Nach seinem Austritt aus der SPD-Kreistagsfraktion im Dezember hat der Hornhäuser Lothar Lortz zu Wochenbeginn auch die Oschersleber Stadtratsfraktion und die Partei verlassen. Die Gründe dafür liegen innerhalb der SPD, sagte er zur Volksstimme.

Oschersleben. Lothar Lortz, bisher stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender im Oschersleber Stadtrat, ist zum 3. Januar aus der SPD ausgetreten und hat seine Mitarbeit in der sozialdemokratischen Stadtratsfraktion beendet. "Ich mache keine halben Sachen", sagte der Hornhäuser Ortsbürgermeister auf Volksstimme-Nachfrage zu seinen Austrittsgründen. Lortz meinte damit seinen Austritt aus der SPD-Kreistagsfraktion, den er Anfang Dezember vollzogen hatte.

"Nach meinem Erlebnis in der Kreistagsfraktion bin ich aus der SPD ausgetreten", hatte Lortz seine Oschersleber Fraktionskollegen über seinen Rückzug aus Fraktion und Partei informiert. "Das ist mir nicht leicht gefallen, schließlich hängen da 20 Jahre Herzblut dran, ich habe immer an vorderster Front gekämpft", sagte der Hornhäuser am Mittwoch zur Volksstimme. Mehr wolle er zu den Gründen nicht sagen. Nur so viel, dass sie innerhalb der Partei im Landkreis Börde liegen würden.

Lothar Lortz will nach eigenen Angaben seine Mandate im Kreistag und im Oschersleber Stadtrat behalten. "Im Moment fraktionslos", wie er sagte. Auf die Frage, ob sich Lortz einer anderen Fraktion anschließen wolle, sagte er: "Wer weiß."

Die Zusammensetzung der Ausschüsse des Oschersleber Stadtrates ändert sich nach Auskunft von Bürgermeister Dieter Klenke (parteilos) nicht. Lothar Lortz saß für die SPD im Hauptausschuss sowie im Kultur- und Sozialausschuss. Diesen Sitz muss die SPD-Fraktion aus den eigenen Reihen ihrer jetzt sieben Mitgliedern neu besetzen.

Die Sitze in den Ausschüssen können nur von den Fraktionen besetzt werden. Der CDU-Fraktion gehören elf Stadträte an, der Linken fünf, der SPD jetzt sieben, vor dem Austritt von Lortz waren es acht. Weiterhin ist die Freie Bürger Initiative (FBI) mit fünf Sitzen im Stadtrat vertreten. Hinzu kommen die fraktionslosen Stadtratsmitglieder Katrin Klenke (parteilos), Lieselotte Drohberg (Bündnis 90/Die Grünen) und neu Lothar Lortz (parteilos).

Während sich die Sitzverteilung in den Ausschüssen des Stadtrates nicht ändert, zieht der Austritt von Lortz aus der SPD-Fraktion eine Änderung in der Sitzverteilung der Gesellschafterversammlung der Oschersleber Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Bewos nach sich. Die SPD verliert einen Sitz und hat jetzt drei, vormals vier. FBI gewinnt einen dazu und hat nunmehr zwei. Die Anzahl der Sitze von CDU (4) und Linke (2) bleiben unverändert.

"Ich bedauere den Austritt von Lothar Lortz aus der SPD sehr", sagte am Mittwoch die Kreisvorsitzende Silke Schindler aus Wanzleben auf Nachfrage der Volksstimme. Schließlich sei Lortz vor 20 Jahren Gründungsmitglied der SPD in Hornhausen gewesen und "hat immer für die Partei gestanden". Diese Bindung zur SPD "zieht man nicht wie ein schmutziges Hemd aus". Nach dem Austritt von Lothar Lortz aus der Kreistagsfraktion habe die SPD-Spitze im Landkreis Börde mit dem Hornhäuser mehrere Gespräche geführt. "Wir wollten erreichen, dass er in der SPD bleibt", verdeut–lichte Schindler. Meinung des Kreisvorstandes sei gewesen, Lortz könne in der SPD bleiben und als Kreistagsmitglied weiter arbeiten, ohne sich einer anderen Fraktion anzuschließen. Der Kreisvorstand habe nach Möglichkeiten und Wegen gesucht, um Lortz in der SPD zu halten und mit ihm über die Feiertage eine Bedenkzeit vereinbart. "Er hat jedoch eher und schneller die Konsequenzen gezogen", kommentierte Schindler die Mitteilung von Lortz, in der er am Montag seinen Parteiaustritt erklärte.

Zu den genauen Gründen, warum Lothar Lortz die SPD verlassen hat, hält sich auch Kreischefin Silke Schindler bedeckt. "Richtig kann nur er es sagen", erklärte sie. Schindler bestritt, dass es nach dem Austritt von Lortz aus der Kreistagsfraktion vom Kreisvorstand das Bestreben gegeben habe, gegen Lothar Lortz ein Parteiausschlussverfahren in Gang zu setzen. Im Gegenteil, der Kreisvorstand wollte ihn in der SPD halten.