Das Oschersleber Bodewehr wird nicht abgerissen, sondern saniert und bleibt damit auch als Wahrzeichen der Stadt erhalten. Zudem wird es künftig zur Stromerzeugung genutzt. Damit geht ein Wunsch vieler Oschersleber in Erfüllung.

Oschersleben. Als die Oschersleber vor zwei Jahren erfuhren, dass möglicherweise das Bodewehr abgerissen wird, war die Aufregung groß. Die einen hatten Bange, dass sich damit der Hochwasserschutz verschlechtert, andere befürchteten schlechtere Lebensbedingungen für die Fische, wieder andere sahen das Ende des Kanusports und des jährlichen Boderennens. Und alle zusammen wollten zudem nicht, dass mit dem Bodewehr ein Wahrzeichen der Stadt verschwindet.

Die Volkstimme hatte seinerzeit zu diesem Thema eine große Umfrage gestartet. Mehr als 1200 Leserinnen und Leser sprachen sich dabei für den Erhalt des Wehres aus.

Zeitgleich hatten sich vor allem in Vereinen mehrere Initiativen gebildet und Resolutionen an das Land geschrieben, dem das Bodewehr gehört und das zuständig für den Hochwasserschutz ist. Aber auch an den Stadtrat wurde appelliert, sich für den Erhalt des Wehres einzusetzen. Eine Forderung, der beispielsweise mit einer vom Oschersleber Schwimm- und Wandersportverein sowie der Kanu-Abteilung des SV Lok veranstalteten Unterschriftensammlung Nachdruck verliehen wurde. Mehr als 700 Unterschriften hatten die Initiatoren binnen kurzer Zeit zusammen und Bürgermeister Dieter Klenke auf den Ratstisch gelegt. Wobei die Bodewehr-Aktivisten im Rathaus offene Türen einliefen und auch der Stadtrat an das Land appellierte, eine andere Lösung als den Abriss zu finden.

Und diese andere Lösung wurde jetzt gefunden, wie Bürgermeister Dieter Klenke auf Anfrage bestätigte. Danach hat das Landesamt für Hochwasserschutz der Stadt dieser Tage mitgeteilt, dass das Oschersleber Bodewehr nicht nur nicht abgerissen, sondern für etwa zwei Millionen Euro saniert und dabei auch mit einer "Fischtreppe" und vor allem mit einer Wasserkraftanlage zur Energiegewinnung ausgestattet wird.

Der Betreiber der Wasserkraftanlage, die nach Aussage von Klenke das Bild des Wehres nicht beeinträchtigt, sondern sich unter Wasser befinden werde, wird die Talsperren-Wasserkraft Sachsen-Anhalt GmbH, deren Mitarbeiter Udo Leier gestern Nachmittag bestätigte: "Ja, wir sind mit dem Landesamt für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft über dieses Projekt im Gespräch." Wie Udo Leier weiter mitteilte, werden mit dieser Wasserkraftanlage am Bodewehr jährlich etwa 760 000 Kilowattstunden produziert. Und mit dem Erlös werde die Sanierung des Wehres refinanziert. Vorgesehen sei, noch in diesem Jahr mit der Planung zu beginnen und die Anlage 2013 in Betrieb zu nehmen.

"Ob wir als Stadt in diesem Zusammenhang in den Nebenbereichen des Wehres etwas verändern müssen, werden wir jetzt prüfen und dann gegebenenfalls dafür die Vorbereitungen treffen", kündigte Bürgermeister Klenke an.