Endlich Pause vom Winter und Temperaturen im Plusbereich! Erleichtert zeigen sich die Autofahrer dieser Tage, da sie nicht mehr mit Schneeverwehungen und Straßenglätte zu kämpfen haben. Auch Oscherslebens Taxi-Fahrer atmen auf, die im Schneechaos manchmal als letzte Rettung galten und doch nicht immer helfen konnten.

Oschersleben. Taxifahrer Detlef Brock aus Oschersleben, der für das Taxi-Unternehmen Barbara Schulze fährt, erinnert sich: Schnee, soweit das Auge reichte, legte sich im gesamten Dezember über die Bodestadt und rings herum. Die weiße Pracht sorgte zeit- und stellenweise für Chaos auf den Straßen, so dass beispielsweise eine Fahrt nach Gröningen bis zu einer Stunde dauern konnte.

Während Detlef Brock jetzt wieder bei Plusgraden eine Krebs-Patientin aus Oschersleben zur Bestrahlung ins Uni-Klinikum nach Magdeburg befördert, erzählt er vom Arbeiten während des Schneechaos. "Viele Leute, die mit ihrem Auto selbst nicht mehr vorankamen, riefen ein Taxi", sagt der 55-Jährige. Zwar werde stets alles versucht, um die Wünsche der Fahrgäste zu erfüllen, "doch das ist nicht immer möglich."

Das war zum Beispiel am ersten Weihnachtsfeiertag der Fall. Eine Seniorin, die im Rollstuhl sitzt und im DRK-Pflegeheim in Oschersleben lebt, war zum Essen bei ihren Kindern in Altbrandsleben eingeladen. Dafür rief sie sich ein Taxi. "Es war einfach kein Durchkommen, mir tat das sehr leid, aber wir mussten wieder umkehren", sagt Detlef Brock.

Der Oschersleber fährt seit zehn Jahren für das Taxi-Unternehmen und ist sich sicher: "So viel Schnee auf einmal wie Ende 2010 habe ich noch nicht erlebt. Das war insgesamt schon sehr anstrengend, schließlich ist die Sicherheit der Fahrgäste das A und O in diesem Beruf."

Auch für die Oschersleberin, die im Taxi von Detlef Brock sitzt, war das Wetter zeitweise unangenehm. Insgesamt 33 Tage muss sie Bestrahlungstermine in Magdeburg wahrnehmen. "Da war man im Dezember häufig mehrere Stunden unterwegs", sagt sie.

Detlef Brock befördert meistens kranke Menschen zum Arzt, zur Dialyse, zur Bestrahlung oder zu anderen Behandlungen. Das sei ohnehin schon bedrückend, denn Brock schließt Fahrgäste schnell ins Herz. "Leider habe ich auch schon öfter erfahren müssen, dass einige von ihnen irgendwann verstorben sind", sagt er. "Wer schwer krank ist, für den ist ewiges Stehen im Stau eine zusätzliche Belastung."

Ebenfalls zu kämpfen mit Glätte, Eis und Schnee im Winter haben René Müller, Lothar Grell und Michael Bär, die auch ein Taxi-Unternehmen in Oschersleben betreiben.

Michael Bär versucht, bei jeder Witterung alle Anfragen zu erfüllen. Was ihn aber besonders stört: "Einige Spaßvögel bestellen hin und wieder ein Taxi, und dann ist niemand da", berichtet der Taxi-Fahrer. So etwas sei immer ärgerlich, aber ganz besonders, wenn man dafür über glatte Straßen schlittert. "Ich wäre fast durchgedreht", erinnert sich der Oschersleber an den Dezember.

Lothar Grell ist Inhaber des Taxi-Unternehmens Grell und zeigt sich abgeklärt: "Der Winter gehört nun mal genauso zum Job wie der Sommer." Ausfälle habe er bisher nicht verzeichnen müssen. Seine Probleme seien wetterunabhängig: "Was mich ärgert, sind einige Jugendliche, die im Auto randalieren und aussteigen, ohne zu bezahlen." Seine Tochter, die auch Taxi fährt, sei sogar schon einmal massiv beleidigt und bedroht worden. "Solche Dinge passieren leider das ganze Jahr über", zeigt sich Grell wütend über so viel Respektlosigkeit.

Von so einigen Ausfällen auf Grund des Wetters war René Müller von der Oschersleber Taxizentrale betroffen. Von ihm und seinen Mitarbeitern werden vor allem Schüler unter anderem zu Schulen in Magdeburg und Halberstadt transportiert. "Diese Strecken können wegen Schneeverwehungen und Glatteis oft nicht oder schlecht befahren werden", sagt René Müller, der sich erleichtert über die momentan herrschenden Außentemperaturen zeigt.

Bleibt nur für alle Auto- und Taxifahrer zu hoffen, dass sich der Winter nicht noch einmal von seiner harten Seite zeigt.

Übrigens: Lange war es schwierig, in Oschersleben nachts ein Taxi zu bekommen. Das hat sich mittlerweile geändert. Das Straßenverkehrsamt hat verordnet, dass monatlich jeweils eines der vier Oschersleber Taxiunternehmen einen nächtlichen Bereitschaftsdienst anbieten muss. Im Januar ist die Firma Bär an der Reihe, im Februar das Unternehmen von Barbara Schulze.

   

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