Zum Artikel "Geflutete Keller – Statt Hilfe gibt es Ärger durch das Amt" meldete sich gestern Anwohner Claus-Christian Kühne aus Buch, der zugleich auch Stadtratsvorsitzender ist, zu Wort:

Zurzeit haben wir historisch hohe Grundwasserstände. Nun schlagen alle Experten Alarm und stellen Thesen zu Ursachen auf. Fakt ist, dass wir in den vergangenen Jahren in unserer Region wesentlich mehr Niederschläge und im vergangenen Jahr auch wesentlich geringere Verdunstungsraten als im Durchschnitt der Jahre hatten. Dadurch sind die Grundwasserstände logischerweise angestiegen.

Ohne Experte zu sein, bin ich mir sicher, dass nach einem oder mehreren trockeneren Jahren mit weniger Niederschlag und langen Perioden mit hohen Temperaturen und Verdunstungsraten der Grundwasserstand auch wieder historische Tiefstwerte annehmen wird. Dann werden wir alle überlegen, ob zu viel bebaut worden ist, ob wir bald eine Wasserknappheit haben, ob die moderne Landwirtschaft noch betrieben werden darf etc.

In Buch hat die derzeitige Situation schon relativ dramatische Züge angenommen. Fast alle Häuser haben Wasser in den Kellerräumen stehen, teilweise über 70 Zentimeter hoch. Eine absolute Ausnahme (in den letzten 15 Jahren hatte kein Haus Wasser im Keller) und daher eine ungewohnte, unangenehme und ziemlich ausweglose Situation.

Fast alle Anwohner müssen Wasser pumpen

Fast alle Häuser müssen das Wasser abpumpen, da Stromanschlüsse, Heizungen, Vorräte und anderweitige Nutzungen ein Handeln erfordern. Es gibt Anwohner mit größeren Grundstücken und solche mit kleineren Grundstücken, das Problem ist bei allen dasselbe, das Wasser wird lediglich "im Kreis" gepumpt. Eine echte Lösung wäre lediglich ein Pumpen in die tie–fer gelegene Faule See (Waldgebiet) mit ihrem Abfluss in Richtung Elbe. Aber wer kann das technisch und finanziell lösen und wie nachhaltig ist eine solche Lösung, welche naturschutzrechtlichen Bedenken gibt es dann? Buch hat kein Abwasserkanalsystem, welches Niederschlagswasser in Richtung Kläranlage abführt. Die Straßenentwässerung versickert in den Randbereichen der Straße und fließt nicht aus dem Ort ab. Die Systeme sind so dimensioniert, dass sie das Niederschlagswasser der Straße im Normalfall aufnehmen und ableiten können.

Zurzeit ist auch dieses System durch das Grundwasser beeinträchtigt, da vermutlich auch die Versickerungsfläche bereits im Wasser steht. Kommt also zusätzliches Schmelz- und Regenwasser in Massen, kann dieses nicht abfließen und staut sich in der Entwässerungsmulde. Weiteres Wasser muss die Straßenentwässerung durch die Dachabläufe einiger anliegender Grundstücke aufnehmen. Staut sich das Wasser in der Entwässerungsmulde aufgrund des zurzeit nicht möglichen Abflusses zurück, ist hier in Buch ein Anlieger bedroht, weil dieses Stauwasser direkt in dessen Haus läuft.

Aufgrund dieser Situation haben sich Bau- und Ordnungsamt der Stadt Wanzleben - Börde mit fast allen Anwohnern der Ladenstraße in Buch im vergangenen Jahr am 17. Dezember getroffen und die Problematik erörtert. Die Ämter haben zugesagt zu prüfen, ob es Möglichkeiten gibt, das Wasser anderweitig abzuleiten. Die Anwohner wurden aufgefordert, ihr Grundwasser nicht in die Straßenentwässerung zu pumpen, da eine Schädigung der Nachbarn nicht auszuschließen ist. Daran haben sich fast alle Anlieger gehalten.

Möglicherweise wird Buch noch monatelang mit dem Grundwasser kämpfen müssen, da ein Absinken des Pegels erst bei zunehmender Vegetation und Verdunstung im späten Frühjahr wahrscheinlich ist. Dies ist dramatisch und bedauerlich, wahrscheinlich aber nicht zu lösen ohne immense Kosten zu verursachen, die möglicherweise nicht vertretbar sind.

Nach Rücksprache mit dem Ordnungsamt wird nach einer Möglichkeit gesucht, ob die Anlieger mit kleinen Grundstücken ihr Wasser möglicherweise auf öffentlichen Flächen wie dem Sportplatz oder dem Wendeplatz versickern lassen dürfen.

Wichtig ist jetzt gegenseitige Rücksichtnahme, damit kein Anwohner durch sein Handeln einem anderen direkten Schaden zufügt. Dann wird die Verwaltung sicherlich auch bei dem einen oder anderen nicht ganz gesetzmäßigen Vorgehen ein Auge zudrücken können.

Im Vergleich zu anderen Naturkatastrophen leben wir auf einer Insel der Glückseligen und bei allen materiellen Schäden und Unannehmlichkeiten sollten wir diese Ausnahmeerscheinung mit etwas Gelassenheit ertragen. Handlungsbedarf entsteht meiner Ansicht nach erst bei Problemfeldern, die dauerhaft und wiederkehrend sind.