Das Hermsdorfer Mehr-Generationen-Haus (MGH) ist seit Donnerstag offiziell eröffnet. Hunderte Hermsdorfer feierten im rappelvollen Festsaal mit allen Beteiligten und Ehrengästen ein rauschendes Fest. Landeswirtschaftsminister Reiner Haseloff bezeichnete das neue Dorfzentrum als schönstes Bürgerhaus in ganz Sachsen-Anhalt.

Hermsdorf. Für diesen Tag hatten die Hermsdorfer Bürger und Ratsmitglieder lange gearbeitet, gehofft und gerungen. Zusammen mit der Gemeinde Hohe Börde konnte das ersehnte neue Dorfzentrum direkt an der Bördegrundschule nun feierlich eröffnet werden. Zusammen mit der neuen Kita im gleichen hochmodernen Gebäude bildet der Komplex das Herzstück der "Neuen Dorfmitte Hermsdorf", zu der auch die Grundschule mit Hort, der Jugendklub, die Sporthalle und die nahe Kulturkirche St. Laurentius zählen.

In das nun fertiggestellte Vorhaben flossen insgesamt 2,97 Millionen Euro (1,39 Millionen für das MGH und 1,58 Millionen für die Kita). Das Land förderte den Bau des MGH mit 250 000 Euro.

"Unsere Schulden haben Gesichter mit Zukunft"

Ein sichtlich gerührter Ortsbürgermeister Dieter Dähnhardt erinnerte in seiner Festrede an die Anfänge der Pläne für die "Neue Dorfmitte" vor knapp drei Jahren. "Wir haben ein tolles Ergebnis hinbekommen." Dähnhardt erinnerte an die Anfänge der neueren Hermsdorfer Geschichte. "Nach der Wende war Hermsdorf ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf mit 450 Einwohnern. Anfang der 90er Jahre wurden mit der Erschließung unserer Gewerbegebiete die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass wir uns heute so ein Gebäude leisten können." Dähnhardt verwahrte sich gegen Kritiker: "Hermsdorf wird ja von einigen als der größte Schuldner der Hohen Börde verschrien. Doch wir können unsere Schulden abzahlen. Und bei uns haben Schulden konkrete Gesichter mit Zukunft. Seit einigen Jahren haben wir ein enormes Gewerbesteueraufkommen, es sind hunderte Arbeitsplätze entstanden, weitere Investoren verhandeln mit uns, es geht voran." Dähnhardts Wellener Amtskollege, der CDU-Landtagsabgeordnete Holger Stahlknecht, sprach sogar von der "Wirtschaftslokomotive Hermsdorf", an der die Gemeinde Hohe Börde in der Zukunft noch viel Freude haben wird. Auch Minister Reiner Haseloff besänftigte Kritiker der Schuldenlage von Hermsdorf und machte den Hermsdorfern Mut: "Was meinen sie, wer alles Schulden hier im Land gemacht hat und bei einigen ist nichts mehr davon übrig geblieben, außer den Schulden. Das ist bei Ihnen anders, Hermsdorf steht mit seinem Gewerbegebiet gut da, und ich kann nur ihren Mut loben, sich zu diesem Mehr-Generationen-Haus durchgerungen zu haben. Es ist das schönste, dass ich einer Ortschaft dieser Größenordnung je gesehen habe. Und die Anwesenheit der vielen Hermsdorfer Bürger zeigt: Ihre Entscheidung war goldrichtig."

Für besinnliche Minuten sorgte der Hermsdorfer Christian Schäfer. Wie bereits zur Grundsteinlegung der Kita hatte seine Schwiegermutter, die 84-jährige Hermsdorferin Ilse Lichtenberg, lyrische Verse zum großen Festtag verfasst.

Lyrische Verse von Ilse Lichtenberg

"Ihre Beine wollen heute nicht so recht, deshalb hat sie mich gebeten, ihr neues Gedicht über ein weiteres Schmuckstück unseres Bördedorfes zu verlesen", erklärte Schäfer.

Applaus brauste auf, Sektgläser klirrten, Architekt Volker Seidl übereichte den goldenen Schlüssel an Dähnhardt. Und Herr Minister ulkte: "Der Schlüssel ist aus purem Gold, damit können sie locker die Schulden bezahlen."

Gemeindebürgermeisterin Steffi Trittel hatte mit Wohlwollen die Aussage des Ministers zur Schuldenlage vernommen. "Daran werde ich demnächst bei meinen Besuchen die Aufsichtsbehörden erinnern."

Alles johlte, ein großer Festtag für ein stolzes Bördedorf ging in die Vollen. Die Knirpse aus Kita und Schule sangen, die Gäste plauderten, und parteiübergreifend herzte sich eine glückliche Gemeinschaft, darunter auch Kritiker der Hermsdorfer Finanzlage.

   

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