Peseckendorf (yhe). Anlässlich des "Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung" waren mehr als 80 Gäste – Schüler und Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Verwaltung – der Einladung der Jugendbildungsreferentin Renate Kriegel in die Landesjugendbildungsstätte Peseckendorf gefolgt. In einem Gesprächskreis haben die Schüler von Förderschulen des Landkreises Börde vor allem das Gespräch mit den Politikern gesucht, denn sie halten das Wort "Behinderung" für sehr politisch.

In "ihren" Schulen fühlen sich die meisten Schüler sehr wohl, denn dort tun sie, was alle Schüler tun – sie lernen mit ihren Lehrer, die sie achten und schätzen. Aber im Alltag ist das anders. Das beginnt schon auf dem Weg zur Schule: Wenn sie in den Bus zur Schule einsteigen, fühlen sie sich bereits unwohl. Da gibt es Gymnasiasten, Sekundarschüler und sie, die Förderschüler. Untereinander geschlossene Gruppen – aber sie stehen ganz am Rand.

Nun, am 5. Mai, standen sie nicht nur im Mittelpunkt, sondern haben sich in den Mittelpunkt gestellt. Sie traten auf als Experten in eigener Sache. Da wurde viel gelobt; Lehrer und gute Arbeitsatmosphäre in der Schule, die Freunde in der Klasse und auch die guten sozialen Kontakte untereinander, aber auch kritisiert.

Die mangelnde Aufklärung über Behinderung, Verständnislosigkeit für ihre Situation, aber auch fehlende Perspektiven wurden beanstandet, denn die Politik lässt sie ganz deutlich spüren, dass sie "anders" sind. Ihr Förderschulabschluss ist eine wenig anerkannte Qualifikation, sie eröffnet kaum den Weg in ein Erwerbsleben und trägt nicht zur Existenzsicherung bei. "Macht uns wertvoll", fordern die Schüler von der Politik. Ein Satz, der betroffen macht, bedeutet er doch auch, dass sie momentan wertlos sind, sich zumindest so verstanden fühlen.

Dabei leisten sie doch so viel; meistern ihren Alltag trotz Einschränkung, verkraften Hänseleien und wollen nichts geschenkt haben, sondern selbst gestalten. "Macht uns nicht billig, ändert die Einstellung zur Behinderung", forderten sie in einem an die Politik adressierten Hausaufgabeheft. Die CDU-Landtagsabgeordnete Gabriele Brakebusch und Gudrun Tiedge von den Linken nahmen das Hausaufgabenheft symbolisch entgegen.

Ab jetzt können die Schüler aus den Förderschulen nur noch hoffen, dass die Hausaufgaben auch erledigt werden.