Auf frische Inszenierungen dürfen sich die Freunde des Volkstheaters in Ummendorf und Wormsdorf freuen. Gunther Hirschligau schreibt an zwei neuen Stücken und hat auch schon Pläne für einen weiteren Roman im Hinterkopf. Volksstimme-Redakteur Ronny Schoof sprach darüber mit dem Pfarrer und Autor aus Ummendorf.

Volksstimme: Ganz salopp gefragt, Herr Hirschligau – jetzt haben Sie sich doch lange genug vom Stückeschreiben ausgeruht, oder?

Gunther Hirschligau: Sie meinen, weil es letztes Jahr kein neues Theaterstück für Ummendorf gab?

Volksstimme: Genau …

Gunther Hirschligau: Nun, das lag ja vor allem daran, dass im Zuge des Freundschaftsjubiläums 2010 zwischen Ummendorf und Polle unsere Partnergemeinde mit einer Theateraufführung hier zu Besuch war und wir im Gegenzug dann dort auftraten. Und fürs Pfarrhoftheater gab es ja ein neues Stück und wird es auch in diesem Jahr geben – für beide Laienspielgruppen.

Volksstimme: Dann ist die schöpferische Pause also vorbei?

Gunther Hirschligau: Wenn Sie es so nennen wollen, dann kann ich das so bestätigen. Ja, auch für Ummendorf werde ich eine neue Geschichte schreiben. Es kamen in letzter Zeit immer wieder mal Anfragen zum Theater und den Terminen. Da habe ich auch gemerkt, dass Publikum und Darsteller nach einem neuen Stück fragen. Zu sehen gibt es das dann an zwei Wochenenden im Juni und Juli. Wir verkürzen den Abstand zwischen den Aufführungen; das hat den Vorteil, dass wir die Bühne stehen lassen können, deren Auf- und Abbau doch immer eine Heidenarbeit bedeutet.

"Diesmal wird‘s ein modernes Stück"

Volksstimme: Die Termine stehen also schon fest, wieviel Akte sind bereits fertig?

Gunther Hirschligau: Fürs Burghoftheater steht der erste Akt. Zur Zeit bin ich noch beim Ideensammeln. Und einen Arbeitstitel gibt es auch.

Volksstimme: Nur raus damit!

Gunther Hirschligau: Ich will noch nicht zu viel preisgeben. Doch es wird sich um "Die Lotusblüte" drehen, was keine Person ist, sondern eine Heiratsvermittlung.

Volksstimme: Eine Art Partneragentur? Das klingt so gar nicht nach historischer Kulisse …

Gunther Hirschligau: Richtig. Es wird diesmal ein modernes, zeitgenössisches Stück werden.

Volksstimme: Ich kann mich erinnern, dass Sie den Wunsch einer Handlung in der Gegenwart schon etwas länger hegen, jedoch auch Bedenken hatten, dass dadurch womöglich Bezüge zu lebenden Personen hergestellt würden.

Gunther Hirschligau: Das stimmt. Und deshalb will ich schon jetzt betonen, dass es eine fiktive Geschichte wird, die einfach nur unterhalten soll. Ich will niemanden verletzen. Mir geht es um ein Lustspiel, das vielleicht auch etwas niveauvoller ist als das Comedyprogramm der Privatsender und sich mit der gesellschaftlichen Frage zum Heiraten und Familien gründen beschäftigt.

Volksstimme: Das hört sich ein wenig nach moralischer Belehrung an …

Gunther Hirschligau: Natürlich wird es in gewisser Weise ein Spagat zwischen Unterhaltung und Moral, jedoch ohne den Finger zu heben, das macht man im Lustspiel nicht. Es ist ein Wagnis – wenn es nicht klappt, ziehe ich mich wieder aufs historische Material zurück.

Volksstimme: Ein sehr trauriger Aspekt für das Burghoftheater dürfte der Tod von Dirk Werstler sein, der nach schwerer Krankheit kürzlich verstarb.

Gunther Hirschligau: Ja, das ist für die Gemeinde und das Theater ein herber Verlust. Er war einer der beliebtesten Darsteller und hat mit seinem Spiel viel Freude bereitet. Seine Paraderolle hatte er im Alten Fritz gefunden. Mit größtem Respekt denke ich daran, wie er sich manches Mal wahrscheinlich förmlich auf die Bühne gequält und dort dann lustige Rollen gespielt hat. Mir persönlich war es auch eine besondere Ehre, ihn zu beerdigen. Wir werden seiner zu den Vorführungen gewiss gedenken.

Volksstimme: Was erwartet die Besucher des Pfarrhoftheaters in Wormsdorf?

Gunther Hirschligau: Auch wieder eine Lustspiel im historischen Umfeld. Es heißt "Die Sandsteinhexe" und ist so gut wie fertig. Die Geschichte zieht uns zurück ins Mittelalter, als es im Gehringsdorfer Park hinterm Gutshaus noch eine befestigte Burg und eine Kirche gegeben haben muss. Sie spielt im Spannungsfeld zwischen Gehringsdorf und Wormsdorf und nimmt Bezug auf die Volksfigur der Sandsteinhexe.

"Neuer Roman widmet sich den Tempelrittern"

Volksstimme: Und wie man hört, wird das Ganze gewissermaßen unter neuer Ägide stattfinden …

Gunther Hirschligau: Ja, die Wormsdorfer haben sich entschlossen, noch im Januar einen eigenen Theaterverein zu gründen. Bislang lief das ja unter dem Dach der evangelischen Kirchengemeinde.

Volksstimme: Wenn Sie schon so schön am Schreiben sind, bleibt da noch Luft, Muße und Muse für ein neues Buch?

Gunther Hirschligau: Das wird sich zeigen. Für einen weiteren Roman habe ich auch schon ein Thema im Auge, aber ob sich das noch in diesem Jahr realisieren lässt, kann ich jetzt nicht abschätzen.

Volksstimme: Ein historisches Thema?

Gunther Hirschligau: Ja, und zwar ein recht spannendes und recht wenig beleuchtetes, wie ich meine. Der Orden der Templer war auch in unserer Region tätig und wurde dann verfolgt. Diese spätmittelalterliche Lokalhistorie des Tempelrittertums, das derzeit ja generell hoch im Kurs steht, wäre die Intention für den neuen Roman.

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