Zielitz. Zum landesweiten "Tag der Industriekultur" lud gestern auch der Bergmannsverein "Scholle von Calvörde" zu zwei zweieinhalbstündigen Wanderungen auf den Kalimandscharo ein. Das Angebot war Teil der "Glück auf"-Tour, bei der einstige und aktuelle Bergbauregionen zu einem Veranstaltungsreigen über ihre Geschichte und Gegenwart in Museen, Bergwerken und Tagebauen einladen.

Mit Bergführer Manfred Witzel empfing ein Urgestein des Bergmannsvereins die knapp 20 Gäste bei milder Frühlingssonne zu Füßen des Salzbergs.

Sein Kollege Matthias Schlesiger war zum ersten Mal als Bergführer dabei. Bis vor einem Jahr hat er noch unter Tage gearbeitet, war 30 Jahre Bergmann mit Herz und Seele.

Pro Jahr führen die Bergführer 4 000 Gäste von Mai bis September hinauf auf die höchste Erhebung zwischen Brocken und Ostsee. An jedem Sonnabend ist eine Führung ab 15 Uhr auch ohne Anmeldung möglich. Treffpunkt ist immer am "Info-Point". Hier schmökerten die "Bergwanderer" am Sonntagmorgen an den vielen Infotafeln und in angebotenen Broschüren und Karten. Weg wie warme Semmeln gingen kleine Gläschen, gefüllt mit Kali- und Steinsalzen in den schillerndsten Farben. Der "Info-Point" ist auch für Ortsunkundige mit dem Auto über eine gut ausgeschilderte Anfahrt bequem aus Richtung Farsleben, Schricke zu erreichen.

"Heute ist die Halde II, den alle nur Kalimandscharo nennen, 120 Meter hoch, die große Tour bis an die Bergspitze dauert gut zweieinhalb Stunden, die kleinere Runde zum Plateau in 105 Metern Höhe zwei Stunden", berichtete Schlesiger vor dem Aufbruch am Info Point. Und Witzel ergänzte: "Von da oben kann man bei schönem Wetter bis zum Brocken gucken. Jetzt beginnt die Heide zu grünen, sollten wir einen Rundgang oben machen, eröffnet sich ein wunderbarer Blick auf die Elbeniederung", blickte Witzel voraus

Kalibergbau, berichten die Zwei, hat es schon früher, Anfang des 20. Jahrhunderts in Zielitz, Samswegen und Vahldorf gegeben. Das wurde wegen zunächst geringer Mengen aufgegeben.

Erst 1963 hat es in Zielitz wieder Erkundungsbohrungen gegeben. Zehn Jahre später ging es richtig los mit dem Kalibergbau am Rande der Börde. "Heute werden täglich 42 000 Tonnen Salz gefördert, zwischen 13 und 21 Prozent davon sind verwendbar, der Rest kommt auf die beiden Halden, wobei die Halde II die Haupthalde ist und die Halde I als Ausweichhalde genutzt wird. Auf Halde I finden in 45 Metern Höhe auch die Kalimandscharo-Festspiele statt," berichteten die Bergführer.

1000 der insgesamt 1700 Mitarbeiter arbeiten unter Tage - in bis zu 1300 Metern Tiefe. Das Abbaufeld erstreckt sich inzwischen im Westen bis unter den Hillersleber Schießplatz und im Osten bis Niegripp. "Dort unten sind 500 mobile Fahrzeuge im Einsatz, täglich werden etwa 19 Tonnen Sprengstoff verwendet" erzähle Witzel. "Wir bewegen uns mit einem Transporter Richtung Bergkuppe, neben uns das Fließband. Es befördert über 4,5 Kilometer den anfallenden Rückstand direkt aus dem Werk bis hoch auf die Halde, wo der gigantische Absetzer seine Arbeit tut und wahre Mondlandschaften hinterlässt, die Jeder ein Mal gesehen haben sollte."