Ein Regenschauer hat schon so manchem fröhlichen Beisammensein im Freien die Stimmung genommen. Doch bei der Eröffnung der Ausstellung "Geflügelte Worte" in der Telegrafenstation Nr.18 in Neuwegersleben ließen sich die Gäste vom Wettergott nicht die Laune verderben. Stattdessen lauschten sie gebannt im Garten vor dem Telegrafengebäude den Eröffnungsreden und staunten später über die vielen Neuerungen im Museumsturm.

Neuwegersleben.Telegrafenfreunde aus ganz Deutschland und zahlreiche interessierte Besucher waren am Donnerstag erwartungsvoll zur Eröffnung der frisch sanierten Telegrafenstation in Neuwegers- leben gekommen. Und ihre hohen Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Denn zeitgleich wurde in den wieder schmucken Räumlichkeiten des Turmes, der auf dem 98 Meter hohen Telegrafenberg thront, die neue Ausstellung "Geflügelte Worte" enthüllt.

Die Exposition spreche in ihrer neuen Aufmachung besonders Kinder und Jugendliche an, wie Peter Fuchs von der Interessengemeinschaft Optische Telegrafie in Preußen bei seinem Grußwort vor den Gästen erklärte. "Auch hier wächst etwas zusammen, das zusammen gehört", wies der Experte in seiner Rede feierlich darauf hin, dass zwischen Berlin und Koblenz einst 61 Stationen dieser Art in einer Linie wenige Kilometer voneinander entfernt standen, um die Kommunikation zu Kaiserzeiten, als es noch keine Emails gab, zu beschleunigen. Denn eine Postkutsche hätte sicher länger gebraucht. Diese Telegrafenlinie habe Ost- und Westdeutschland immer verbunden und bestehe noch heute. 1833 wurde die Station Nr. 18 in Neuwegersleben unter dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. erbaut. 1849 ging sie in Betrieb und wurde ab 1855 als Wohnhaus genutzt. Seit 1951 war das Gebäude unbewohnt und verfiel daraufhin immer mehr. Zu DDR-Zeiten erhielt die Station zwar den Denkmalstatus, wurde aber nicht weiter gepflegt. Erst 1995 wies der Landkreis an, das Telegrafengebäude umfassend zu restaurieren. Seit 2001 können Besucher in Neuwegersleben nachempfinden, wie vor 160 Jahren Nachrichten zwischen Berlin und Koblenz weitergegeben wurden. Ähnlich wie bei indianischen Rauchzeichen wurden mit Hilfe des sogenannten Wink-Alphabetes und dank der Erfindung des Fernrohres einzelne Buchstaben von Station zu Station weitergeben. Daher trägt die Ausstellung den vielsagenden Titel "Geflügelte Worte".

Besonderen Dank richtete Fuchs stellvertretend für alle Freunde der Telegrafie an die Mitglieder der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Stiftung der Kreissparkasse Börde, die die Ausstellung gemeinsam mit ihren Geldern finanziert haben. "Man hat dem Gebäude deutlich angesehen, dass der Zahn der Zeit an ihm genagt hatte."

Beigeordneter Dietrich Bredthauer unterstrich, dass Neuwegersleben mit einer von elf Telegrafenstationen in Sachsen-Anhalt eine touristische Marktlücke entdeckt habe. "Ich hoffe, allen Einheimischen ist bewusst, dass sie hier ein ganz besonderes Kleinod direkt vor der Haustür haben", sagte er. "Ich bin aber nicht nur von der Ausstellung selbst angetan, sondern auch von dem ehrenamtlichen Engagement einiger Bürger beeindruckt." Damit meinte der Politiker nicht zuletzt Peter Fuchs. Der Telegrafie-Begeisterte wohnt in Berlin und kommt extra für Führungen durch die Station nach Neuwegersleben. Obwohl sich während der feierlichen Eröffnungszeremonie der Himmel immer mehr verfinsterte, das Donnergrollen bedrohlich nah schien und die ersten Tropfen fielen, blieben die Gäste gespannt auf ihren Plätzen im Garten vor dem Telegrafenhaus sitzen. Doch lange mussten sie nicht mehr ausharren. Als der Regen ausbrach, durften alle in die neue Ausstellung strömen. "Da es sich um optische Telegrafie handelt, hätten die Funker von damals bei Nebel keine Nachrichten weitergeben können", erklärte Telegrafie-Freund Ulrich Köhler aus Rhoden bei Halberstadt, als er die Ausstellung betrat. "Auch ein kräftiger Regenguss hätte die Sicht damals behindert." So konnte der kräftige Schauer zur Eröffnung zwar das Funken unmöglich machen, doch der Begeisterung der Besucher tat das keinen Abbruch, die "geflügelten Worte" kamenauch so an.

Die Station ist von April bis September am jeweils letzten Sonntag zwischen 14 und 17 Uhr geöffnet. Auch am kommenden Montag, 15. Mai, dem diesjährigen Museumstag ist sie zwischen 10 und 16 Uhr für Besucher zu besichtigen.

 

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