Längeres gemeinsames Lernen, Gemeinschaftsschule, soziale Kompetenzen, starke Sekundarschulen – Sachsen-Anhalts Kultusministerin Prof. Dr. Birgitta Wolff hatte eine Menge darüber zu berichten, wie Schüler ihren Weg in den Beruf, sei es nun mit oder ohne Studium, finden können.

Osterweddingen. Etliche Lehrer und nicht nur sie nutzten am Montagabend die Chance, mit der Kultusministerin in den Dialog zu treten, mit ihr über Probleme und Entwicklungen in der Schullandschaft zu diskutieren. Schuldiskussionen gab es in der Gemeinde Sülzetal reichlich und die sind noch gar nicht so lange her. Doch dieses Mal ging es nicht um den Erhalt der Grundschulen, sondern um die Bildung im Allgemeinen.

Wenn auch die Ministerin mit Blick auf die Grundschülerzahlen im Sülzetal schließlich feststellte, dass sie angesichts der Zahlen keinen Handlungsbedarf sehe.

Die Ministerin begann ihre Rede auch mit der Feststellung, dass in den Schulen Sachsen-Anhalts in den letzten Jahren eine gute Arbeit geleistet wird. Für weitere "flächendeckende Experimente" in der Bildungslandschaft plädiere sie nicht. Schließlich ging sie auf den gemeinsamen Unterricht von Schülern mit besonderem Förderbedarf ein. "Das läuft noch nicht rund und ich bin auch der Meinung, dass wir weiterhin besondere Schulen für besondere Kinder vorhalten sollten", so die Ministerin.

In einem Punkt wird deutlich, dass Prof. Dr. Birgitta Wolff Wirtschaftswissenschaftlerin ist: "Lassen Sie sich nicht einreden, Bildung würde nur Kosten verursachen. Wir können heute sehr wohl hochrechnen, was ein gut ausgebildeter Facharbeiter oder Hochschulabsolvent letztendlich an wirtschaftlichem Nutzen, an Nettoeffekten, dem Staat bringt."

Die Ministerin brach auch eine Lanze für die Sekundarschulen. Hier sei in den vergangenen Jahren eine Menge erreicht worden, um diese attraktiver zu machen. Auch Prof. Dr. Birgitta Wolff halte die Trennung der Schüler mit Klasse 5 für sehr früh, andererseits könne es nicht sein, dass 60 Prozent der Schüler auf das Gymnasium wechseln. Viele Schüler gehörten dort einfach nicht hin. Vielleicht fehlen hier einfach die aufklärenden Gespräche mit den Eltern, auch in der Hinsicht, dass der Besuch der Sekundarschule nicht gleichzeitig bedeutet, dem Kind bliebe auf ewig ein Studium verwehrt. Hier führte die Ministerin die Fachgymnasien oder die weiterführende Schulen bis zur Fachhochschulreife an.

Pfarrer Raimund Müller Busse sprach an, dass neben der praktischen Ausbildung die Herausbildung sozialer Kompetenzen genauso wichtig sei. "Wie lernt der Schüler, dass sein Mitschüler nicht sein Feind ist, wie lernt er Familie, wenn immer mehr Familien ausfallen, es sie immer weniger gibt?" Die Ministerin: "Die außerunterrichtlichen Aufgaben der Schulen nehmen deshalb zu. Wir haben heute 200 Schulen mit Ganztagsangeboten. Pädagogische Mitarbeiter, Schulsozialarbeiter sind hier wichtige Partner der Lehrer. Vor Ort muss geklärt werden, welche festen Kooperationen im Interesse der Schüler noch möglich sind. Ich denke hier an Musikschulen, Theater, Sportvereine."