Im Auftrag der Stadt Oschersleben wurden in Altbrandsleben vier Fichten in der Nähe des Spielplatzes gefällt. Darüber ärgern sich Ortsbürgermeister Herbert Wilke und Förster Heinz Miksch, da die politisch Verantwortlichen vorher nicht informiert worden seien. Außerdem seien die Bäume gesund gewesen und hätten noch einige Jahre stehen können. Baubetriebsamtsleiter Steffen Czerwienski rechtfer-tigte die Vorgehensweise,

Altbrandsleben. Fassungslosigkeit bei Altbrandslebens Ortsbürgermeister Herbert Wilke und Förster Heinz Miksch beim Betrachten der Baumstümpfe, die von den vier Fichten, die bis vor kurzem am Spielplatz standen, noch übrig geblieben sind.

Es gebe zwar so einige Stellen in Altbrandsleben, an denen Bäume ganz dringend gefällt werden müssten, beispielsweise die Pappeln am Windschutzstreifen, so Miksch. "Aber die Fichten hätten noch Jahre lang stehen bleiben können", sind sich Wilke und Miksch einig. "Da war doch nichts dran!"

Dennoch hat die Stadt Oschersleben die Bäume am Wochenende fällen lassen. Nach Einschätzung des Försters seien die Nadelhölzer vollkommen gesund gewesen. "Mich ärgert jedoch am meisten, dass vorher keine Absprache mit dem Ortschaftsrat stattgefunden hat. Wozu brauchen wir den dann überhaupt?", sagte Ortschef Wilke. Auch bei den anderen Einwohnern sei die Aktion nicht gut angekommen, schließlich sollten Stadt und Ortsteile in gegenseitigem Vertrauen zusammenwachsen. "So entsteht aber kein Vertrauen, wenn die Stadt über die Köpfe der Gemeinde hinweg entscheidet", ärgert sich Wilke weiter.

Er habe sich bei Astrid Ertmer vom Baubetriebsamt im Nachhinein über die Gründe der Baumfällaktion informieren wollen. "Sie konnte das Vorgehen nicht zu unserer Befriedigung begründen, stützte sich auf die Baumschutzssatzung, nach der die Bäume dort nicht hingehört hätten. Dabei haben sie doch niemanden gestört", zeigte sich Wilke enttäuscht. Miksch ergänzte: "Nachvollziehen kann ich das alles nicht, auch wenn laut Verordnung Nadelhölzer wohl ohne Genehmigung entnommen werden dürfen."

Das bestätigte auch Baubetriebsamtsleiter Steffen Czerwienski auf Volksstimme-Nachfrage, der den Ärger bei den Altbrandslebern nicht so recht verstehen kann: "Es gibt eine Gehölzschutzsatzung, in der alle als erhaltenswert eingestuften Hölzer aufgelistet sind. Nadelbäume gehören nicht dazu." Die Fichten seien gefällt worden, weil sich Anwohner aus Altbrandsleben darüber beschwert hätten, dass die Bäume zu viel Licht wegnehmen und Straßenschilder verdecken würden, so der Baubetriebsamtsleiter. Ihm sei außerdem keine Regelung bekannt, die vorschreibt, wegen der Entfernung kleinerer Baumgruppen den Ortschaftsrat vorher konsultieren zu müssen.

Und eben an dieser Stelle scheiden sich die Geister. "Ich hätte einfach erwartet, dass mit mir gesprochen wird, schließlich möchte ich als Ortsbürgermeister über die Dinge Bescheid wissen, die in Altbrandsleben passieren und wovon die Leute reden, wenn sie sich bei mir beschweren", sagte Wilke. Auch die anderen Ratsmitglieder hätte diese Vorgehensweise sehr verärgert.

Heinz Miksch, der von Haus aus mit der Forst- und Baumpflege vertraut ist, stellte für sich klar: "Es sollte sich grundsätzlich jeder ins Gedächtnis rufen, dass ein Baum etwas Gutes ist. Er bietet Lebensraum für Tiere. Ein Mensch, der einen Baum pflanzt, ist ein guter Mensch! Wenn keine Gefahr droht, müssen Baumbestände erhalten bleiben!"