Britta Garben, Mitarbeiterin des ortsansässigen Landwirtschaftsbetriebes Fritz Garben, hatte es schwer, die positiven Seiten ihrer geplanten Biogasanlage an den Mann und die Frau zu bringen. Viel Gegenwind wehte ihr entgegen in der Informationsveranstaltung, die auf Druck der Bürgerinitiative, die sich gegen den Bau der Biogasanlage engagiert, einberufen worden war.

Siegersleben. "Wenn die Biogasanlage erstmal steht, kannst du das Fenster nicht mehr aufmachen" – dieser Satz war nur einer, der die Situation beschreibt, die die Siegersleber erwarten, wenn der ortsansässige Landwirtschaftsbetrieb Fritz Garben seine Biogasanlage gebaut hat. Noch bevor die Bürgerversammlung zur geplanten Biogasanlage am Donnerstag richtig begann, war die Diskussion im Gange.

Im Mittelpunkt von Britta Garbens Projektvorstellung stand die Errichtung einer landwirtschaftlichen Biogasanlage mit 250 Kilowatt Leistung. Als positive Effekte nannte sie die Wärmenutzung vor Ort, die Schaffung eines Arbeitsplatzes und die Verringerung der Geruchsbelästigung beim Ausbringen von Wirtschaftsdünger auf den Feldern. Der Dünger, der nach Aussage von Britta Garben neben Strom und Wärme in der Anlage erzeugt wird, sei geruchsneutraler als anderer Dünger. Die Geruchsstoffe würden in der Anlage abgegeben. Um das zu verdeutlichen, hatte sie einen Eimer mit Biogasgülle zur Versammlung mitgebracht. "Es riecht etwas muffig, aber es ist nicht schlimm", erklärte Britta Garben, gestand aber, dass es "Landwirtschaft, die nicht riecht, nicht geben wird".

Außerdem sicherte sie zu, dass die Siegersleber nach dem Bau der Anlage nicht durch zusätzliche Transporte und zusätzlichen Lärm belästigt würden. Der Hof würde zur Belieferung mit den nachwachsenden Rohstoffen wie Mais, Zuckerrüben, Gras sowie Gülle und Hühnertrockenkot fast ausschließlich vom Feld her beliefert.

Die Siegersleber Bürger, die in einer großen Zahl erschienen waren, glaubten nicht, dass ihre Beschwerden vom Landwirtschaftsbetrieb nun mehr beachtet würden. Schon zu oft seien sie in der Vergangenheit enttäuscht worden, Versprechungen seien nicht eingehalten worden und Vorhaben nicht zu Ende gebracht. Auch die Aussage, dass Biogasanlagen – derzeit gibt es etwa 30 im Landkreis Börde – Zukunft haben und noch mehr Bedeutung bekommen würden, ließen sie nicht gelten. "Hier werden Grundnahrungsmittel verheizt, und der Strom wird nicht gebraucht", meinte ein Bürger. Ein Anderer fragte, warum sich das Unternehmen nicht für Photovoltaik entschieden hat.

Der Wormsdorfer Bernd Wipper, auch Mitglied im Gemeinderat der Gemeinde Eilsleben, brachte seinen Eindruck auf den Punkt: "Wir haben auch eine Biogasanlage im Ort, aber dort gibt es Vertrauen, die Agrargenossenschaft hilft auch dem Ort. Dieses Vertrauen scheint es hier aber nicht zu geben. Aber nur miteinander geht‘s!"

Die Gemeinderäte sind heute Abend noch einmal gefragt. Im nichtöffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung sollen sie über die Stellungnahme für den Landkreis bezüglich der Errichtung dieser Biogasanlage abstimmen. Zuvor wird das Konzept der Biogasanlage noch einmal Thema im öffentlichen Teil der Sitzung sein.

Das Unternehmen hat im Oktober vergangenen Jahres den Bauantrag gestellt. "Wir hoffen, dass Anfang Mai die Genehmigung auf Baurecht erfolgt und die Anlage im September läuft", so Britta Garben. Ob die Siegersleber später mit einer Erweiterung der Anlage rechnen müssen, konnte sie ihnen nicht sagen.