Die Linke des Kreises Börde hat bei einem Parteitag in Hundisburg den Magdeburger Klaus Lindner zu ihrem Landratskandidaten gewählt. Der frühere Klein Wanzleber bekam 100 Prozent der Stimmen.

Hundisburg. Das Wahlergebnis, mit dem Die Linke ihren Kandidaten Klaus Lindner ins Rennen um den Landratsposten schickt, war diesem selbst unheimlich. "100 Prozent, das ist zu viel. 99 wären besser gewesen, aber da hätte wohl ich selbst gegen mich stimmen müssen", sagte der 53-Jährige nach der Verkündung des Wahlergebnisses am Freitagabend in der Hundisburger "Räuberhöhle".

Dort hatten zuvor Kreisvorsitzender Klaus Czernitzki und Spitzenkandidat Wulf Gallert im Beisein von 45 Parteimitgliedern über das Abschneiden der Linken bei der Landtagswahl resümiert. So hätte die Kommunismusdebatte – wie auch immer man dazu stehen würde – der Partei "nicht geholfen". Und wer vorher am Einfluss der Bundespolitik oder weltweiter Geschehnisse auf eine Landeswahl gezweifelt hatte, der wurde laut Czernitzki beim Ergebnis eines Besseren belehrt. "Die Grünen und die FDP sind an ihrem Ergebnis eher unschuldig – die einen profitierten von den Ereignissen in Fukushima, die anderen waren ein Opfer vom bundespolitischen Trend."

Dass man im Land zweitstärkste Kraft geworden sei, darauf könne man stolz sein. "Dass die Ergebnisse von CDU und SPD aber dafür sprechen, dass die Bürger die Arbeit der laufenden Koalition schätzten und diese bestätigen wollten, das sehe ich anders", erklärte der Kreisvorsitzende in seiner Ansprache. Er sei der Meinung, dass viele die SPD gewählt hätten, damit diese stärker wird als die Linke und es eine Option auf eine rot-rote Regierung gegeben hätte.

Lob gab es von den Parteioberen für Sebastian Filipp aus Wolmirstedt. So sei dieser nicht nur landesweit der jüngste Kandidat gewesen, sondern hätte auch in der "eigentlichen CDU-Hochburg" Wolmirstedt mit dem zweitbesten Ergebnis bei den Personenstimmen viel mehr als nur einen Achtungserfolg erzielt. "Das zeigt, dass wir sehr wohl in der Lage sind, auch in unserer Partei gutes Personal aufzubauen", lobte Wulf Gallert, der bei der Landtagswahl als Spitzenkandidat ins Rennen gegangen war.

Nun aber wolle man sich auf die Landratswahl im Juli konzentrieren. "Seit die Wahrscheinlichkeit bestand, dass Thomas Webel Verkehrsminister wird, haben wir uns mit der Kandidatenfrage beschäftigt", blickte Czernitzki zurück. "Wir haben mehr oder weniger bekannte Namen gehandelt und auch überlegt, ob wir überhaupt einen eigenen Kandidaten stellen, oder lieber einen gemeinsamen mit der SPD. Doch wir sind es unseren Wählern und den Bürgern aus dem Landkreis schuldig, einen eigenen Kandidaten aufzustellen."

Kreisvorstand und Kreistagsfraktion einigten sich auf Klaus Lindner. Die Wanzleber Landtagsabgeordnete Gudrun Tiedge nannte den anwesenden Mitgliedern drei Gründe, wieso der 53-Jährige der richtige Mann für das Amt des Landrates sei: "Er ist Lehrer, hat also gute Nerven und kann mit Menschen umgehen. Außerdem ist er Mathematiker, kennt sich also mit Zahlen aus und ist sattelfest im Haushaltsrecht. Und er ist seit 1990 Kommunalpolitiker und hat so Erfahrungen in den verschiedensten kommunalen Gremien sammeln können."

Der gebürtige Jenaer, Vater von zwei erwachsenen Kindern, arbeitete zuerst als Lehrer, dann in der Erwachsenenbildung. Vor Kurzem zog Lindner nach Magdeburg, wo er als Angestellter in einer Computerfirma arbeitet.

Nachdem ihm die Basis einstimmig das Vertrauen für die Kandidatur ausgesprochen hatte, zeigte sich Lindner kämpferisch. "Ich will kein Spaßkandidat sein, sondern habe mich sehr wohl mit der Möglichkeit beschäftigt, das Amt hinterher auch zu machen." Natürlich sei man als Landrat in Zwänge eingebunden – es gebe Gesetze und vor allem auch die Vorgaben durch die finanzielle Lage. "Aber man hat Spielräume. Mein Ziel ist es, diese auszuloten und richtig zu nutzen", so Lindner. Außerdem sehe er es als Vorteil an, wenn man als Landrat nicht direkt aus der Verwaltung kommt, weil man dann nicht in der Struktur eingebunden sei.

Großes Ziel des früheren Klein Wanzlebers sei es, die Entfremdung von Verwaltung und Bürger wieder umzukehren. "Wir müssen uns mehr als Dienstleister verstehen, mit Bürgerbüros arbeiten." Dass mit ihm wieder ein Kandidat aus dem Süden antrete, sieht Lindner nicht als Problem an. "Die Gemeindegebietsreform war unsäglich, aber wir müssen damit leben. Und endlich aufhören, uns als Nord- beziehungsweise Südkreis zu begreifen. Ich möchte gern ein Landrat für alle Bürger sein."