Dass die erste Einheitsgemeinde Sülzetal vor zehn Jahren kein Aprilscherz war, bewies in diesen Tagen der Fakt, dass die Gemeinde Sülzetal am vergangenen Freitag zehn Jahre alt wurde. Im Rahmen einer kleinen Feierstunde in Schwaneberg wurde dieses Ereignis gefeiert.

Sülzetal. "Gemeinsam sind wir stärker" - unter diesem Motto hatte die Gemeinde Sülzetal die Begründer und Wegbereiter der ersten Einheitsgemeinde Sachsen-Anhalts, die aktuellen Ortsbürgermeister, Ortschaftsräte, Vertreter von Vereinen, ehemalige Gemeinderäte, Ehrenbürger, Schulleiter, die Leiterinnen der Kindertagesstätten, die Gemeindewehrleitung, Leiter der Ortswehren und natürlich Angestellte der Verwaltung eingeladen. Im Schwaneberger Gemeindesaal begrüßte Ortsbürgermeister Axel Spengler die Gäste.

Für die kulturelle Umrahmung sorgte der heimische Gemischte Chor "Bördeklang" unter der Leitung von Joachim Heise. Einige der vorgetragenen Lieder hatten zweifelsohne für die Gemeinde Symbolcharakter. Wie beispielswiese "Über sieben Brücken musst du geh‘n..." Über diese sieben Brücken sollten die acht Orte der Gemeinde Sülzetal künftig noch besser zueinanderfinden und vor allem zusammenstehen.

Und zum Lied "Freude schöner Götterfunken" meinte schließlich Noch-Verkehrsminister Dr. Karl-Heinz Daehre, der ja bekanntlich auch Ehrenbürger der Gemeinde Sülzetal ist: "Nun, die Freunde fehlt ein wenig." Daehre, es war wohl eines seiner letzten öffentlichen Auftritte als Minister, schaute auf die Bildung der Einheitsgemeinde zurück und meinte, als der damalige Innenminister Manfred Püchel verkündete, die Einheitsgemeinde sei die Zukunft, sei er nicht unbedingt dafür gewesen. Doch es ging schließlich los. "Wie sieht es heute aus? Hier im Sülzetal brauchen wir vor allen Dingen wieder eine positive Grundeinstellung", meinte Daehre und zählte in diesem Zusammenhang die vielen positiven Errungenschaften dieser Gemeinde Sülzetal auf. Dazu gehören zweifelsohne drei Grundschulen, die Ganztagsschule, die Kindereinrichtungen, viele neue Straßen, zwei Schwimmbäder, aber auch ein funktionierendes Vereinsleben, egal ob nun Sport- oder Heimatvereine.

Bitte des Ministers: Beschluss überdenken

"Man muss in Zeiten des Erfolgs wie in Zeiten der Probleme zusammenstehen. Und die Probleme sind zu lösen", meinte der Minister. Und mit dem Blick in die Zukunft der Gemeinde Sülzetal hatte derscheidende Minister noch eine Bitte: "Es soll hier nicht der mahnende Zeigefinger erhoben werden und doch spreche ich diese Bitte aus: Wir haben hier eine Infrastruktur, die ihres Gleichen sucht. Doch in Sachen Bahn hinken wir hinterher und hier wurde mit dem Gemeinderatsbeschluss, sich nicht am Schnittstellenprogramm zu beteiligen, eine einmalige Chance verpasst. Es geht ums Sülzetal, um die gesamte Region. Diese Chance sollten wir nicht vergeben und daher bitte ich den Gemeinderat, sich noch einmal zusammenzusetzen, den Beschluss zu überdenken."

Als Vertreter des Landrates richtete Dezernent Thomas Kluge einige Grußworte an das "Geburtstagskind". "Das Sülzetal hat Vieles überstanden, das meiste positiv." In diesem Zusammenhang erinnerte Kluge an das verheerende Ergebnis eines nur Minuten andauernden Sturmes, der den Schwaneberger Park verwüstete. "Der Blick nach vorn sollte durchaus positiv ausfallen. Auch wenn Sie im Moment kleine Brötchen backen und einen schwierigen Weg meistern müssen. Doch diesen Weg sollten sie gemeinsam gehen", meinte Kluge.

In der Sache streiten auf gleicher Augenhöhe

"Wollen wir zehn Jahre Einheitsgemeinde feiern? Alle haben ¿ja‘ gesagt. Ich bin bekanntlich kein Freund der Einheitsgemeinde, doch die Hochzeit der Dörfer geschah vor meiner Zeit als Kommunalpolitiker hier im Sülzetal. Heute muss ich sagen: Auch in einer Ehe gibt es Krach und Probleme, die muss man dann eben meistern", begann Jörg Methner als Vorsitzender des Gemeinderates seine Grußworte. Er nannte vor allem Rudolf Ehrhard, Christian Wolff und Hubert Weber, die, wie viele andere auch, engagiert an der Gestaltung der Einheitsgemeinde mitgewirkt haben. Für Methner sei in letzter Zeit vor allem im Gemeinderat die Menschlichkeit zu kurz gekommen. Man solle in der Einheitsgemeinde nicht nur das Schlechte sehen, über Fehler ehrlich reden und Selbstkritik üben. "Wir sollten uns mehr in der Sache streiten, gleichberechtigt und auf gleicher Augenhöhe. Nur so können wir auch die nächsten zehn Jahre erfolgreich gestalten."

Bürgermeister Erich Wasserthal wollte mit seinen Grußworten vor allen Dingen Danke sagen. "Es war keine Liebesheirat, sondern vor zehn Jahren ein notwendiger Zwang, um der Eingemeindung nach Magdeburg zu entgehen. Unser Ehrenbürger Max Exner hat mir eine Sonnenblume geschenkt. Er wollte damit zum Ausdruck bringen, dass immer die Sonne im Sülzetal scheinen möge. Wir haben Vieles geschafft und sollten deshalb jetzt nicht wegen der Haushaltskonsolidierung den Kopf in den Sand stecken. Vor zehn Jahren sind wir mit wesentlich mehr Schulden gestartet", betonte der Bürgermeister. Er bedankte sich letztlich bei den Sponsoren und Organisatoren der Feier. "Lassen Sie uns die nächsten zehn Jahre gemeinsame angehen; es werden bessere und sonnige Jahre, und wir werden auf eine reiche Ernte schauen", zeigte sich der Bürgermeister optimistisch.

Nach einem gemeinsamen Kaffeetrinken nahm Axel Spengler als "Kabarettist" das Thema "10 Jahre Gemeinde Sülzetal" genauer unter die Lupe und hatte dabei die Lacher auf seiner Seite.