"Demografischer Wandel – gemeinsam Strategien finden": Unter diesem Motto veranstalten die Gemeinde Hohe Börde und ein von ihr beauftragtes Projekt-Team am Donnerstag, dem 26. Mai, ab 18 Uhr ein öffentliches Forum im Hermsdorfer Mehr-Generationen-Haus. Alle Bürger der Hohen Börde sind eingeladen, sich in die Diskussion um die Herausforderungen des Bevölkerungswandels in den kommenden 10 bis 15 Jahren in ihrer Gemeinde einzubringen.

Hermsdorf/Hohe Börde. Kerstin Paltzer vom Mitteldeutschen Rundfunk wird die Diskussion moderieren. Zum Auftakt wird Gastreferent Steffen Kröhnert vom "Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung" einen Vortrag halten. Das Berlin-Institut hat im März 2011 die Studie "Die demografische Lage der Nation" veröffentlicht, in der demografische Problemregionen in ganz Deutschland untersucht worden sind, insbesondere unter dem Blickwinkel, wie es um das bürgerschaftliche Engagement bestellt ist. Dazu erklärte Wolfgang Bock, Leiter des von der Gemeinde Hohe Börde beauftragten Projekt-Teams: "Unser Ziel ist es, bis zum Herbst Lösungsmöglichkeiten und damit Antworten auf die sich abzeichnenden Risiken des Bevölkerungswandels in der Hohen Börde zu entwickeln. Dabei ist eine Sicht über die Grenzen der Gemeinde hinaus wichtig, um zu sehen wie andernorts auf den Bevölkerungswandel mit, aber auch ohne Erfolg reagiert wird."

Entscheidend für die Zukunft sind Bock zufolge Antworten auf die Frage: Wie bringen sich die Bürger, Vereine, und andere vor Ort handelnden Akteure der Zivilgesellschaft in die Lösung der Probleme ein.

Staat und Verwaltung stoßen an ihre Grenzen

"Fest steht: Der Staat regelt nicht mehr alles. Auch die Kraft der Verwaltungsarbeit stößt an ihre Grenzen, ganz zu schweigen von den immer geringer werdenden öffentlichen Fördermitteln", erklärte Bock. Neben den wissenschaftlichen Erhebungen des Berliner Gastreferenten hoffen Gemeinde und Projekt-Team in Hermsdorf auf Ideen und Vorschläge aus der Bürgerschaft der Hohen Börde. Gleichzeitig werden Wolfgang Bock und sein Team über konkrete, selbst erfahrene Beispiele erfolgreichen bürgerschaftlichen Engagements informieren, wollen damit Anregungen geben, wie es gehen kann, wenn Menschen die Bewältigung von Problemen in die eigene Hand nehmen und sich nicht nur auf staatliche Unterstützung verlassen. "Wir wollen die Weichenstellung für die Zukunft auf eine breite Basis stellen und die Bürger mit ihren Ideen mitnehmen. Geheimniskrämerei über schmerzhafte, aber reale Entwicklungen und Fakten helfen nicht weiter. Mit Offenheit und Transparenz, ohne Augenwischerei möchten wir auf dem Hermsdorfer Forum zum Mitmachen an einer öffentlichen Diskussion über Strategien der Zukunftsbewältigung motivieren."

Dabei geht es laut Bock auch um die Frage der Familien- und Kinderfreundlichkeit in der Gemeinde, um ein in der Zukunft stabiles, finanzierbares Netz der Freizeitgestaltung, der Kinderbetreuung und der Bildung und Erziehung von Heranwachsenden.

Stresstest für die Grundschulen

"Angesichtes der Bevölkerungsentwicklung bei gleichzeitig sinkenden Finanzen müssen in der Zukunft Schwerpunkte bei Investitionen in die soziale Infrastruktur gesetzt werden. Deshalb unterziehen wir derzeit alle Grundschulen der Hohen Börde einem Stresstest", erklärte Harald Kegler, Wissenschaftler von der Bauhaus-Universtät Weimar und Mitarbeiter im Projekt-Team. Während des Forums können die Bürger erfahren, welche Faktoren in der Bewertung der Grundschulen getestet werden. Wolfgang Bock wies darauf hin: "Wir sind Wissenschaftler und geben der Gemeinde Empfehlungen und Strategien in die Hand, wie sie ihre Zukunft gestalten könnte. Die politischen Entscheidungen – etwa für die neue Schulentwicklungsplanung – muss die Gemeinde in Abwägung unserer Vorschläge selbst treffen. Wir denken, dass unter Einbeziehung der handelnden Akteure in den Ortschaften und in den politischen Gremien der Gemeinde eine Lösung gefunden werden kann, die Zukunft hat. Die Chance der Hohen Börde, jetzt entscheidende Weichen zu stellen, ist einmalig und wird im Vergleich zu anderen Kommunen erhebliche Standortvorteile schaffen, von der alle Bürger, die jungen wie die alten, profitieren können."