Vorträge sind nicht sein Metier, doch für den Heimatverein Altenweddingen machte Benno Schmidt, besser bekannt als "Brocken-Benno" eine Ausnahme. Am Montagabend holte er das bereits im vergangenen Jahr geplante "Gipfel-Treffen" in Altenweddingen nach. Zahlreiche Besucher im Gemeindesaal erlebten einen überaus lebendigen und interessanten Vortrag.

Altenweddingen. Ohne Fotos, ohne Dias, ohne modere Technik legte "Brocken-Benno" einen Vortrag hin, dem man noch Stunden hätte lauschen können. Gemeinsam mit seiner Frau Helga war der Wernigeröder nach Altenweddingen gekommen, um hier die Bitte seiner Wanderfreunde zu erfüllen. Mittlerweile gibt es mit Gustav-Adolf Schmidt, Helmut Bunge und Madgalene Holzhausen hier Wanderer, die mindestens einmal im Monat auf den Brocken steigen und so Benno Schmidt kennenlernten. Gemeinsam mit ihm sind sie schon oft auf den Brocken gestiegen.

Hat der Mann kein richtiges Zuhause? Oder gar eine böse Frau? Wartet ein "Brocken-Hexlein" da oben auf ihn? Ist der Mann verrückt?

Im Verlauf der Jahre musste Brocken-Benno auch lernen, dass längst nicht alle Menschen verstehen, warum er nun beinahe tagtäglich den 1142 Meter hohen Gipfel des Harzes besteigt. Seit dem 3. Dezember 1989, der Öffnung des Brockens, ist er fast täglich auf den Berg gestiegen. "Ich habe 28 Jahre von Wernigerode aus auf den Brocken geschaut, nur durfte ich nicht hin. Selbst mit einem Passierschein für Schierke, der nur für dienstliche Angelegenheiten galt, durfte ich nicht in den Wald. Nun hole ich das Versäumte der 28 Jahre nach", meinte "Brocken-Benno" zu seinen Motiven. Für ihn, dessen 6000. Aufstieg am 21. Mai dieses Jahres bevorsteht, hat der Berg nichts von seinem Ruf als Mythos verloren. Der Berg zieht ihn noch immer an wie ein Mag-net.

Nun ist es ja nicht so, dass der Benno Schmidt einfach mal so beinahe täglich den Weg auf den Brocken nimmt. Er hat sich nach der Öffnung in die Gestaltung des Gipfels eingemischt, der Nationalpark-Verwaltung Vorschläge unterbreitet. Dazu gehörte auch die Tatsache, dass ein Gedenkstein aufgestellt wurde, der an die Öffnung des Brockens vom 3. Dezember 1989 erinnert. Die Freude an der Natur, die Begegnung mit vielen Menschen, darunter auch Prominente aus ganz Deutschland wie Roman Herzog, Bergsteiger Reinhold Messner, Tierfilmer und "Bärenmann" Andreas Kieling sind weitere Motive, warum der fast 78-Jährige dem Ruf des Berges immer wieder folgt. "Und ich tue täglich etwas für meine Gesundheit. Dieser Grund allein müsste schon reichen, die Herausforderung immer aufs Neue anzunehmen. Ich bin über drei Millionen Höhenmeter gewandert, davon allein 81 000 Brockenkilometer. Wobei ich auch betonen möchte, dass ich alle Wege auf den Brocken kenne und auch die unterschiedlichen Wege hinauf oder hinunter gehe. Während meiner Krebserkrankung haben mir selbst die Ärzte bestätigt, dass ich durch meine super Kondition die Krankheit schneller überwunden habe. Früher war ich dagegen sehr oft erkältet, hatte sogar chronische Bronchitis", meint der Wanderfreund.

Brocken-Benno sieht sich auch als Werbeträger für den Harz, gibt Tipps für Erstbesteiger und möchte seiner Vorbildfunktion gerecht werden.

Seit 1995 steigt er durchschnittlich 333 Mal im Jahr auf den Brocken. Dazu gehört ein starker Wille und viel Zielstrebigkeit. Er ist kein Schön-Wetterwanderer und so hat er auch in dieser Hinsicht mit dem Brocken viel erlebt: Gespenstige wie gefährliche Schneestürme, er war sogar während "Kyrill" auf dem Brocken.

Und er vergisst nicht, darauf zu verweisen, dass der Berg nicht unterschätzt werden darf. Dass allein wird durch die traurige Tatsache bewiesen, dass 30 Menschen am Brocken ihr Leben ließen. Hier herrscht Subalpines Klima, werden die höchsten Windgeschwindigkeiten gemessen. Kein Tag am Brocken ist wie der andere, meinte Brocken-Benno. Doch er ist nicht nur am Brocken unterwegs, der hat für die Harzer Wandernadel alle 222 Stempel-Stellen im Harz mehrmals durchlaufen, kennt den Ost-Harz wie den West-Harz, leitet Führungen durch den Nationalpark und gehört zu den Initiatoren des Harzer Grenzweges.

"Es ist ein Erlebnis mit ihm zu wandern", sagte Gustav-Adolf Schmidt während der Einführung zu "Brocken-Bennos" Vortrag.

Wie lange wird er noch beinahe täglich den Weg auf den Brocken nehmen? Diese Frage ist schnell beantwortet: "Acht Jahr muss ich noch. Seit 20 Jahre ist der Weg hinauf möglich, 28 Jahre sah ich den Brocken nur von unten. Also habe ich noch acht Jahre nachzuholen", meint der Wanderer aus Wernigerode. Ehefrau Helga hat sich inzwischen an das außergewöhnliche Hobby ihres Mannes gewöhnt. Sie selbst war inzwischen über 900 Mal auf dem Brocken. Und Benno Schmidt sagt von seiner Frau, dass er sie nicht überreden muss, mit auf den Brocken zu kommen.

Eine ganze Woche könnte er von seinen Erlebnissen rund um den Brocken berichten, in Altenweddingen mussten anderthalb Stunden reichen, die Zuhörer waren begeistert.

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