Weil Andrea Gammisch aus Alikendorf von der Arge des Landkreises Börde kein Darlehen für Winterreifen bekommt, kann sie eine Arbeitsstelle als Zustellerin in Oschersleben nicht aufnehmen. Gegen den ablehnenden Bescheid will die 43-Jährige in Widerspruch gehen.

Alikendorf. Andrea Gammisch aus Alikendorf wollte vor dem Jahreswechsel in Oschersleben eine Stelle als Zustellerin für Zeitungen und Post aufnehmen. Ihr zukünftiger Arbeitgeber machte es jedoch zur Voraussetzung, dass sie für ihr Auto Winterreifen kaufen und aufziehen müsse. "Dafür hatte ich jedoch kein Geld", sagte die Alikendorferin. Eine schriftliche Zusage, der Zustellservice würde sie beim Vorhandensein der Winterreifen einstellen, hatte sie in der Tasche.

Andrea Gammisch ist seit 2002 arbeitslos, bezieht mittlerweile Hartz IV. Die 43-Jährige ist verheiratet und hat eine 6-jährige Tochter. Der Job beim Zustellservice Oschersleben, eine geringfügige Beschäftigung, ist für sie eine Möglichkeit, das Familienbudget aufzubessern und einer geregelten Arbeit nachzugehen.

Das Geld für die Winterreifen, etwa 400 bis 500 Euro, wollte sich Andrea Gammisch als Darlehen von der Agentur für Arbeit holen. Doch die Arbeitsgemeinschaft (Arge) des Landkreises Börde in Oschersleben lehnte ihren Antrag ab. "Das Arbeitamt verhindert, dass ich eine Arbeit aufnehme", empörte sich die Alikendorferin. Sie könne sofort beim Zustellservice anfangen, nur fehle ihr das Geld, die Winterreifen zu kaufen.

Volksstimme fragte bei der Agentur für Arbeit in Magdeburg nach. Wie Cynthia Rösler von der Presseabteilung sagte, habe sie sich mit der Arge des Landkreises Börde in Oschersleben in Verbindung gesetzt. Die Sachbearbeiterin wollte sich nochmals mit Andrea Gammisch in Verbindung setzen, um eine Lösung für das Problem zu finden. Bis dahin solle die Alikendorferin einen formgerechten Antrag für das Darlehen zum Kauf der Winterreifen stellen. "Dann wird nochmals eine Prüfung vorgenommen", versicherte Cynthia Rösler. Noch vor Jahreswechsel hatte ein Teamleiter der Arge Börde bei Andrea Gammisch angerufen mit der Zusicherung, der Kredit würde wohl gewährt werden.

Gestern nun der Schock für die Alikendorferin. "Die Mitarbeiterin der Arge Börde in Oschersleben sagte mir, mein Antrag über das Darlehen wird nicht genehmigt. Das finde ich eine Sauerei", ärgerte sie sich. Zwar habe Andrea Gammisch die Ablehnung nur mündlich erhalten, doch der schriftliche Bescheid solle noch folgen. "Wenn der da ist, gehe ich in Widerspruch", kündigte sie an. Als Begründung habe ihr die Arge-Mitarbeiterin mitgeteilt, das Darlehen könne nur gewährt werden, wenn damit eine versicherungspflichtige Tätigkeit aufgenommen werden könne. Eine geringfügige Beschäftigung reiche nicht aus.