Die Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Oschersleben stand am Freitagabend ganz im Zeichen des Zugunglücks bei Hordorf am 29. Januar, bei dem zehn Menschen ihr Leben verloren und 23 zum Teil schwer verletzt wurden. Viele der Oschersleber Feuerwehrleute waren dabei im Einsatz.

Oschersleben. Wegen der schrecklichen Ereignisse des schweren Zugunglücks am 29. Januar bei Hordorf, bei dem zehn Menschen getötet und 23 verletzt wurden, und bei dem viele Oschersleber Feuerwehrleute im Einsatz waren, hatte Wehrleiter Günther Matthias jun. die Tagesordnung der Jahreshauptversammlung der Stadtfeuerwehr am Freitag- abend im Gerätehaus in der Hornhäuser Straße geändert. Er hatte den Quedlinburger Trauerredner Uwe Cayler eingeladen, der zu Beginn der Versammlung zu den Kameraden und Gästen sprach.

"Sie wissen nicht, was Sie erwartet, wenn Sie zu Einsätzen gerufen werden. Menschliche Schicksale, deren Bilder und Geräusche, die bei Ihnen lange nachwirken", sagte Cayler. So wie am 29. Januar, als die Oschersleber Feuerwehr um 22.30 Uhr ausrückte, um nach dem schrecklichen Zugunglück bei Hordorf Menschen zu retten und Tote zu bergen. Cayler bat die Besucher der Jahreshauptversammlung, den Opfern, Angehörigen und Helfern des Zugunglücks in einer Schweigeminute still zu gedenken.

Die "Erschütterung des Erlebten" sei bei vielen Kameraden noch gegenwärtig, sagte Oscherslebens Bürgermeister Dieter Klenke nach der Schweigeminute. "Die Feuerwehr ist kein Verein, der das kulturelle Leben in einer Stadt bereichert. Feuerwehr, das ist Schwerstarbeit", würdigte Klenke, der in der Unglücksnacht selbst in Hordorf war, den Einsatz der Feuerwehrleute, die mental und körperlich bis an ihre Schmerzgrenzen und darüber hinaus gingen. Klenke gab dabei jedoch zu bedenken, ob es wirklich die Aufgabe einer ehrenamtlichen Feuerwehr sei, Leichen und Leichenteile zu bergen. Oder ob das nicht vielmehr die Aufgabe von Profis von Bundespolizei, Kriminalpolizei oder Rettungskräften sei? Von Profis, die dafür bezahlt würden und nicht von Feuerwehrleuten, die lediglich eine geringe Aufwandsentschädigung erhielten? Diese Frage stellte sich in der Nacht des Unfalls jedoch nicht, die Oschersleber Feuerwehrleute erfüllten alle an sie gestellten Aufgaben.

"Der Landrat ist stolz darauf, solche Kameraden wie Sie im Kreis zu haben", überbrachte Kreisbrandmeister Horst Nitzer im Namen von Thomas Webel dessen Würdigung. Nitzer zollte den Oschersleber Feuerwehrleuten "Respekt und Anerkennung" für das unter schwierigsten Bedingungen im Einsatz Geleistete, das an die Leistungsgrenzen vieler gegangen sei. Nitzer hoffe, die Kameraden würden das Erlebte verkraften und bot Hilfe durch Psychologen bei der Bewältigung an. "Ihr seid eine ganz starke Truppe".

"Sie sind die Helden des Geschehens und Sie haben vor Ort in Hordorf Übermenschliches geleistet", sagte sichtlich bewegt der Polizeibeamte Peter Hartling, der in der Unglücksnacht auch im Einsatz war. Er wünschte allen Einsatzkräften, dass sie so etwas nie wieder erleben müssen.

Angesichts der besonderen Situation riss Oscherslebens Wehrleiter Günther Matthias jun. bei dieser Jahreshauptversammlung das Einsatzgeschehen 2010 nur kurz an. Die Feuerwehr hatte im vergangenen Jahr 83 Einsätze zu bewältigen und rückte unter anderem zu neun Großbränden aus. Darunter der tagelange Einsatz beim brennenden Strohlager am Bahnhof Klein Oschersleben. "Ich wünsche allen Feuerwehrleuten eine gesunde Rückkehr von den Einsätzen. Ich bin stolz auf Euch", sagte ein emotional bewegter Feuerwehrchef Matthias jun..

Viele der Oschersleber Feuerwehrleute und Vertreter der Kommune nahmen am Sonn- abend an der Trauerfeier für die Opfer des Zugunglücks von Hordorf im Dom zu Halberstadt teil.

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