicht nur eine willkommene Abkürzung für Umweltsünder. Auch viele Autofahrer haben sie für sich entdeckt, um schneller von A nach B zu kommen. Entsprechende Verkehrsschilder an den Zufahrten werden einfach ignoriert. Ein gutes Beispiel liefert just in diesem Moment ein Autofahrer, der aus Altenweddingen herausfährt, aber nicht die Bundesstraße, sondern den Feldweg, die sogenannte "Heerstraße", als Abkürzung nimmt. "Der darf hier nicht lang und ist auch noch viel zu schnell", schimpf Rudi Wenzel. "Hier ist die Polizei auch gefordert, mehr Kontrollen müssen her!" Um noch einmal auf die Heerstraße zurückzukommen: Dieser Feldweg ist ebenso noch relativ neu und dient den Schülern der Ganztagsschule, die von Langenweddingen nach Altenweddingen fahren, als Radweg. Autofahrer hätten dort also erst recht nichts zu suchen.

Aber schon bald könnte den Abkürzungen über die Feldwege ein Ende gesetzt werden. Und zwar mit Hilfe von Schranken, die mitten auf die Wege gesetzt werden. Diese Aktion wird in Verbindung mit den Landwirten initiiert. Denn auch die haben ein Interesse daran, dass die Wege sauber bleiben und nicht wieder kaputt gefahren werden. Die Landwirte selbst würden die Schranken öffnen und nach der Durchfahrt wieder schließen.

Ein erstes Beispiel gibt es bereits. Und zwar auf dem Feldweg zwischen Langenweddingen und der B246a bei Blumenberg. An beiden Ende ist der Weg bereits als Sackgasse gekennzeichnet. Doch unsere Tour dort entlang bewies: Im Moment hält sich niemand an die Beschilderung, es wird einfach durchgefahren.

Im Falle der ersten Schranke wurde diese mitten auf die Wegstrecke gesetzt. "Wir sind aber noch am Überlegen, ob wir die andere Schranken an das Ende oder an den Anfang eines Wege setzten", so Rudi Wenzel.