Auf einen spannenden Abend über Otto Fürst von Bismarck, seine Bedeutung in der Region und seine Wahrnehmung in Deutschland können sich die Geschichtsfreunde freuen. Der Irxleber Historiker Mathias Tullner, Professor für Landesgeschichte an der Magdeburger Universität, wird den Vortrag am Sonntag, dem 23. Januar, ab 17 Uhr im "Treffpunkt" des Altenbetreuungszentrums Niederndodeleben halten.

Niederndodeleben. Veranstalter sind der Heimat- und Kulturverein und der Wartbergverein aus Niederndodeleben. Das jüngst etwas abgekühlte Verhältnis zwischen Heimat- und Wartbergverein erwärmt sich wieder. Beim Glühweinabend des Heimatvereins vor Weihnachten schmiedeten Vertreter beider Vereine den Plan für eine gemeinsame Veranstaltung. Da lag angesichts des 100-jährigen Jubiläums der Bismarckwarte, dem Wahrzeichen der Hohen Börde, im vergangenen Jahr ein Vortrag über den ersten deutschen Reichskanzler nahe. Das vom Wartbergverein 2010 organisierte Jubiläum war durch eine viel beachtete Ausstellung über die Geschichte der Bismarckwarte bereichert worden. Eine vierköpfige Expertenrunde mit den Historikern Mathias Tullner, Gerald Christopeit und Dieter Hallek sowie dem Niederndodeleber Heimatforscher Heinz Werner Buhr hatte die Ausstellung konzipiert. Bei der Ausstellungseröffnung im September hatte das Quartett einen ganzen Reigen von Vorträgen über Bismarck und die Bismarckwarte angeboten.

Nun dürfen sich die Geschichtsfreunde der Region auf einen unterhaltsamen, interessanten und sicherlich auch kontroversen Abend freuen. Denn Bismarck reizt bis heute die Gemüter.

Und: Tullner ist bekannt für seine wissenschaftlich-anschauliche, offene und humorvolle Vortragskunst. Für den 23. Januar verspricht der Historiker einen facettenreichen Vortrag, bei dem es zunächst um den Bismarckbegriff, "der ja auch in Kreisen der Hohen Börde im vergangenen Jahr in Frage gestellt wurde", gehen soll. Tullner nimmt damit Bezug auf öffentliche Reaktionen über die Wahrnehmung und Bedeutung Bismarcks, die nach Tullners Äußerungen im Kulturausschuss der Hohen Börde aufgeflammt waren. Insbesondere Bismarcks Rolle gegen- über der Sozialdemokratie war dabei kritisiert worden. "Diese Diskussion möchte ich während meines Vortrags in Niederndodeleben gern öffentlich, qualifiziert und auf einer sachlichen Ebene fortführen. Es soll selbstverständlich diskutiert werden", betonte Tullner in einem Gespräch mit der Volksstimme. Ihm gehe es um den historischen Platz des "großen deutschen Einheitskanzlers" (Tullner), auch um seine Rezeption in der Region rund um die Bismarckwarte während ihrer Entstehung. Tullner gibt Antworten auf die Frage: Wie kam es zum Bau der Bismarckwarte in Niederndodeleben, in welches regionale und lokale Umfeld war die Errichtung des heutigen Wahrzeichens der Hohen Börde gebettet.

Weitere Themen reichen von Bismarcks frühem Engagement für das Deichwesen an der mittleren Elbe bis hin zur Durchsetzung preußischer Politik in der Region.

Der Eintritt ist frei. Es wird um Spenden für die veranstaltenden Vereine gebeten.

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