Mit den Christdemokraten des Landkreises Börde beginnt heute der Reigen der Kreisparteitage, auf denen die Parteien im Landkreis ihren Kandidaten für die bevorstehende Landratswahl bestimmen. Und hier zeigt sich die Börde-CDU uneins. Während der Kreisvorstand den Wolmirstedter Martin Stichnoth vorschlägt, will die Kreistagsfraktion heute den Oschersleber Hans Walker vorschlagen. Auch andere Parteien haben bereits ihre Kandidatenvorschläge: Die Börde-SPD schlägt ihren Mitgliedern den Hornhäuser Wolfgang Zahn vor, die Linke den Magdeburger Klaus Lindner.

Landkreis Börde."Turbulent" soll er zugehen, der Kreisparteitag der Börde-CDU heute ab 10 Uhr im Katharinensaal in Wolmirstedt. Das sagen Christdemokraten selbst. Denn es hat sich einiger Unmut innerhalb der Börde-CDU aufgestaut. Grund dafür ist die Personalie Martin Stichnoth. Ex-Landrat Thomas Webel hatte sich den Wolmirstedter als seinen Nachfolger gewünscht und ins Gespräch gebracht. Zwar in Absprache mit dem Kreisvorsitzenden Holger Stahlknecht, ansonsten aber eher einsam, werfen ihm einige Parteimitglieder vor. Das wird ihm übel genommen.

"Die Unmutswellen schlagen haushoch", sagen Parteimitglieder. Solch eine Entscheidung hätte auf breiterer Basis getroffen werden müssen, bevor man damit in die Öffentlichkeit geht, heißt es. "Nur zum Handheben sind wir nicht da", schimpft ein Parteimitglied. Webel kontert, dass er ja wohl noch das Recht habe, einen Vorschlag zu äußern.

Doch auch die Kreisvorstandssitzung am Montag- abend in Ebendorf, auf der sich Webel und Stahlknecht bei den Vorstandsmitgliedern für die "unglücklich" gelaufene Verfahrensweise entschuldigen, scheint nicht wirklich viel gebracht zu haben. Zwar wurde Webels Vorschlag, Stichnoth dem Kreisparteitag als Kandidat vorzuschlagen, mehrheitlich angenommen, aber nur zwei Tage später schießt die CDU-Kreistagsfraktion quer. In zwei Sitzungen vor und nach der Kreistagssitzung einigte sich die Mehrheit der Fraktion darauf, heute einen weiteren Namen ins Spiel zu bringen. Dem Kreisparteitag soll der Oschersleber Hans Walker als Kandidat vorgeschlagen werden. Aber selbst in der Fraktion gaben die Christdemokraten kein einheitliches Bild ab. Die einen wollen dem jungen Wolmirstedter eine Chance geben und sehen sich ihrem Beschluss im Kreisvorstand gegenüber verpflichtet, andere wiederum wollen den Oschersleber mit mehr Erfahrung in den Wahlkampf schicken.

Hans Walker (58 Jahre) war schon einmal Landrat. Von 1990 bis 1994 war er Landrat des Kreises Oschersleben. Nach der Kreisfusion mit Wanzleben musste er sich im Wahlkampf Burkhard Kanngießer (SPD) geschlagen geben. Walker ist Geschäftsführer der Wohnungsbau- und Verwaltungs GmbH "Bewos" in Oschersleben und seit 40 Jahren in der CDU.

Martin Stichnoth (33 Jahre)ist in der Kreisverwaltung Sachgebietsleiter und Personalratsvorsitzender. Außerdem ist Stichnoth CDU-Mitglied im Wolmirstedter Stadtrat, ist Vorsitzender des Ausschusses für Finanzen. In seiner Freizeit engagiert er sich unter anderem auch als Kreisvorsitzender des Rassekaninchenzuchtverbands Börde-Ohre.

SPD und Linke geben Vorschläge bekannt

Wer von beiden heute die meisten Stimmen bekommen wird, ist offen. Das wird auch davon abhängen, wie die Beteiligung der Mitglieder aus dem Norden und dem Süden ist. Viele Gespräche sind in den vergangenen Tagen mit Parteimitgliedern geführt worden, es wurde viel geworben. Sowohl für Stichnoth als auch für Walker. "Die Chancen für Stichnoth steigen, es wird aber trotzdem problematisch", hieß es gestern. Wenn nicht "turbulent", so wird es heute auf jeden Fall spannend in Wolmirstedt.

Über zwei Kandidaten haben am Donnerstagabend auch die Sozialdemokraten zu entscheiden gehabt. Wolfgang Zahn und Vinny Zielske hatten sich dem Kreisvorstand vorgestellt. Mehrheitlich entschied der Kreisvorstand, der Kreisdelegiertenkonferenz am 27. Mai in Rottmersleben den Hornhäuser Wolfgang Zahn (48 Jahre) vorzuschlagen, sagte Kreisvorsitzende Silke Schindler gestern im Volksstimme-Gespräch. Vinny Zielske stehe es aber selbstverständlich frei, sich auf der Delegiertenkonferenz zu bewerben, so Silke Schindler. Ob sie dies auch tun werde, ließ die Geschäftsführerin des Trink- und Abwasserverbandes TAV Börde in Oschersleben gestern auf Nachfrage aber noch offen.

Zahn ist seit 2007 im Kreistag, in Ausschüssen, im Sparkassenverwaltungsrat und in Parteigremien. Er arbeitet bei der Agrarmarketinggesellschaft in Magdeburg.

Bei der Linken fiel gestern die Entscheidung: Kreisvorstand und Kreistagsfraktion werden auf dem Kreisparteitag am 20. Mai in Hundisburg Klaus Lindner vorschlagen, erklärte Kreisvorsitzender Klaus Czernitzki gestern. Auch bei den Linken habe es mehrere Namen gegeben, Lindner indes sei Favorit gewesen. Gestern sagte er zu. Lindner (53), Diplom-Lehrer, der jetzt in einer EDV-Firma arbeitet, war viele Jahre in der Kommunalpolitik in Klein Wanzleben und im Stadtrat der Einheitsgemeinde Wanzleben-Börde tätig, wohnt in Magdeburg.

   

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