Mit einer Überraschung ist am Sonnabend der Kreisparteitag der Börde-CDU ausgegangen: Eine knappe Mehrheit der Mitglieder stimmte für den Oschersleber Hans Walker, er erhielt 75 Stimmen. Der Wolmirstedter Martin Stichnoth, Wunschkandidat von Ex-Landrat Thomas Webel, bekam 70 Stimmen.

Haldensleben/Wolmirstedt. "Turbulent", wie vorausgesagt, wurde der Kreisparteitag der Börde-CDU nicht. Doch dafür war er umso spannender und überraschender. Zunächst hatte Kreisvorsitzender Holger Stahlknecht die 147 anwesenden Parteimitglieder auf die bevorstehenden Aufgaben im Landrats-Wahlkampf eingeschworen. "Heute ist ein richtungsweisender Tag. Nicht nur für unsere Partei, sondern auch für den Landkreis", sagte Stahlknecht bestimmt. Damit wollte er die Richtung vorgeben, dass die Börde-CDU geschlossen auftreten und in den Wahlkampf ziehen müsse.

Er erinnerte an die Wahl- erfolge, die die Partei im Landtagswahlkampf erreicht hatte, an die gewonnenen Direktmandate in den vier Wahlkreisen. "Wir stellen drei Minister im Land, alle sind da, wir könnten heute eine Kabinettssitzung abhalten. Wenn man das alles zugrunde legt, dann ist es doch dadurch entstanden, dass wir uns nicht mit uns selbst beschäftigt haben. Die Geschlossenheit ist das, was uns auszeichnet", so Stahlknecht, der auch keinen Zweifel aufkommen lassen wollte, dass die CDU die Landratswahl gewinnen werde.

Im Vorfeld hatte es in der Partei Unmut darüber gegeben, dass Ex-Landrat Thomas Webel den Wolmirstedter Martin Stichnoth als seinen Wunschnachfolger ins Kandidatengespräch gebracht hatte. Einige Parteimitglieder nahmen es ihm übel, daraus aus der Volksstimme erfahren zu müssen. Die CDU-Kreistagsfraktion brachte Mitte vergangener Woche einen Gegenkandidaten ins Spiel: den Oschersleber Hans Walker. Somit standen am Sonnabend zwei Bewerber zur Wahl.

"Wenn wir heute wählen, und ganz egal, wen wir wählen, dann erwarte ich, dass derjenige die Unterstützung aller 800 Mitglieder im Kreisverband bekommt", beschwor Stahlknecht. Er verteidigte zudem die Vorgehensweise im Vorfeld: "Ein Landrat, der 20 Jahre die Geschicke des Landkreises maßgeblich bestimmt hat, hat auch das Recht, einen Vorschlag zu machen. Entschieden wird heute."

Und obwohl am Sonnabend mehr Parteimitglieder aus dem Norden des Landkreises anwesend waren, stimmte die knappe Mehrheit für den Kandidaten aus dem Süden. Von den 147 anwesenden Mitgliedern votierten nach der Vorstellungsrunde beider Bewerber in geheimer Wahl 75 für den Oschersleber Hans Walker, 70 für Martin Stichnoth.

Kreistagspräsident Dr. Karl-Heinz Daehre resümierte: "Das Ergebnis war knapp. Herr Stichnoth, sie haben ein respektables Ergebnis errungen. Sie sind noch jung, da kann noch viel blühen. Jetzt geht es darum, geschlossen zwischen Oebisfelde und Gröningen aufzutreten. Ich bin richtig stolz, dass wir nicht nur einen fruchtbaren Boden im Landkreis haben, sondern unsere Arbeit auch auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Wir sind hervorragend aufgestellt. Jetzt müssen wir geschlossen auftreten und daran denken, dass wir eine christliche Partei sind."

Hans Walker bedankte sich für das ihm entgegengebrachte Vertrauen. Als sein Ziel nannte er, den Landkreis weiter zu einen, die Identifikation der Bürger mit dem Landkreis Börde weiter voranzubringen, das Gefühl der Geschlossenheit und Gemeinschaft zu befördern.

Für die Börde-CDU gehe es nun darum, Hans Walker im Norden mehr bekannt zu machen, so Stahlknecht.

Hans Walker (58 Jahre, verheiratet, zwei Kinder) war schon einmal Landrat. Von 1990 bis 1994 war er Landrat des Kreises Oschersleben. Walker ist derzeit Geschäftsführer der Wohnungsbau- und Verwaltungs GmbH "Bewos" in Oschersleben und seit 40 Jahren in der CDU.