Oschersleben. Als die vielen Hundert Gäste am vergangenen Sonnabend beim Jahresfest der Matthias-Claudius-Haus-Stiftung vor der Bühne Platz nahmen, blickten sie auf eine schlichte, weiße Bühne. Keine Kulisse, keine Farben - das waren viele aus den Vorjahren anders gewöhnt. Doch alles hatte seinen Sinn, denn für das diesjährige Stiftungsfest interpretierten Petra Fischer, Ute Illig und ihre "Comedia G(Cl)audius" das Stück "Ophelias Schattentheater" und entführten das Publikum in eine Welt aus Schwarz und Weiß.

20 Schatten umgarnen die alte Dame Ophelia. Sie sind herrenlos und auf der Suche nach Erlösung. Ophelia nimmt sie bei sich auf und zieht fortan mit ihrem "Schattentheater" durch die Lande. Doch bald kommt ein Schatten, den sie nicht in ihr Ensemble aufnehmen kann - der Tod. Mit der Aufführung der Geschichte um Ophelia und ihre schwarzen Begleiter hat sich Petra Fischer einen Traum erfüllt. Schon lange wollte sie das Märchen mit der Theatergruppe aufführen - am Sonnabend war es endlich soweit. Den Ensemble-Mitgliedern und ihren vielen fleißigen Helfern war nach der furiosen Farbexplosion mit "Die drei Fragen" im Vorjahr wieder einmal ein Stück gelungen, das die Gäste in seinen Bann zog. "Ich bin jedes Jahr wieder erstaunt und begeistert, wenn ich sehe, was sich auf der Bühne abspielt", sagte Claudius-Haus-Geschäftsführer Michael Lange.

Doch die vielen Besucher des Festes, das unter dem Motto "Blickwinkel" stand, bekamen noch mehr geboten. Der Titel wurde bereits beim Einlass zum Symbol, denn jeder Gast bekam eine Kette, an dem ein mit Spiegelfolie beklebtes Stück Holz befestigt war. "Unser Fest ist auch deshalb so schön, weil es jeder Einzelne aus einem anderen Blickwinkel betrachtet", sagte Lange bei der Eröffnung. "Der Spiegel ist ein Symbol für die unterschiedliche Deutung der Dinge."

Die Fläche des Freilufttheaters als Veranstaltungsmittelpunkt wurde von vielen bunten Ständen gesäumt, an denen es viel zu entdecken gab. Die Besucher konnten eines von 300 Feldern ausmalen und mit dem dabei erstandenen Los ein Fahrrad gewinnen. Ralf Gruve und Christopher Ernst vom Begleitenden Dienst erwiesen sich als exzellente Crêpe-Bäcker und im "Open Air-Labor" entdeckten vor allem die kleinen Gäste, was es mit Hilfe eines Mikroskops alles zu sehen gibt. Schön anzusehen war die Vorführung der Ju-Jutsu-Gruppe aus dem Matthias-Claudius-Haus, die im Polizeisportverein Wanzleben trainiert. Die sechs Mitglieder sind schon Träger des gelben oder orangenen Gürtels und legten ein ums andere Mal sogar den Trainer auf die Matte.

Bei Kaffee und selbst gebackenem Kuchen genossen die Besucher den Nachmittag. Auf der Bühne spielten Blasmusikanten und der Circus Hein sorgte mit seinem Programm "Mabema Versaje" für Unterhaltung. Abends spielte am knisternden Lagerfeuer das Potsdamer Swingquartett "Swing Low" eine Mischung aus Swing, Dixie, Jazz und Ragtime.

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