Ein jahrzehntelanger peinlicher Schreibfehler in einem Straßennamensschild in Bottmersdorf ist erst jetzt im Zuge der Straßenumbenennung für die Gründung der Einheitsgemeinde beseitigt worden. Seit Mitte der 60er Jahre hatte sich die falsche Schreibweise vom Namen des ersten Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts in den Ämtern eingeschlichen, wobei so aus der einst gewidmeten Dr.-Hübener-Straße die Dr.-Hübner-Straße wurde. Der Fehler sei wohl aus Kostengründen seit mehr als 40 Jahren nicht korrigiert worden, mutmaßen die Bottmersdorfer.

Bottmersdorf. Bereits 1990 fiel dem ehemaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher ( FDP ) bei seinem Besuch in Bottmersdorf der Schreibfehler im Straßennamensschild auf. Er war hier als Gast geladen und bemerkte, dass das die wohl bis dahin einzige nach dem ersten liberalen Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts ( 1946 bis 1949 ) benannte Straße im Kreis sei. Doch angesprochen auf das fehlende " e " im ausgeschilderten Namen Dr. Erhard Hüb ( e ) ner konnten die Anwesenden nur mit den Schultern zucken. Schließlich hatte sich der Fehler bereits in den 60er Jahren in die Verzeichnisse, Telefonbücher und Personalausweise geschlichen. Vor über 40 Jahren waren die Straßenschilder neu mit dem Namen " Dr. Hübner " bedruckt und montiert worden.

Aus dem Fauxpas ist im Laufe der Jahrzehnte sozusagen ein amtlicher Fehler geworden. Werner Ackermann, Geschäftsführer des gleichnamigen Rettungsdienstes und Vater des FDP-Bundestagsabgeordneten Jens Ackermann, machte sich sogar die Mühe und studierte alte Unterlagen, um nachzuweisen, dass die Straße ursprünglich wirklich nach dem liberalen Politiker benannt wurde und die falsche Schreibweise auf einen Amtsfehler Mitte der 60er Jahre zurückzuführen ist.

" Den alten Unterlagen zufolge ist die Straße Ende der 1950er Jahre von der Dorfstraße in die Dr.-Hübener-Straße umbenannt worden. Wohlgemerkt mit der richtigen Schreibweise. Doch irgendwann zehn Jahre später muss sich dann der Fehler im Namen mit dem Aufstellen der neuen Straßennamensschilder eingeschlichen haben ", erklärt Werner Ackermann. So verschwand auch in den Personalausweisen Mitte der 1960 er Jahre das " e " spurlos. Bis heute. Erst mit der Wende kam das Thema wieder auf die Tagesordnung. " Die Hälfte der Bottmersdorfer ging von einem Schreibfehler aus, die anderen konnten mit dem Namen und der Person Dr. Hübener nichts mehr anfangen ", erklärt der gegenwärtige Ortsbürgermeister Hans-Dirk Sill. Andere im Ort glaubten wiederum daran, dass ein ganz anderer, eben ein " Dr. Hübner " ( wobei bis heute niemand sagen kann, wer das sein sollte ) mit der Straßenbenennung gemeint war. So wurde, wie Anwohner Werner Ackermann weiter berichtet, 1996 die Dr.-Hübener-Gedenktafel in Bottmersdorf, in der nach dem Politiker benannten Straße, angebracht. Natürlich mit der richtigen Schreibweise, so dass wenigstens die Besucher vor Ort wissen, wer der Namensgeber Dr. Erhard Hübener war.

Der falsche Namenszug " Dr .-Hübner-Straße " behielt dennoch weitere 14 Jahre seine Gültigkeit. " Es gab zwar immer wieder Vorstöße von uns Liberalen, die Schreibweise des Straßennamens zu ändern, doch die meisten schreckten wegen des Aufwandes und der damit verbundenen Kosten, die beispielsweise auf die Anwohner für die Änderung des Personalausweises zugekommen wären, zurück ", erklärt der Bundestagsabgeordnete Jens Ackermann. Eine Anfrage aufgrund der falschen Schreibweise,, Wer denn Dr. Hübner sein solle ?‘, die er an die Verwaltung gestellt hatte, wurde übrigens nie beantwortet. So blieb auch nach der feierlichen Einweihung der Gedenktafel 1996 alles beim Alten. Aus Patriotismus gab Jens Ackermann dann in seinen Bewerbungsunterlagen für den Bundestag ( MdB seit 2005 ) als Wohnort gleich die richtige Schreibweise, die Dr.-Hübener-Straße, an. Doch er wartete vergeblich auf seine Post. Als er nachhakte, erfuhr er den Grund : Falsche Adresse angegeben. Eine Dr .-Hübener-Straße gebe es nicht in Bottmersdorf. Deshalb könne man die Unterlagen nicht zustellen. Dort gebe es nur eine Dr.-Hübner-Straße, hieß es.

Die Verwirrung ist nun Geschichte. Das kleine " e " im Namen des Dr. Erhard Hübener ist wieder auf dem blauen Straßennamensschild " aufgetaucht ".

Der Gemeinderat Bottmersdorf beschloss auf Antrag der FDP die Umbenennung in Dr.-Hübener-Straße, weil wegen der Gründung der Einheitsgemeinde Stadt Wanzleben-Börde sowieso Straßen umbenannt werden mussten, um Dopplungen auszuschließen. Deshalb können die Bewohner der frischgewidmeten Dr.-Hübener-Straße nun ihre neue Adresse beispielsweise im Personalausweis kostenfrei ändern lassen.

• Erhard Hübener ( geb. am 4. August 1881 in Tacken ; gestorben am 3. Juni 1958 in Bad Salzuflen ) war von Dezember 1946 bis Oktober 1949 erster Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt und einziger nichtkommunistischer Regierungschef in der Sowjetischen Besatzungszone. Hübener verblieb in der DDR, zog sich aber aus der Politik zurück.

• Politische Laufbahn : Der Sohn eines Pfarrers wurde 1924 zum Landeshauptmann der Provinz Sachsen gewählt und schlug bereits in den 20 er Jahren die Gründung des Landes Sachsen-Anhalt vor. 1933 wurde er aus seinem Amt entfernt. 1945 beriefen ihn die Amerikaner erneut in das Amt des Landeshauptmanns. 1946 wurde er der erste Ministerpräsident Sachsen-Anhalts. Eine Woche vor Gründung der DDR ( 1949 ) trat er zurück.