Oschersleben. Schon bei den ersten Tönen strahlten die Zuhörer um die Wette. Was nicht verwunderte, begann Thomas Natschinski ( 62 ) doch mit dem Titel " Berührung ", den er 1980 für Gaby Rückert geschrieben hat und der nicht selten als das schönste Liebeslied der DDR bezeichnet wird. Aber auch was folgte, war so richtig nach dem Geschmack der 100 Gäste. Natschinski spielte Titel an, die er einst gemeinsam mit seinen Musikerkollegen bei Team 4, Gruppe Drei, Brot & Salz und Karat gespielt oder auch für solche Sängerinnen und Sänger wie Veronika Fischer, Barbara Thalheim, Jürgen Walter und Gaby Rückert komponiert hat. Und obwohl er Freitagabend all diese Stücke nur kurz anspielte, blieben unzählige seiner Lieder ungehört, die seit Anfang der 60 er Jahre zusammengekommen sind.

Aber Thomas Natschinski, der 1964 mit Team 4 die erste deutschsprachige Beatband gegründet hatte, war auch nicht in die Oschersleber Stadtbibliothek gekommen, um ein Solokonzert zu geben. Vielmehr war ja am Freitag der Tag des Buches und stand deshalb eine Konzert-Lesung auf dem Programm. Und dafür hatte Natschinski Christine Dähn mitgebracht, die einst DT-64-Moderatorin war, heute unter anderem Fernseh-Moderatorin ist und zudem über Thomas Natschinski das Buch " Verdammt, wer hat das Klavier erfunden " geschrieben hat.

Und genau so war auch der Titel der Konzert-Lesung, in der die Zuhörer von Christine Dähn eine ganze Menge über DDR-Beatmusik im Allgemeinen und über Thomas Natschinski im Besonderen erfahren haben. Die Zuhörer lernten unter anderem die ersten Klavierlehrer von Natschinski kennen, wissen jetzt, wie der Titel " Mokko-Milch-Eisbar " zu Stande gekommen ist und dass der Musiker bisher mehr als 500 Songs und 150 Filmmusiken geschrieben hat. Und den Zuhörern ist nun auch bekannt, dass die ersten Auftrittsorte von Natschinski " so groß wie ein Handtuch " waren und die ersten Gagen kalte HO-Bockwürstchen.

Über die Gage in Oschersleben ist nicht gesprochen, aber der Auftrittsort sehr gelobt worden : " Die Atmosphäre in dieser Bibliothek sind phantastisch ", sagte Christine Dähn, was Thomas Natschinski mit anerkennendem Kopfnicken bestätigte, während er einige Titel seiner jüngsten CD " Weit, weit und wild " anstimmte, unter anderem den Song " Schau nicht so laut ".

Was von den Besuchern aber nicht beherzigt wurde, die den ganzen Abend über vor Begeisterung sehr laut geschaut und am Ende allesamt noch viel viel lauter geklatscht haben.