Macht die Gemeinde mit beim Schnittstellenprogramm an den Bahnhöfen Langenweddingen, Osterweddingen und Dodendorf? Wenn am 24. März der Sülzetal-Gemeinderat wieder zusammenkommt, steht mit einer Antwort eine weitreichende Entscheidung an. Diese wird Auswirkungen nicht nur für die Gemeinde Sülzetal haben.

Sülzetal. Eigentlich steht die Frage, ob sich die Gemeinde am Schnittstellenprogramm beteiligt oder nicht, ganz konkret nur für den Ortsteil Langenweddingen. In Dodendorf und Osterweddingen halten sich die baulichen Veränderungen und damit auch die finanzielle Beteiligung der Gemeinde in Grenzen.

Umfassendere Veränderungen und Investitionen sind hingegen für Langenweddingen geplant. Und die stehen im engen Zusammenhang mit dem Ausbau der Bahnstrecke von Halberstadt nach Magdeburg und dem Ausbau der regionalen S-Bahn von Magdeburg bis Langenweddingen auf einem zweiten Gleis. Langenweddingen würde zum Umsteigebahnhof für Bahn- und Busreisende werden.

Bus und Bahn als Alternative zum Auto

Über das Schnittstellenprogramm, also die Verbindung von Bus und Bahn, würden Reisende aus dem ganzen Sülzetal oder gar aus Wanzleben und Umgebung nach Langenweddingen gebracht. Sie steigen hier in die S-Bahn nach Magdeburg oder in den Zug in Richtung Harz, der mit der geplanten Ertüchtigung der Strecke auf 120-Kilometer pro Stunde nicht mehr auf allen Bahnhöfen halten soll. Nach bisherigen Aussagen und Planungen sollte Langenweddingen aber ein Haltepunkt bleiben. Angesichts stetig steigender Preise an den Zapfsäulen könnten die öffentlichen Verkehrsmittel tatsächlich eine Alternative zum Auto sein, meinen Gemeinderäte. Das wurde kürzlich im Bauausschuss und in der außerordentlichen Gemeinderatssitzung deutlich.

Kontroverse Diskussionen gibt es in Lagenweddingen und im ganzen Sülzetal hauptsächlich hinsichtlich des Ausbaus der Halberstädter Straße im zweiten Bauabschnitt. Längst nicht alle Bürger sind der Meinung, dass die Straße, über die einmal der gesamte Verkehr der alten B 81 floss und die sogar Panzer ausgehalten haben soll, tatsächlich ausgebaut werden muss. Das Bauvorhaben stand schon einmal zur Diskussion, und schon damals gab es eine Reihe von Bürgern, die gegen den Ausbau waren und sogar eine Unterschriftensammlung gestartet hatten.

Nach den bisherigen Planungen soll die Halberstädter Straße ausgebaut werden, damit der Busverkehr zum Haltepunkt der S-Bahn und des Regionalzuges gelangen kann. Am Haltepunkt wird dann eine Buswendeschleife entstehen. Etwa 1,2 Millionen Euro soll der Ausbau der Halberstädter Straße kosten, für die Gemeinde bleibt ein Eigentanteil von 80 000 Euro für den Straßenbau und 180 000 Euro Eigenanteil für die Schnittstellenmaßnahmen in Langenweddingen, Osterweddingen und Dodendorf.

In einem Brief der NASA (Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt), die den öffentlichen Nahverkehr für das Land bestellt und bezahlt, an die Gemeinderäte wird nochmals betont, dass für die Ausbaumaßnahmen, die 2013 ausgeführt werden sollen, die erforderlichen Fördermittel zugesichert werden können.

"Zudem ist das Land bereit, den in Rede stehenden Eigenanteil, bezogen auf die Schnittstellenprojekte, zunächst vorzufinanzieren, so dass die Gemeinde diesen Betrag in kleinen Schritten nach einem noch zu vereinbarenden Zeitpunkt innerhalb von fünf Jahren zurückzuzahlen hätte", heißt es im Schreiben der NASA an die Gemeinderäte. Damit wäre zumindest die Finanzierung des Eigenanteils der Gemeinde gesichert.

Entscheidung im März, sonst ist Thema erledigt

Dennoch gibt es Bedenken in den Reihen des Gemeinderates, auch weil die Gemeinde ein Millionenloch im Haushalt vor sich herschiebt und die Konsolidierung zwar auf dem Papier steht, aber noch nicht begonnen wurde. Vom Eigenanteil der Bürger hat bislang niemand gesprochen. Nur ein Langenweddinger sagte es in der Gemeinderatssitzung am vergangenen Donnerstagabend laut und deutlich. "Der Ausbau der Halberstädter Straße bedeutet auch, dass die Bürger über 300 000 Euro im Rahmen der Straßenausbaubeiträge aufbringen müssen."

Die Bahn und auch die NASA drängen auf eine Entscheidung. Bereits Ende 2010 wurde die Entwurfsplanung der DB Bahn AG abgeschlossen und beim Eisenbahnbundesamt eingereicht. Vorgesehen sind aus heutiger Sicht die Inbetriebnahme eines ersten umgebauten Abschnitts Ende 2013 und der gesamten Strecke bis Ende 2014.

NASA informiert am 22. März

"Soll das Gesamtkonzept erfolgreich verwirklicht werden, müssen auch die Maßnahmen der Gemeinde Sülzetal diesem Zeitplan entsprechen. Das erfordert die unverzügliche Wiederaufnahme der Arbeiten an der Vorentwurfsplanung der drei Projekte Langenweddingen, Osterweddingen und Dodendorf mit dem Ziel der Fertigstellung der Entwurfsplanung bis Ende 2011. Dazu wäre es notwendig, noch im März/April des Jahres die Mittelfreigabe für die Fortsetzungsarbeiten zu beschließen und die dazu erforderlichen und zugesagten Fördermittel abzufordern", heißt es weiter im Schreiben an die Gemeinderäte.

Deutlich wurde es im Bauausschuss gesagt: Im März muss eine Entscheidung erwirkt werden, sonst ist das Thema erledigt.

Welche Auswirkungen es hätte, steigt die Gemeinde Sülzeal aus dem Schnittstellenprogramm aus, lässt sich heute nicht klar abschätzen. Dazu heißt es bei der NASA: "Dies würde im Ergebnis dazu führen, das die Millioneninvestitionen der Bahn und des Landes zu überprüfen bzw. nicht zu rechtfertigen wären." Deutlicher wird es in einem weiteren Satz: "Wenn also die Schnittstellenprojekte nicht realisiert würden, kann das neue Konzept einer Region-S-Bahn auf dieser Strecke nicht umgesetzt werden..."

Für den 24. März soll den Gemeinderäten ein Beschlussentwurf zum Thema vorgelegt und eine Entscheidung herbeigeführt werden.

Am 22. März wird die NASA das Projekt im Langenweddinger Bürgerhaus der Öffentlichkeit vorstellen.