Vor 1075 Jahren wurde Kloster Gröningen zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Dieses Jubiläum wird vom 24. bis 26. Juni mit einem Festwochenende gefeiert. Im Vorfeld veröffentlichen wir einen mehrteiligen geschichtlichen Text des Heimatforschers Ralf Staufenbiel. Heute Teil 2: Die Entstehung des Klosters.

Von Ralf Staufenbiel

Kloster Gröningen. Zur Heimat Kloster Gröningen gehört auch die Geschichte der Orts- und Klosterentstehung: In grauer Vorzeit hieß das Dorf Kloster Gröningen nachweislich "Westergrüningen" und verfügte nach bisheriger Ansicht auf einem flachen, hervorspringenden Bergrücken über eine Ansiedlung (Urbs), die 936 bei der Stiftung des Klosters erstmals erwähnt wurde: "936.. ecclesia intra urbem in Westergroningen."

Aus dieser Zeit stammt auch die Einteilung in Gaue. Gröningen wurde dem Schwabengau zugezählt, während Kloster Gröningen, westlich des Grenzflusses Bode gelegen, dem Harzgau angehörte. An der Spitze der Gaue stand ein adliger Vorsteher, auch Comes genannt. Ein solcher Comes war einst Graf Siegfried, der am 25. Juni 934 von König Heinrich I. eine in Nordhausen ausgestellte Schenkungsurkunde erhielt, in der er als "dilectus et fidelis comes" bezeichnet wurde. Dem Inhalt der Urkunde nach erhielt er für seine Grafschaft aus dem königlichen Besitz die Ortschaften Gröningen, Kroppenstedt und Emmundorp (auf alten Karten auch unter Amesdorf zu finden/südöstlich von Gröningen, kurz vor dem Hakel). Siegfried, dessen Rechte sich insbesondere um Merseburg herum konzentrierten, gehörte zu den hervorragenden sächsischen Großen unter Heinrich I.. Er war der älteste Sohn des Grafen Thietmar († 01.02.932/Thietmar war Erzieher des ersten Deutschen Königs Heinrich I.) und der Hildegard (einer Schwägerin des Grafen Erwin); Vetter der Hatheburg und Bruder des Markgrafen Gero. Seine Schwester war Hitta, die mit einem Christian, dem späteren Grafen im Thüringgau, verheiratet war. In erster Ehe heiratete er Irminburg, die Schwester des Königs Heinrich I., die jedoch an einem 29. Dezember vor 936 kinderlos verstarb.

Tod der Kinder war Anlass für Klosterbau

Auch seine zweite Ehe mit Guthi (auch Jutta genannt), die ihm der Sage nach die Kinder Siegfried und Jutta gebar, währte nicht lange, da er selbst, kurz nach Stiftung des Klosters, vermutlich am 10. Juli 937, verstarb. Als Legatus (Gesandter/Stadthalter) des Königs hatte er – wahrscheinlich an der Ostgrenze Sachsens – eine militärische Kommandogewalt inne, die ihn über die anderen Grafen stellte. Siegfried hatte als der bedeutendste Fürst Sachsens nach dem König gegolten und war sein Vertrauter gewesen, wenn Reichsgeschäfte den Herrscher abberiefen. Darüber hinaus hat Heinrich I. dem Grafen Siegfried seinen Sohn Heinrich zur Erziehung übergeben. Kurz vor seinem Tod wurde Siegfried der militärische Schutz Sachsens, während der Krönungsfeierlichkeiten für Otto I. in Aachen anvertraut.

Zwei Jahre später – 936 – ließ Graf Siegfried (bedingt durch den Tod seiner beiden Kinder) auf dem geschenkten Besitz zu Westergröningen ein Kloster und einen großen Hof (curtis) errichten; sicherlich auf einem bereits bestehenden Kirchenstandort, so der Historiker Dr. Christof Römer in der Harz-Zeitschrift vom Jahr 2008. (Nach Leuckfeld, Chronik von 1710, S. 168, hat der Kloster Gröninger Probst Abbo von Dalem die tragische Geschichte vom Tod der Kinder Siegfrieds erst 300 Jahre später zu Papier gebracht. Dadurch bedingt kann man nur von einer Sage sprechen, deren Wahrheitsgehalt entsprechend bedacht werden muss.)

