Carl Ludwig Emil Reubke entstammte einer einst bekannten Orgelbauerfamilie, die ihre Werkstatt in Hausneindorf nördlich von Quedlinburg hatte. Mit seiner Qualitätsarbeit in der gefragten Reubke-Tradition erreichten ihn Aufträge aus ganz Norddeutschland. Einige Reubke-Orgeln blieben bis heute erhalten und besitzen bei Musikfreunden immer noch eine große Anziehungskraft. Eine davon, die Compenius-Reubke-Orgel, ist in der Kroppenstedter Martinikirche zu bewundern. Ein Blick auf die Erbauerfamilie.

Kroppenstedt. Die Reubke-Tradition im Orgelbau war durch Adolf Christian Reubke begründet worden, der zunächst den Beruf eines Kunstdrechslers erlernt, sich aus Musikliebe autodidaktisch mit dem Bau von Musikinstrumenten beschäftigt hatte und schließlich in seiner Werkstatt in Hausneindorf Klaviere baute. Mit Erfolg. Die Nachfrage stieg. Er heiratete und wurde Vater mehrerer Söhne. Am 21. Januar 1836 wurde in Hausneindorf Carl Ludwig Emil Reubke geboren. Parallel erschloss sich der stolze Vater das Buch "Die Orgelbaukunst" von Johann Gottlieb Töpfer, der als hervorragender Weimarer Organist und als einer der einst bekanntesten Orgelbau-Spezialisten des 19. Jahrhunderts überliefert ist. Das Werk der Weimarer Autorität begeisterte auch Vater Reubke. Es motivierte ihn sogar zum eigenständigen Orgelbau. Seine erste Orgel widmete der Autodidakt der Hausneindorfer Dorfkirche. Sie gedieh in der Folge zum Referenzobjekt. Nach den rund 160 Klavieren, die aus der Haus-neindorfer Werkstatt bis 1839 hervorgingen, wurden nun hauptsächlich Orgeln geschaffen. Die Söhne Julius, Emil und Otto teilten schon früh die Musikbegeisterung des Vaters und erlebten als Kinder hautnah die Wandlung vom Klavier- zum Orgelbau. Doch während Julius sowie Otto Reubke schließlich eine von der väterlichen Werkstatt unabhängige Musiker-Laufbahn wählten, entwickelte sich Emil Reubke nach der Ausbildung zum Orgelbauer zum wichtigsten Mitarbeiter des Vaters. Die Palette der frühen Reubke-Orgeln nach der Haus-neindorfer Referenzorgel reichte vom Instrument für Magdeburg-Buckau über das Werk für die Kirche in Hedersleben bis zur "Interimsorgel" für den Magdeburger Dom, die 1850 entstand und später nach Roxförde kam, heute ein Ortsteil von Gardelegen.

An der "Interimsorgel" war Sohn Emil schon umfangreich beteiligt. Vater und Sohn Reubke tüftelten fortan gemeinsam an Verbesserungen. Emil wurde unverzichtbar. Die Folgeorgeln waren dann das Ergebnis gemeinsamer Arbeit. So entstand 1852 das Instrument für die St. Laurentiuskirche in Benneckenstein, das bei ihrer Abnahme von Sachverständigen als "gutes, dauerhaftes und gelungenes Werk" gelobt wurde und nach der Restaurierung 1997 auch heute weiter mit gutem Klang begeistert. 1853 sowie nach 1856 folgten die Orgeln für St. Jacobi in Magdeburg und den Magdeburger Dom.

Die Leistungen Emils bei der Domorgel überzeugten neben dem Vater auch den namhaften Domorganisten August Gottfried Ritter. Deshalb erhob der Vater Emil Reubke 1860 zum Mitinhaber. Die Orgelbaufirma in Hausneindorf hieß nun Reubke & Sohn. In gemeinsamer Arbeit schufen sie jetzt die Orgeln für das nahe Kroppenstedt und für die St.-Petri-Kirche in Brumby, das seit 2009 als Ortsteil zu Staßfurt gehört. Die Brumby-Orgel gilt als die 69. Orgel aus der Reubke-Firma, begeisterte einst erneut den Ab- nehmer Ritter aus Magdeburg und blieb über die Zeit erhalten. Ihr Klang begeistert noch heute in regelmäßigen Konzerten. International bekannte Organisten spielen gern auf dem Instrument. Musikliebhaber aus ganz Deutschland pilgern deshalb alljährlich wegen des Reubke-Klangs nach Brumby. Nachdem Vater Reubke 1872 seinem Sohn die Firma vollständig überlassen hatte, verstarb er 1875 in Hausneindorf. Emil Reubke setzte in der Folge neue Akzente, die den hervorragenden Ruf der Firma festigten.

Seine Werkreihe reichte von der Kyritzer Schöpfung 1873 über die Arbeit für die St. Dorotheakirche in Wahlitz, jetzt ein Ortsteil von Gommern, bis zum Instrument für die Kirche St. Gertraud in Hamburg. Die Orgel in Kyritz gilt heute nach gründlicher Restaurierung als größte romantische Orgel des 19. Jahrhunderts im Bundesland Brandenburg. Aber Emil Reubke war kein langes Leben beschieden.

Er verstarb am 29. Mai 1884 in Hausneindorf. Das war eine Zäsur für die Firma, die von Ernst Röwer übernommen wurde, der an die Reubke-Vorzüge anknüpfte und seine Orgeln bis nach Moskau lieferte.