Die Berufsfachschule für Physiotherapie in Oschersleben wurde zu Beginn der Woche geschlossen. Seit November versuchten sich Auszubildende und Lehrer gegen die drohende Insolvenz zu wehren. Nun befürchten die insgesamt 42 jungen Frauen und Männer erschwerte Bedingungen, da sie ihre Lehre in einer anderen Einrichtung fortsetzen müssen.

Oschersleben. Trauer bei Lehrern und Auszubildenden: die Berufsfachschule für Physiotherapie der Nordhäuser IEB-Firmengruppe (Institut für Erwachsenenbildung) in der Anderslebener Straße wurde zu Beginn des Monats geschlossen.

Seit 1994 konnten dort junge Frauen und Männer aus ganz Deutschland ihre Ausbildung zum Physiotherapeuten absolvieren. Zuletzt besuchten insgesamt 42 Schüler die Einrichtung. Sieben von ihnen begannen erst im vergangenen Sommer ihre Ausbildung. "Zu wenig", schätzte IEB-Geschäftsführer Matthias Baxmann auf Volksstimme-Nachfrage ein.

Am 10. November wurde schließlich für die Einrichtung Insolvenz angemeldet. "Das war eine betriebswirtschaftliche Maßnahme", so Baxmann. Mit so wenigen Schülern könne man keine Kosten mehr decken. Der IEB-Geschäftsführer sieht die Ursachen für die Insolvenz folgendermaßen: "Der Standort Oschersleben ist für viele junge Menschen nicht attraktiv. Wir haben solche Einrichtungen auch in Rheine in Nordrhein-Westfalen. Da stimmen die Schülerzahlen." Dieses Problem hätten in Sachsen-Anhalt viele Schulen dieser Art, das sei kein Geheimnis. "Außerdem war der Vermieter des Schulgebäudes nicht bereit, die Mieten entsprechend der weniger genutzten Kapazitäten zu reduzieren." Der Mietvertrag wäre noch auf sechs Jahre befristet und nicht mehr bezahlbar gewesen.

Was Matthias Baxmann so klar erscheint, darüber hätten die Verantwortlichen vor Ort gern rechtzeitig Bescheid gewusst. "Wir hatten kaum noch Handlungsspielraum. Zwar war die Schule klein, aber es hingen dennoch 40 Schicksale daran", sagte Ausbilderin Ireen Seehars.

"Seit der Insolvenz-Verkündung haben die Schüler um ihren Ausbildungsort gekämpft", so Dr. Thomas Gottschalck, der Berufsfachschulleiter. Sie hätten sich an Landtags-, Bundestags- und Europaabgeordnete, an das Landesverwaltungsamt und an das Kultusministerium mit einem offenen Brief gewandt. "Doch wir haben nicht eine Rückmeldung bekommen", zeigt sich Janine Diez, Auszubildende im 1. Lehrjahr enttäuscht. Diese Ungewissheit habe die engagierten Schüler sehr mitgenommen. "Und wenn wir nur die Antwort erhalten hätten, dass nichts zu ändern sei an der Situation, aber so gar nichts?", fragte die Schwanebeckerin resigniert.

Zunächst sei überlegt worden, die Berufsfachschule in eigener Regie seitens der Lehrkräfte weiterzuführen, doch das entstandene Finanzloch hätte vom Schulgeld und den zumeist auf Honorarbasis angestellten Ausbildern allein nicht gestopft werden können, so Dr. Gottschalck. Vor allem beklagen Schulleiter und Mitarbeiterin Ireen Seehars, dass ihnen so wenige Informationen zukamen. "Sonst hätte man sich vielleicht schon früher um einen neuen Träger oder andere Lösungen kümmern und vielleicht den Schulbetrieb fortsetzen können." Die 38-Jährige und Janine Diez können ebenso nicht nachvollziehen, dass der Geschäftsführer auch nach der Insolvenzverkündung die Situation weiter verharmlost hätte. "Zweimal war er hier und meinte, wir sollen uns keine Sorgen machen", erinnert sich die Schülerin. Nun ist die Physiotherapeutenschule geschlossen. "Es war immer ein sehr schönes Miteinander. Ein großer Dank gilt den Kooperationsbetrieben, Schülern, Ehemaligen und Kollegen für die prima Zusammenarbeit", bedauert Ireen Seehars.

Dr. Thomas Gottschalck hat wegen der Insolvenz seinen Job verloren. Den Auszubildenden wurde seitens des Kultusministeriums zugesichert, ihre Ausbildung fortsetzen zu können. Dr. Gottschalck weiß, dass einige von ihnen bereits in Schönebeck und Halberstadt untergekommen sind.

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