In der Stiftungsurkunde, die am 26. Mai 936 von Abt Volcmar in Corvey beurkundet wurde, war festgelegt worden, dass Graf Siegfried sein gesamtes Erbgut dem Kloster Corvey im Orte "Westergröningen" nahe der Bode im Harzgau übertragen habe. Dieses Erbe muss schon erheblich gewesen sein, denn er besaß im Harz etliche Bergwerke, die mit in die Erbmasse einflossen. Zum Stiftungsgut gehörten die bereits bestehende Kirche mit den Geistlichen und der Siedlungskomplex westlich des Kirchenstandortes. Man kann demnach folgern, dass der Bereich der heutigen Westernstraße und die Verlängerung bis hin zum Hügel (Flurname Küchenkamp) vor dem ehemaligen Rinderoffenstall, mit kleinen strohgedeckten- oder Erdgruben- häusern besiedelt waren. Möglicherweise befand sich auf dem dortigen, mit Bruchsteinen übersäten Hügel eine kleine Wallburg, in die sich die ehemaligen Klosteraner bei feindlichen Angriffen flüchten konnten.

Bemerkenswert an der Gründungsurkunde ist die Aufführung der gesamten königlichen Familie.

Allerdings konnten bis heute die verwandtschaftlichen Beziehungen zur Königsfamilie nicht genau bestimmt werden. Vieles liegt auch heute noch im Dunkeln. "Die Fragmenta Corbeiensia", eine Teilchronik von Corvey, bringt die Notiz, dass das Klostergut als sogenanntes "Dotationsgut" reichlich ausgestattet war. Es umfasste die gesamte Ansiedlung "Uuestergroningen" (Westergröningen), "Croppenstide" (Kroppenstedt), "Uuendelingen" (Wendlingen), "Ostergroningen" (gemeint ist vermutlich Ostgröningen), Heteborn, "Dalethorpe" (Dalldorf) und den Wald Hakel, was durchaus glaubwürdig ist.

Kloster innerhalb von vier Jahren gebaut

Das Kloster wurde mit seinen Anlagen innerhalb von nur vier Jahren unter Leitung benediktinischer Baumeister hochgezogen, wobei man sich nicht den Zuschnitt der heutigen Anlage vor Augen halten darf.

Es gab nach gesicherten Erkenntnissen eine kleinere Vorkirche, die später mit der jetzigen romanischen überbaut wurde. Seit Gründung der Klosteranlage haben der Baukörper der Kirche, die im Hirsauer Baustil errichtet wurde, und das zugehörige Gut viele bauliche Veränderung erfahren.

Zweifelsohne war in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts mit dem Einbau der "Gröninger Empore" im westlich gelegenen Mittelschiff die bis heute nachhaltigste Bauphase abgeschlossen.

Die Schaffung einer Halb- reliefgruppe, bestehend aus dem auf einem Regenbogen thronenden Christus und den ihn umgebenden zwölf Aposteln, gehört zu den bedeutendsten deutschen Großplastiken und war im Jahr 1901 Anlass für die Umsetzung in das Deutsche Museum in Berlin. Die Relief-Figuren im Berliner Bodemuseum gehören zu den bekanntesten Exponaten mittelalterlicher Skulpturen in der Berliner Sammlung. "Die Gröninger Empore ist ein Hauptwerk der deutschen Romanik", so die Würdigung auf der Internetseite der Staatlichen Museen zu Berlin.

Obwohl den Kloster Gröningern das Original durch die Sicherung nach Berlin abhanden gekommen ist und die Kirche durch Abrissmaßnahmen in den Jahren nach dem Abzug der Mönche um 1561, der Seitenschiffe und etlicher Apsiden beraubt worden ist, kommen jährlich viele Besucher auf dem Weg entlang der Romanikstraße, um die farbige Nachbildung aus Gips in Augenschein nehmen zu können.

Vortrag zur Kirche am 24. Juni

Bislang ungesichert sind die bisherigen Annahmen von Pfarrer Leopold, der sich nach 1910 intensiv mit der baulichen Beschaffenheit befasste und Dr. Eva Mühlbecher, die in einer wissenschaftlichen Abhandlung über die Westempore schrieb, dass die Kirche über zwei Westtürme verfügte.

Die neuesten Erkenntnisse zu diesem Thema wird Frau Magister Eichhorn am 24. Juni dieses Jahres vor Ort, den Besuchern der 1075-Jahr-Feier offerieren.