Mit einem großen Stehbankett ist Ex-Börde-Landrat Thomas Webel am Freitagnachmittag verabschiedet worden. Mehr als 200 Gäste waren in die Ziegelei Hundisburg gekommen, um dem neuen Landesverkehrsminister für die bisherige Arbeit als Landrat zu danken und ihm viel Erfolg für seine neue Aufgabe zu wünschen.

Hundisburg. Kreistagspräsident Dr. Karl-Heinz Daehre und Beigeordneter Dietrich Bredthauer hatten zur Verabschiedung des dienstältesten Landrats ganz bewusst die Ziegelei in Hundisburg gewählt. Das Technische Denkmal, dessen Träger der Landkreis ist, lag Thomas Webel stets am Herzen. Hier sollten langjährige Weggefährten, Freunde, Mitarbeiter und alle, die es wollten, die Möglichkeit haben, dem Ex-Landrat "Auf Wiedersehen" zu sagen. Und das wollten weit mehr, als die Organisatoren dachten. Anstelle der rund 150 erwarteten Gäste kamen am Freitagnachmittag mehr als 200. In langen Schlangen warteten sie, um Thomas Webel zum Abschied die Hand schütteln zu können. Webel stand geduldig da und nahm alle guten Wünsche entgegen. "Ich bin doch nicht tot", sagte er stets mit einem Augenzwinkern. "Ich werde auch weiterhin im Landkreis präsent und mit ihm verbunden sein, schließlich lebe ich hier", erklärte er.

Eigentlich hatte sich Webel zu seinem Abschied keine Präsente gewünscht. Er bat stattdessen um eine Spende für den Förderverein der Ziegelei. Doch einige Gäste konnten nicht anders und hatten dennoch etwas mitgebracht. Die Schützen im Landkreis, für die der Ex-Landrat stets ein offenes Ohr gehabt habe, zeichneten Thomas Webel mit der höchsten Ehrung des Verbandes aus. Zum Abschied hatten sie zudem ihre kleinen Kanonen mitgebracht, um mehrere Salutschüsse abzugeben. Auch die Feuerwehrverbände des Landkreises ehrten Webel für seine Verdienste um den Brandschutz.

Auf dessen Verdienste in den zurückliegenden 20 Jahren ging auch Kreistagspräsident Daehre in seiner Rede ein. "In ausgezeichneter Weise hat er es verstanden, die Menschen zu überzeugen. Stichwahlen - das Wort kannte er nicht. Das heißt, er kann gar nicht so viel falsch gemacht haben. Und dass heute so viele Menschen gekommen sind, zeigt die hohe Wertschätzung, die die Menschen ihm entgegenbringen", sagte Daehre, um sodann scherzhaft anzufügen: "Ich hätte nie gedacht, dass ich so viele lobende Worte über meinen Nachfolger sagen werde".

"Wer einen Radweg braucht: Thomas Webel..."

Ex-Verkehrsminister Daehre ließ keinen Zweifel daran, dass Webel als Landes-Verkehrsminister der richtige Mann sei. Er schien jedoch auch gelöst, dass er selbst nun seinen "Minister-Ruhestand" genießen könne. "Wenn jemand einen Radweg braucht: Wenden Sie sich an Thomas Webel. Es ist so wunderbar, wenn man sagen kann, ich bin nicht mehr zuständig", sagte Daehre lachend unter dem Applaus der Gäste.

Als kleines Präsent hatte der Langenweddinger etwas Passendes mitgebracht. Er überreichte Webel eine Schere zum Durchschneiden der symbolischen Bänder bei Straßen- oder Platzfreigaben und eine 2-Euro-Münze. "Die Schere ist als Ersatz da, falls Du mal keine hast. Und die Münze soll dich stets daran erinnern, dass du zuerst Geld aus Berlin und Brüssel besorgen musst, um überhaupt die Schere benutzen zu können", erklärte Daehre.

Webels Verdienste um den Landkreis hob auch Dietrich Bredthauer hervor und sagte unter anderem: "Herr Landrat, sie haben sich um den Landkreis, um die Gemeinden, um die Bürger und die Verwaltung große Dienste erworben. Als Landrat haben sie die drei Landkreise maßgeblich bestimmt". Als Dank der Verwaltung, die Webel zu einem "zukunftsfähigen Dienstleister" ausgebaut habe, überreichten die Dezernenten ihm eine Fotomontage. Das Bild zeigt Webel als dynamischen Radfahrer auf der Allee zwischen seinem Wohnort Klein Ammensleben und Dahlenwarsleben. Diese Straße sei er vor seiner Landratstätigkeit stets zur Arbeit gefahren.

Ein sichtlich gerührter Thomas Webel wollte all die guten Worte nicht allein auf sich gemünzt sehen. "Wir alle gemeinsam haben das Glück gehabt, diesen Landkreis in den vergangenen 20 Jahren gestalten zu können. Das ist eine Leistung, die wir alle geschafft haben. Wir haben immer darauf geachtet, dass es bei der Fusion keinen Gewinner und keinen Verlierer gab. Unser Landkreis gilt im Land als derjenige, der in der Entwicklung am weitesten gekommen ist. In vielen Parametern sind wir auf Platz 1 im Land und belegen in Ostdeutschland vordere Plätze. Im Bundesvergleich liegen wir im guten Mittelfeld. Aber es liegen noch viele Aufgaben vor uns. Die Entscheidung, zu gehen, ist mir nicht leicht gefallen. Aber auch in Magdeburg warten Aufgaben auf mich. Dr. Daehre hat große Fußspuren hinterlassen - ich werde mein Bestes tun, um so schnell wie möglich diese Aufgabe so wahrzunehmen, dass er in Langenweddingen zufrieden sein kann", sagte Webel unter dem Applaus der Gäste. Er ließ zudem keinen Zweifel daran, dass er auch weiterhin den Landkreis Börde fest im Auge behalten werde: "Wenn jetzt jemand denkt, dass ich den Landkreis vergessen könnte, dann kann ich nur sagen: Das wird nicht passieren!" Und das nicht nur, weil er weiter hier wohne.

 

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