Gigantische Flächen werden täglich in ganz Deutschland der landwirtschaftlichen Nutzung entzogen. Ein Beispiel dafür haben die Sülzetaler mit dem Gewerbegebiet rund um Osterweddingen vor der eigenen Haustür. Wohl auch deshalb hatte die SPD-Landtagsabgeordnete und Kandidatin Silke Schindler gerade nach Osterweddingen zur Podiumsdiskussion nicht nur zum Thema Flächenverbrauch in Sachsen-Anhalt eingeladen.

Osterweddingen. Vor allem Landwirte der Region waren der Einladung zur Diskussion gefolgt. Als kompetente Partner hatte sich Silke Schindler Dr. Willy Boss, Geschäftsführer Landgesellschaft Sachsen-Anhalt, Ralf Bergmann, Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Unwelt-, Natur- und Klimaschutz, Wolfgang Köhler, Geschäftsführer des Bauernverbandes Bördekreis, und Landwirt Axel Spengler ins Präsidium geholt. In Osterweddingen ist das Thema Flächenentzug/Flächenverbrauch, besonders aktuell. Nicht nur weil hier in Größenordnungen aus landwirtschaftlichen Flächen Gewerbeflächen wurden. Es kommt hinzu, dass Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen vorgeschrieben sind, die zusätzlich zum Flächenentzug führen. Im Landwirtschaftsausschuss, dessen Mitglied Silke Schindler ist, wurde mehrmals debattiert, wie der Flächenverbrauch reduziert werden kann und wie Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen sinnvoller angelegt werden können. Was kann in dieser Hinsicht der sogenannte Flächenpool tatsächlich leisten?

In Deutschland wird das Ziel angestrebt, täglich "nur" noch 30 Hektar pro Tag der landwirtschaftlichen Nutzung zu entziehen. Verglichen mit 2005, einem Höhepunkt im Flächenverbrauch, wäre dies eine enorme Entwicklung. 2005 wurden pro Tag rund 125 Hektar Fläche verbraucht, sprich es wurden Straßen gebaut, Firmen errichtet, Platz für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen geschaffen oder Freizeitflächen angelegt. Ein Kilometer Autobahn verbraucht etwa 15 bis 25 Hektar Fläche.

Keine Streuobstwiesen mehr, die verkommen

Ines Pozimski von der Landgesellschaft Sachsen-Anhalt stellte im Rahmen einer Präsentation ein Pilotprojekt in den Aller-Niederung bei Wefensleben vor. Hier wurden Flächen renaturiert. Zwar waren dem landwirtschaftlichen Unternehmen durch Ausgleich- und Ersatzmaßnahmen, hier wurden beispielsweise auch welche für das Sülzetal umgesetzt, Flächen entzogen worden, doch statt 14 Hektar waren es letztendlich durch die Aufwertung ehemaliger Brachflächen nur vier Hektar. Die Brachflächen wurden in Wiesen umgewandelt und beispielsweise durch die Heugewinnung und -verkauf konnte wieder ein Nutzen erzielt werden. Und wie Ines Pozimski weiter berichtete, hat sich an diesem Beispiel gezeigt, dass bei Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen einfache Lösungen wie das Pflanzen von Bäumen nicht immer die besten sind. Das beweise sich vor allem an den zahlreich geschaffenen Streuobstwiesen, die heute keiner mehr pflegt und die verkommen. Auch schimpfen inzwischen etliche Bauern, weil entlang der Feldwege Bäume gepflanzt werden, die im Herbst das Abfahren der Rübenmieten unmöglich machen.

"Wichtig ist, dass ein Vorlauf organisiert wird, Flächen für derartige Projekte wie in der Aller-Niederung im Vorfeld in einem Flächenpool gesichert werden", erklärte Ines Pozimski.

Altlastenkataster anlegen

Dieses Sichern der Flächen sollte schon geschehen, so lange die Maßnahmen wie ein Straßenbau und dergleichen mehr noch im Gang sind. Die Flächen sollten in die Stiftung Umwelt-, Klima- und Naturschutz übertragen werden. Landgesellschaft und Stiftung arbeiten eng zusammen. Ralf Bergmann berichtete, dass die Stiftung 1700 Hektar vom "Grünen Band" übertragen bekommen hat. Diese Flächen können durch Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen genutzt und zugleich aufgewertet werden, ohne das weitere landwirtschaftlichen Flächen verloren gehen.

Von Vorteil ist sicher auch die Tatsache, dass Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen nicht mehr unmittelbar vor Ort umgesetzt werden müssen. Davon profitieren vor allem die Bauern im Sülzetal, die nach den Flächen für das Gewerbegebiet nicht auch noch Flächen für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen abgeben müssen.

Wolfgang Köhler brachte schließlich das Altlastenkataster ins Spiel. Investoren, die für die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen aufkommen müssen, könnten in einem Fonds einzahlen, um eine "vernünftige Bewirtschaftung dieser Flächen zu realisieren.

"Wir sollten auch die Städte und Gemeinden mehr ins Boot nehmen", forderte schließlich Silke Schindler.