Verbandsgemeindebürgermeister Thomas Schmette und die Heinrichsberger Bürgermeisterin Bettina Seidewitz haben am Mittwoch eine Kontrollfahrt mit einem Schlauchboot der Rogätzer Feuerwehr auf Elbe und Ohre unternommen. Das Boot steuerte der Rogätzer Wehrleiter Karl-Heinz Bergwein. Mit an Bord CDU-Landtagsabgeordneter Holger Stahlknecht.

Heinrichsberg/Rogätz. Bevor die Mitfahrer an Bord gingen, überreichte Karl-Heinz Bergwein ihnen zunächst Schwimmwesten. Dann legte das kleine Boot vom Elbdeich in Heinrichsberg ab und bewegte sich zur Strommitte. "Wir werden sieben Kilometer elbabwärts fahren, dann in Rogätz in die Ohre einbiegen", nannte Karl-Heinz Bergwein das Ziel.

Dabei ließ er kein Auge von den Wasserfluten vor ihm. Höchste Konzentration war gefragt. Da galt es Treibgut auszuweichen – angefangen von leeren Getränkeflaschen bis hin zu ausgewachsenen Bäumen. Selbst die Bojen, die ansonsten der Schifffahrt die Fahrrinne anzeigen, stellten plötzlich ein Gefahrenpotenzial dar. Der enorme Strömungsdruck presste die Bojen immer wieder unter Wasser, bis sie dann blitzartig wieder emporschnellten.

Doch der Rogätzer Wehrleiter ist ein erfahrener Schiffsführer, steuert er doch in seiner Freizeit sein eigenes Boot über die Gewässer.

Elbe strömt jetzt zwischen den Deichen

Die Elbe hat sich breit gemacht, reicht links und rechts bis an die Deiche heran. Bis zur Deichkrone ist es zwar noch ein ganzes Stück, doch den Mitfahrern wird in dieser Situation besonders deutlich, wie wichtig der Schutz der Deiche ist.

"Nach 2002, 2003 und 2006 ist das jetzt bereits das vierte Hochwasser innerhalb weniger Jahre, bei dem wir Deichwachen einsetzen müssen", erinnerte sich Verbandsgemeindebürgermeister Thomas Schmette, der sich bei allen Bürgerinnen und Bürgern bedankt, die sich freiwillig gemeldet haben, um in regelmäßigen Patrouillengängen die Deiche auf Schad- oder Sickerstellen zu untersuchen.

"Besonders in Heinrichsberg ist die Bereitschaft groß, als Deichläufer zum Hochwasserschutz beizutragen", betonte Bettina Seidewitz, Bürgermeisterin von Loitsche-Heinrichsberg, "allein in Heinrichsberg haben sich 55 Deichwachen gemeldet."

Holger Stahlknecht, der sich auf dieser Fahrt einen Überblick über die Hochwassersituation verschaffen wollte, erinnerte sich an das Jahrhunderthochwasser im Jahr 2002. "Damals war ich als Offizier des Verbindungskommandos der Bundeswehr eingesetzt. Unter anderem ging es auch um den schnellstmöglichen Bau eines noch fehlenden Deichabschnittes zwischen Mahlwinkel und Bertingen." Der Deich, den damals die Bundeswehrsoldaten bauten, schützt heute noch das Elbehinterland.

Ohremündung ist jetzt eine riesige Wasserfläche

Dank der hohen Strömungsgeschwindigkeit der Elbe erreichte das kleine Schlauchboot in wenigen Minuten Rogätz. In Höhe des Klutturmes steuerte der Rogätzer Wehrleiter das Boot nach links. "Die riesige Wasserfläche, die wir hier sehen, ist die Mündung der Ohre in die Elbe", erklärte Bergwein.

Ein Stück weiter kamen dem Schlauchboot die eigenen Wellen entgegen, die es auf der Elbe erzeugt hatte. Kurz darauf ist ein Gehöft zu sehen, das bereits von Wellen umspült wird. In dem Haus wohnt Familie Kelb. Bei jedem größeren Elbehochwasser können Kelbs ihr Grundstück nur noch mit einem Boot erreichen, ist es ringsherum vom Wasser umschlossen. "Ziel dieser Fahrt war es auch, sich mit der Situation dieser vom Hochwasser betroffenen Familie zu beschäftigen", so der Verbandsgemeindebürgermeister.

Doch bei Kelbs war anscheinend niemand zu Hause. Nach einem Wendemanöver steuerte Bergwein das Schlauchboot wieder in Richtung Elbe. Am Rogätzer Fähranleger, wo die Hochwassermarken der vergangenen Jahrzehnte angezeichnet sind, von denen inzwischen einige bereits unter der Wasseroberfläche liegen, endet die Bootstour.

 

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