Beim Drackenstedter Männerchor "Eintracht" hat sich einiges getan seit Herbst, insbesondere in personeller Hinsicht. Nicht alles war dabei eitel Sonnenschein. Doch nun steht eine Art Neuanfang, für den noch mindestens drei sangesfreudige Leute gebraucht werden, um die Chorqualitäten voll ausschöpfen zu können.

Drackenstedt. Es ist etwas leerer geworden im Proberaum "Hinter den Gärten". Gerade mal sechs Sänger sind Albert Konrad geblieben, der den Chor seit Oktober dirgiert und einen gewissen ideologischen Umbruch eingeläutet hat. "Ich möchte, dass der Chor wirklich singt, stimmlich das Beste aus sich herausholt und dass die Mitglieder Spaß am Singen haben", macht Konrad deutlich. Diese Einstellung kommt nicht von ungefähr, ist der Haldensleber doch diplomierter Musikerzieher im Ruhestand und Musiker aus vollster Leidenschaft, mit Leib und Seele. Konrad singt, spielt Instrumente und schreibt Lieder. Seine eigene Faszination will er auf den Chor übertragen.

"Leider war es so, dass nicht alle Sänger diesen Weg mitgehen wollten und die Gemeinschaft verließen", sagt Konrad, sieht darin aber kein Drama. Umso inbrünstiger seien die verbliebenen Sangesbrüder bei der Sache. Mit sechs Leuten übe man jetzt erstmal die Lieder zweistimmig ein. Gern würde man das Repertoire auf drei Stimmen verteilen, dazu brauche es noch drei weitere Sänger. Interessenten können immer dienstags ab 19.30 Uhr bei der Probe im Vereinsraum reinschnuppern oder sich telefonisch bei Albert Konrad melden: (0 39 04) 716 53.

Tuchfühlung zum "Eintracht"-Chor hatte Konrad bereits vor drei Jahren aufgenommen. "Da hatte ich mehrere Chöre der Börde zum Burgensingen nach Bebertal eingeladen, und wir sangen mit rund 400 Menschen. Es war für alle ein Erlebnis der Freude und der schönen Stimmen."

Auf diese Weise wollte Konrad die benachbarten Sangesgemeinschaften kennenlernen, wie er sagt. Am 4. September 2011 soll ein nächstes Sängerfest der Börde- und Altmark-Chöre auf Schloss Hundisburg stattfinden – dann auch mit den Drackenstedtern. "Es ist ein wirkliches Erlebnis für Sänger wie für Zuhörer, dort zu singen", schwärmt Albert Konrad. Dass der Chor einige Austritte zu verkraften hat, sei zwar bedauerlich, doch versucht man, es auch positiv zu sehen.

"In jedem Ende ist ein neuer Anfang, sagt schon die Bibel", so Konrad, "deswegen soll auch durch gemeinsame Konzerte mit dem Frauenchor ,gaudio cantando‘ aus Haldensleben für neue Stimmen geworben werden." Das wird in den drei Kirchen Drackenstedts, Druxberges und Bornstedts geschehen.

Repertoire erweitert, Gesang verbessert

"Bleibt nur zu hoffen, dass viele Männer zu den Konzerten kommen, um sich ein Bild zu machen, was da durch Gesang passiert. Über Gesang kann man zwar reden, aber nur wer selbst singt, der findet Entspannung und Freude in der Gemeinschaft", ist Konrad gewiss. Wenn es also gelänge, auch nur drei neue Stimmen zu gewinnen, dann könnte wieder dreistimmig gesungen werden, "obwohl auch ein zweistimmiger Gesang mit Klavier, Akkordeon oder Gitarre sehr fröhlich und wohlklingend sein kann". Diese Instrumente nämlich setzt Konrad zur Chorbegleitung ein.

In den wenigen Proben dieses Jahres haben sich die Sänger schon ein kleines, jedoch abwechslungsreiches Repertoire erarbeitet – vom Volkslied über die Polka bis hin zur vereinseigenen "Hymne" aus der Feder des Dirigenten. "Im Grunde ist alles ganz einfach und unkompliziert", versichert Albert Konrad. "Und wer mal einen Übungsabend verpasst, der kommt beim nächsten Mal einfach eine halbe Stunde früher und holt das Verpasste mit mir am Klavier nach."

Singen sei für den Menschen ein ganz natürlicher Ablauf, eine Muskulaturfrage in Kehlkopf und Bauch. "Am Ende aller Bemühungen steht immer das Klangerlebnis. Dafür lohnt es sich zu lernen und sich anzustrengen", meint der musikalicshe Leiter. "Mithin hat Singen keinen ökonomischen Wert, aber einen sehr großen emotionalen Bereich. Immer bekommt man mehr zurück als man investiert hat."

Der erste Auftritt in neuer Formation wird am 18. Juni in Remkersleben erfolgen – bis dahin vielleicht schon mit Verstärkung, auf jeden Fall aber mit neuem Selbstbewusstsein, wie den Worten von Chortenor Reinhold Schlüter zu entnehmen ist: "Ich bin schon einige Zeit dabei, weiß aber erst jetzt, was Singen bedeutet, was nicht zuletzt an der Stimmerziehung liegt."

So sieht es auch Taktgeber Konrad: "Manchem hat das nicht gepasst, dass ich zum Beispiel die Sänger vor der Probe sich erwärmen lasse. Doch die verbliebenen Sänger haben sich in den letzten Proben extrem verbessert, ihr Klang ist homogen, sie singen die Vokale aus und erreichen eine stattliche Stimmkraft." Das wollen sie demnächst auch öffentlich unter Beweis stellen, und so appelliert Albert Konrad: "Männer aus Drackenstedt und Umgebung, kommt zum Singen! Denn Fernsehen ist doch absolut langweilig."