Oebisfelde (jpi). Was hat die Gemeinde Schortens-Heidmühle, gelegen im Kreis Friesland zwischen Jever und Wilhelmshaven an der Nordsee, mit dem altmärkischen Oebisfelde zu tun? Im Prinzip nichts. Doch seit Mittwochnachmittag schon etwas. Verantwortlich dafür sind der Buchhorster Michael Frick und Helmuth Cohrs aus der friesländischen Gemeinde. Die beiden Männer verbindet ihr Hobby - die Eisenbahn. Vor allem die alten, von den Schienen verbannten Dampfrösser haben es ihnen angetan. Sie sammeln so ziemlich alles, was mit Dampf auf den Schienen zu tun hatte. Auch Lok-Schilder. Allerdings ist Helmuth Cohrs gerade dabei seine Schildersammlung zu verkleinern. Hobbyfreund Frick hatte davon erfahren und ist in der cohrschen Sammlung fündig geworden (wir berichteten). Zwei Schilder von Lokomotiven, die einst im Oebisfelder Bahnbetriebswerk stationiert waren, hatte es nach Friesland verschlagen. Zurückgekehrt sind die Schilder nun am Mittwoch in Begleitung von Helmuth Cohrs. Wie es sich gehört, mit großem Bahnhof. Allerdings erfolgte der Empfang nicht in der Oebisfelder Bahnhofshalle, die ist seit langem geschlossen, sondern im Rosengarten mit einem würdigen Empfangskommitee. Ehemalige Oebisfelder Lokführer, der Heizer Klaus Rohde sowie der staatlich geprüfte Kesselwärter Ulrich-Max Sander waren gekommen.

Interessant ist, wie der 61 Jahre alte Ex-Lehrer Cohrs zu den Schildern mit den Nummern 22029 sowie 503506 gekommen ist: "Das war noch vor der Wende. Ich habe sie über die Schiene Ost/West-Berlin zugeschickt bekommen. Wie das alles genau abgelaufen ist, wollte ich damals gar nicht wissen. Im Nachhinein vermutet ich, dass der Verkauf beziehungsweise Kauf etwas mit der Devisenbeschaffung der DDR zu tun gehabt haben könnte. Bezahlt habe ich pro Schild 60 Westmark."

Die Geschichte der beiden Lokomotiven hat Michael Frick indes genau recheriert. Frick: "Die Lok mit dem Schild 22029 kam am 16. Juni 1966 aus Karl-Mark-Stadt nach Oebisfelde. Etwas komplizierter ist es mit der 503506. Diese Lok war die sechste aus dem großen Rekonstruktionsprogramm der Reichsbahn bei der Baureihe 50. Diese Arbeiten erfolgten alle im Ausbesserungswerk in Stendal. Ihre alte Nummer lautete 50903. Unter dieser Nummer kam sie am 26. Februar 1954 aus dem Bahnbetriebswrk Stendal nach Oebisfelde. Zuvor war sie schon einmal im Jahr 1947 in Oebisfelde stationiert. 1957 ist die Lok dann in Stendal im Rahmen des Rekonstruktionsprogrammes zur 503506 umgebaut worden. Das Besondere war dann, dass sie nach dem Umbau noch mit dem alten Schild 50903. Die neue Bezeichnung 503506 erhielt sie erst Wochen später."

Übrigens existieren die beiden Dampf-Veteranen noch. Die 22029 allerdings nur noch teilweise. Sie steht im Ampfelwang in Österreich und dient als Ersatzteilspender. Die 503506 steht hingegen im bayrischen Eisenbahnmuseum in Nördlingen.

"Ich bin jedenfalls froh, dass die Schilder in gute Hände, die noch wissen was hinter den Schildern steckt, gekommen sind", sagte Cohrs. Gemeint sind die Hände von Michal Frick. Durch die beiden neiuen Schilder ist seine Sammlung auf 36 Stück angewachsen. "Ich möchte die Sammlung auch einmal der Öffentlichkeit präsentieren. Vielleicht schon bald in Buchhorst, wo ein kleiner Eisenbahnpark am Entstehen ist", blickte der Eisenbahn-Fan Frick voraus.