Das seltene Fest der Eisernen Hochzeit feierte gestern in Langenweddingen das Ehepaar Ernst und Gerda Jordan. Viele Glückwünsche nahm das Jubelpaar sichtlich gerührt entgegen.

Langenweddingen. Als sich Ernst und Gerda Jordan vor 65 Jahren am 12. Januar 1946 das Ja-Wort gaben, war es auf dem Seehäuser Standesamt die erste Trauung des Nachkriegsjahres. Eigentlich keine schöne Zeit zum Heiraten, doch hartnäckig hielt sich in diesen schwierigen Zeiten das Gerücht, Hochzeiten würden in der damaligen russischen Besatzungszone in den nächsten Jahren verboten werden. Zudem fehlte es an Wohnungen. Zumeist waren die vorhandenen Wohnungen und Häuser von mehreren Familien, oft von Flüchtlingen und Umsiedlern, zusätzlich belegt. Um einer weiteren Einquartierung bei Ernst Jordans Eltern zuvorzukommen, heirateten die jungen Leute und zogen nach Langenweddingen, wo der Bräutigam zuhause war. Gerda Jordan wurde in Gatersleben bei Quedlinburg geboren, später zogen ihre Eltern in die Börde nach Seehausen.

So kurz nach Kriegsende zu heiraten, war in vielerlei Hinsicht, nicht so einfach. Zuerst stand die Frage, woher das Hochzeitsessen nehmen? Braut und Bräutigam hatten Hahn und Huhn geschenkt bekommen, daraus wurde ein Frikassee zubereitet. Auch Kaninchenbraten gab es. Für die Braut wurde das Brautkleid ihrer Mutter aufgearbeitet. Nein, es war nicht weiß, sondern schwarz. Ernst Jordan trug einen Anzug, den er sich mal als junger Mann gekauft hatte. In den Kriegsjahren hatte man nicht zugenommen, der Anzug passte also noch. Und der Brautstrauß? "Weiße Alpenveilchen, was anderes gab es nicht", so Ernst Jordan. Weiße Alpenveilchen, geschickt mit viel Grün gebunden, bekam die Jubelbraut auch gestern. "Das Grün gab es damals allerdings nicht", ergänzt Ernst Jordan, der sich auch noch erinnert, dass es am 12. Januar 1946 recht mild war und es regnete.

Kennengelernt hat sich das Ehepaar 1940 im Zug nach Magdeburg. Gerda Jordan besuchte dort die Städtische Handelsschule, während Ernst Jordan bei der Versicherung lernte und arbeitete: "Ich war vom 1. April 1935 bis 30. Juni 1986 Versicherungsangestellter. Diese Tätigkeit wurde nur durch viereinhalb Kriegsjahre unterbrochen", berichtet der 89-Jährige. Dem Zug blieb er übrigens treu. Bis zu seiner Pensionierung fuhr er mit der Eisenbahn zur Arbeit, lief die etwa zwei Kilometer bis zum Langenweddinger Bahnhof zu Fuß.

Gerda Jordan, heute 86 Jahre alt, war Verwaltungsangestellte, arbeitete in der Landwirtschaft, beim Rat der Gemeinde. Dass sie Schulsekretärin war (1958 bis 1979), daran kann sich auch Ortsbürgermeisterin Jutta Spurek noch erinnern. Jutta Spurek wie zahlreiche Nachbarn, Freunde und Bekannte ließen es sich gestern nicht nehmen, dem Ehepaar Jordan zur Eisernen Hochzeit zu gratulieren. Auch die Jungen und Mädchen aus der Kindertagesstätte "Spatzennest" überbrachten ein musikalisches Ständchen.

Gerda und Ernst Jordan haben zwei Töchter, drei Enkel und vier Urenkel, der fünfte wird in den nächsten Tagen erwartet.

Seit 1965 leben Ernst und Gerda Jordan in ihrem Häuschen mit Garten in der Bebel-Siedlung in Langenweddingen. So lange er konnte, hat Ernst Jordan den Garten selbst gepflegt und bewirtschaftet. Und in diesem Zusammenhang verrät Tochter Evelin, dass ihr Vater ein sehr schönes Hobby hatte: Er hat Rosen veredelt und gezüchtet.

Am Sonntag wird mit der Familie die Eiserne Hochzeit gefeiert.