Vergleicht man die Verkehrsunfallstatistiken des Revierkommissariats Oschersleben der Jahre 2009 und 2010 miteinander, so fällt ein Rückgang um 30 Wildunfälle ins Auge. Kommissariatsleiter Roland Wulff und die Vertreter der Regionalen Wildunfall-AG sehen eine Ursache dafür auch in den präventiven Maßnahmen, die sie mit Gründung dieser Gruppe im April vergangenen Jahres auf den Weg gebracht haben.

Oschersleben. In der ersten Auswertung ein Jahr nach ihrer Gründung konnte die Wildunfall-AG – ein Projekt der Verkehrswacht, der Kreisjägerschaft, der Unteren Jagdbehörde sowie der Oschersleber Polizei – eine positive Bilanz ziehen. "Die Aufgabe, die wir uns im vergangenen Jahr gestellt haben, wurde erfolgreich bewältigt", fasste Klaus Glandien von der Verkehrswacht Bördekreis zusammen. Insbesondere durch die 15 aufgestellten sig-nalroten Warnböcke wurde ein Effekt erzielt. Die Kraftfahrer hätten meist Gas weggenommen an den Stellen, an denen zuvor bereits gehäuft Wildunfälle aufgetreten waren.

Heinz-Rüdiger Junge vom Verkehrsermittlungsdienst des Revierkommissariats kann das auch mit Zahlen belegen. An der Wildunfallhäufungsstrecke zwischen Badeleben und Sommerschenburg (L 106) seien im Zeitraum von April 2009 bis März 2010, also bevor die Warnböcke aufgestellt worden sind, 12 Wildunfälle passiert. Für den Vergleichszeitraum von April 2010 bis März 2011 seien fünf Wildunfälle auf dieser Strecke gemeldet worden. "Ein spürbarer Rückgang also", meinte Junge.

Die zweite Strecke, auf die sich die Wildunfall-AG konzentrierte, war der Teilabschnitt der B 246 zwischen Hornhausen und Neuwegersleben. Hier wurden an den straßenbegleitenden Leitpfosten blaue Wildwarnreflektoren angebracht. Durch die abschreckende Lichtwirkung wird das Wild im entscheidenden Moment von der Überquerung der Straße abgehalten. Warum sich die Zahl der Wildunfälle von sechs im Zeitraum zwischen April 2009 und März 2010 auf zehn im gleichen Zeitraum des Folgejahres vermehrt hatte, war den Polizeibeamten lange ein Rätsel. Sven Goltz von der Jägerschaft konnte das Rätsel bei der Zusammenkunft aufklären: Hier hat es einen Pächterwechsel gegeben und die Flächen wurden längere Zeit nicht bejagt. Infolge einer höheren Population könne es auch zu mehr Unfällen in diesem Bereich gekommen sein. Insgesamt sind im Bereich des Revierkommissariats Oschersleben im Jahr 2010 270 Wildunfälle gemeldet worden, bei denen 238 Tiere, vorrangig Rehwild, getötet wurden. Im Jahr zuvor waren es 300 Wildunfälle mit 305 getöteten Tieren. In diesem Jahr sind bisher 81 Wildunfälle aufgenommen worden, prognostisch spricht das für eine Zahl von etwa 246.

Um die Zahl weiter zurückzudrängen, sollen noch weitere Maßnahmen geprüft werden. So ist auch eine Duftzaunvariante des ADAC an einer Wildunfallhäufungsstelle denkbar. Und auch Jäger wollen ihr Jagdverhalten noch besser anpassen, zumal zunehmend Schwarzwild auftritt.