Schon die Ortschaftsratssitzung in Langenweddingen hat am Dienstagabend gezeigt, dass die Ortschaftsräte wie auch einige Bürger hinsichtlich des neues Bahnhofes und des Schnittstellenprogramms noch Fragen haben. Auch in der Gemeinderatssitzung am Donnerstag-abend wurde Skepsis deutlich. Die rührt vor allem aus der Frage: Kann sich die Gemeinde das überhaupt leisten?

Bahrendorf. Gut besucht war am Donnerstagabend wiederum die Gemeinderatssitzung. Gastgeber war die Ortschaft Bahrendorf und hier hatte sich der Saal im Bürgerhaus gut gefüllt.

Gast war an diesem Abend auch Klaus Rüdiger Malter als Geschäftsführer der Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt (NASA). Er informierte zum Tagungsordnungspunkt "Stand NASA-Schnittstellenprojekt Langenweddingen, Osterweddingen und Dodendorf".

Für die Bahnhöfe Osterweddingen und Dodendorf ist im Wesentlichen alles klar. Sie werden im Zuge des Streckenausbaus Magdeburg-Halberstadt ertüchtigt, modernisiert. Nachdem man davon abgegangen ist, im Osterweddinger Gewerbegebiet einen zusätzlichen Haltepunkt der künftigen Regio-S-Bahn zu schaffen, wird am vorhandenen Bahnhof die Bahnstation mit Bushaltestelle ertüchtigt. In Dodendorf ist vorgesehen, an der Zuwegung zum Bahnhof Parkplätze zu schaffen, auch Fahrradständer sind geplant. Die von der Kommune zu leistenden Anteile beschränken sich auf die unmittelbaren verkehrstechnischen Zuwegungen und Anbindungen Für diese beiden Vorhaben hätte die Gemeinde nach den vorliegenden Kostenschätzungen rund 59 000 Euro selbst zu tragen.

Streitpunkt Halberstädter Straße

Für den Standort Langenweddingen sieht die Sache ein wenig anders aus. Ein neuer Haltepunkt wird geschaffen. Er rückt weiter in den Ort hinein. Am neuen Haltepunkt endet die Regio-S-Bahn. Sie soll im Stundentakt zwischen Langenweddingen und Magdeburg pendeln.

Am neuen Haltepunkt sollen zudem die schnelleren Züge in den Harz oder in die Landeshauptstadt halten. Damit die Reisenden aus dem ganzen Sülzetal und aus dem weiteren Umland zum neuen Bahnhof gelangen, soll der Busverkehr entsprechend zugeschnitten werden und es wird am neuen Haltepunkt eine Buswendeschleife entstehen, die über die Halberstädter Straße (jetzt noch nicht ausgebauter Bereich) erreicht werden kann. Die Zuwegung für Radfahrer und Fußgänger erfolgt über den Hohendodeleber Weg.

Am Langenweddinger Projekt zur Ertüchtigung des Bahnhofs mit Schnittstellenprogramm und der damit verbundenen Sanierung der Halberstädter Straße im zweiten Bauabschnitt scheiden sich die Geister. Das machte die Diskussion im Ortschaftsrat Langenweddingen wie im Gemeinderat deutlich. Und wieder einmal soll die Frage des Geldes die entscheidende Rolle spielen. Vor allem der Ausbau der Halberstädter Straße, die wie Malter es nannte aus dem "Dornröschenschlaf" geholt werden soll, wird in Frage gestellt.

Der zweite Bauabschnitt der Halberstädter Straße soll laut Unterlagen für den Gemeinderat rund 1,2 Millionen Euro kosten. Dank einer Mischfinanzierung würde das Vorhaben zu fast 100 Prozent gefördert.

Bleibt der Eigenanteil für die verkehrstechnischen Zuwegungen und Anbindungen. Hier sind für alle drei Bahnhöfe insgesamt etwa 180 000 Euro aufzubringen. Die Summe könnte von der NASA durch eine zinslose Kreditierung zwischenfinanziert werden. Ein Finanzierungsangebot der NASA mit einer Laufzeit von fünf Jahren wurde erstellt. Die erforderliche Stellungnahme der Kommunalaufsicht wird derzeit eingeholt.

Rat muss sich bald entscheiden

Fehlt der Gemeinde Sülzetal dennoch das Geld? Passen Bahnhofsertüchtigungen und Schnittstellenprogramm in die Haushaltskonsolidierung? Die Vorhaben werden von einigen Gemeinderäten gerade in finanzieller Hinsicht eher skeptisch betrachtet. Zumal die Haushaltsdiskussion in der Gemeinde Sülzetal gerade erst beginnt. Und wenn der Haushaltsentwurf vorliegt, in welcher Form auch immer, sollten die Projekte nicht vergessen werden. "Für die Fortführung der Gesamtplanungen ist eine kurzfristige Entscheidung des Gemeinderates dringlich, da die Vorplanungsunterlagen der Bundesbahn bereits Anfang März 2011 für das umfangreiche Genehmigungsverfahren ausgereicht werden müssen", heißt es in den Unterlagen für die Gemeinderäte.

Der Langenweddinger Günther Schubert hat die Diskussionen im Gemeinderat kritisch verfolgt und schließlich sein Urteil in der Bürgerfragestunde kundgetan und bezeichnete Haltung einiger Gemeinderäte als engstirnig.