Oschersleben. Fast liebevoll legt Wolfgang Herbert, Zeremonienmeister des Bürgerschützenvereins von 1663, die Schützenkette auf den Tisch und ordnet die vielen Orden, an deren dunkler Farbe man das Alter erahnen kann. Er hat zusammen mit seiner Frau Karola, der Chronistin des Vereins, schon wahre Detektivarbeit daran geleistet und die in die Orden gravierten Namen zu entziffern versucht. Ein Vorhaben, das länger dauert als gedacht und sich völlig unerwartet ergab:

Karl-Heinz Markmann aus Braunschweig meldete sich Ende vorigen Jahres: Der über 80-Jährige hatte in seinem Hobbykeller an einem Ehrenplatz eine historische Schützenkette des Oschersleber Bürgerschützenvereins von 1663 hängen. Der alte Herr, der in der Bodestadt nahe dem Schützenplatz groß wurde und dessen Familie die Schützentra-dition pflegte, wollte diese Kette wieder nach Hause bringen. Nach dem Krieg hatte seine Mutter sie ihm nach Braunschweig gebracht und so vermutlich dafür gesorgt, dass sie erhalten blieb, berichtet Wolfgang Herbert. Während der Weihnachtsfeier des Bürgerschützenvereins überreichte Karl-Heinz Markmann nun feierlich das historische Stück.

"Mit der Lupe haben wir seitdem gesessen und gelesen: der älteste Orden stammt von 1856, der jüngste von 1938. Mit dem Auflisten der Namen sind wir noch nicht ganz fertig", erzählt Wolfgang Herbert.

"Wir wissen auch nicht, welche Schützenkette das ist. Es gab und gibt verschiedene, denn es gibt zum Beispiel den Großen und den Kleinen Schützenkönig", ergänzt Karola Herbert. Wenn die Forschungsarbeit an der Kette abgeschlossen ist, will der Traditionsverein anhand der Namensliste weiter forschen, Nachkommen aufspüren, Geschichte und Geschichten zusammentragen. "Die Geschichte des Bürgerschützenvereins, der aus der Bürgerwehr hervorging, ist ja zum großen Teil die Geschichte der Stadt, und wir brauchen dann sicher die Hilfe der Oschersleber, um weiterzuforschen."

Ehrenplatz gesichert

Die Schützenkette wird vom jeweiligen Schützenkönig bei hoch-offiziellen Anlässen getragen. Für jeden neuen Schützenkönig kommt ein neuer Orden daran, so dass alte Ketten ein beachtliches Gewicht erreichen können. Mit der Wiederbelebung des Bürgerschützenvereins nach der Wende wurde auch eine neue Schützenkette hergestellt.

Die historische wird nicht weiter verwendet sondern bekommt einen Ehrenplatz beim Verein.

"Wir sind Karl-Heinz Markmann sehr dankbar dafür, dass er uns die verschollen geglaubte Kette übergeben hat und wollen weiter Kontakt zu ihm halten. Nach der Übergabe haben wir ihn als Ehrenmitglied in den Verein aufgenommen", berichtet Wolfgang Herbert.

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