Nicht nur zahlreiche Mitglieder, sondern auch zahlreiche Gäste hatten sich am Sonnabend zur Verbandstagung des Feuerwehrverbandes Börde in der Jugendbildungsstätte in Peseckendorf eingefunden. So wurden auch einige Probleme diskutiert, mit denen die Feuerwehren im südlichen Landkreis und darüber hinaus zu kämpfen haben.

Peseckendorf. Noch ehe der Vorsitzende des Feuerwehrverbandes Börde, Ulf Nohr, und der Verbandsjugendfeuerwehrwart Hans-Werner Krebs Bilanz ziehen konnten, legten die Gäste in ihren Grußworten den Fokus auf die Probleme, mit denen die Feuerwehren täglich konfrontiert werden. So stellte Ingolf Hirsch in seinem Grußwort klar, dass wohl alle Kreisverbände, nicht nur der Feuerwehrverband Börde, bei Verbandsversammlungen Probleme mit der Beschlussfähigkeit haben. Wenn keine wichtigen Beschlüsse auf der Tagesordnung stünden, kämen nur wenige Mitglieder.

Landrat Thomas Webel nutzte seine Redezeit, um den Feuerwehrleuten erst einmal wieder Danke zu sagen für ihre ehrenamtlich Arbeit zum Schutz der Mitmenschen. " Wir als Landkreis brauchen die Feuerwehren, weil wir sonst den Katastrophenschutz nicht gewährleisten könnten ", erklärte er und lobte die Leistungen, die bei Wettbewerben gezeigt werden, und das Engagement zur Nachwuchsgewinnung.

Die Landtagsabgeordneten Gudrun Tiedge ( Die Linke ), Silke Schindler ( SPD ) und Gabriele Brakebusch ( CDU ) hofften, dass die Feuerwehren die Arbeit in den neuen Strukturen, die die Gemeindegebietsreform mit sich brachte, auch meistern werden. " Die Sorgen, die Sie mit den neuen Strukturen haben, werden sich vielleicht in zwei bis drei Jahren nicht bestätigen, weil sie Ihren Weg gefunden haben ", so Silke Schindler. Auch die Feuerschutzsteuer, die nun nicht mehr wie bisher an die Kommunen weitergereicht wird, wurde zum Diskussionsthema. So sah Gudrun Tiedge darin eine schwierige Situation, die zu Lasten der Bürger und der Feuerwehren ginge. Silke Schindler wies darauf hin, dass die Kommunen indirekt etwas von der Steuer hätten, weil sie jetzt zur Brand- und Katastrophenschutzschule ( BKS ) in Heyrothsberge fließe und dort der Ausbildung zugute käme.

Das ließ Kreisbrandmeister Horst Nitzer nicht so stehen : " Schade, dass die Feuerschutzsteuer bei den Kommunen weg ist, aber die BKS wird damit auch nicht gestärkt, es wird weiter Personal abgebaut. " Seine Kritik galt auch der Laufbahnverordnung der Feuerwehren, in der dringend Veränderungen notwendig seien. Den beiden Feuerwehrverbänden aus dem südlichen und dem nördlichen Landkreis gab er den Rat, vorsichtig mit Fusionen zu sein. " Wir haben nicht das Personal, um einen großen Verband zu leiten, setzt lieber weiter auf Partnerschaft ", so Nitzer.

Bezirksbrandmeister Lothar Lindecke sprach in Bezug auf die Feuerschutzsteuer sogar von einer doppelten Bestrafung für die Kommunen. Denn ein Teil der Feuerschutzsteuer sei früher auch für die Prüfungen in den feuerwehrtechnischen Zentralen aufgewendet worden, diese Prüfungen bekämen jetzt die Kommunen in Rechnung gestellt.

Der Feuerwehrverband Börde hat im vergangenen Jahr alle Anstrengungen unternommen, um neues Personal zu gewinnen. Dabei stand auch die Jugend mehr und mehr im Mittelpunkt. " Es wäre schön, wenn die Brandschutzerziehung wieder mehr zum Thema wird, denn im Bereich Wanzleben, wo es praktiziert wird, ist auch ein Zulauf in den Jugendfeuerwehren zu erkennen ", erklärte Ulf Nohr, der wie seine Mitstreiter derzeit erbost über die Diskrepanzen zwischen dem Landesfeuerwehrverband und der Jugendfeuerwehr auf dieser Ebene ist. " Wir wehren uns dagegen, dass sich diese Probleme auf die Basis auswirken ", sagte er und verwies darauf, dass der Feuerwehrverband Börde 65 Prozent seiner Gelder in die Jugendarbeit investiert. So wird auch in diesem Jahr gemeinsam mit dem Partnerverband aus dem ehemaligen Ohrekreis wieder das Sommerlager im KIEZ in Günthersberge organisiert. Der Landkreis unterstützt das Vorhaben mit einer Förderung.

Obwohl im Verbandsgebiet 52 Jugendfeuerwehren agieren, ist das Missverhältnis zwischen der Zahl der Eintritte in die Jugendfeuerwehr und der Zahl der Eintritte in die aktive Wehr seit Jahren da. Nach wie vor kämpft der Verband dagegen an.