Die Hochwassersituation im Großen Bruch ist angespannt, aber nicht bedrohlich. Das sagt Uwe Neumann, Geschäftsführer des Unterhaltungsverbandes Großer Graben. Er muss mit seinen Leuten dafür sorgen, dass das Wasser in den Flussläufen und Bächen gut fließen kann. Nach der Schneeschmelze sind dort nun Wassermassen über die Ufer getreten.

Gunsleben / Neuwegersleben. Der Große Graben wies gestern nach Angaben des Landesamtes für Hochwasserschutz ( LHW ) in Oschersleben einen Pegelstand von 1, 62 Meter auf. Der Fluss sorgt vordergründig dafür, das Verbandsgebiet des Unterhaltungsverbandes, indem sich das Große Bruch mit seinen unzähligen Stichgräben befindet, zu entwässern. Er bahnt sich vom Großen Fallstein bis nach Oschersleben seinen Weg, wo er östlich der Bodestadt als Lehnertsgraben in die Bode mündet. " Das Große Bruch steht unter Wasser ", wie Edmund Werner, zuständiger Flußbereichsleiter beim LHW, den Stand erklärt. " Der Große Graben kann die anfallenden Wassermassen nicht abführen. "

Dass die Flussläufe und Stichgräben rund um den Großen Graben Wasser aufnehmen und abführen können, dafür muss Uwe Neumann sorgen. Seine Leute holen derzeit vom Sturm abgeknickte Bäume aus den Flüssen, damit das gewährleistet wird. Bei der Schneeschmelze, wie sie jetzt vonstatten geht, aber auch wenn es mal sehr stark anhaltende Regenfälle gibt, tritt das Wasser in den von ihm zu unterhaltenden Gräben und Flüssen jedoch über die Ufer oder das Grundwasser drückt auf die Äcker durch. Der Grund : Landschaftlich gesehen, liegt der Große Graben höher. Das Wasser kann aus den kleineren Flussläufen rechts und links davon nicht einfließen. Dies sei insbesondere dann schwierig, erläutert Neumann, wenn der Große Graben schon einen hohen Wasserstand aufweist. Einen direkten Zulauf zum Großen Graben gibt es nur, wo der Faule Graben und der Linke Beiläufer bei Neuwegersleben in ihn münden. Der Rest des Wassers und mögliche weitere Niederschläge " quälen sich bis nach Oschersleben ", wie Neumann formuliert. Auf dem Weg dahin zeigen sich geflutete Äcker und Wiesen – hinter Gunsleben, hinter Neuwegersleben oder zum Beispiel zwischen Hornhausen und Wulferstedt. " Das sind Bilder, die sieht man nicht oft. Es sieht aus wie eine Seenplatte ", sagt Neumann. Fillergraben und Fauler Graben führen weit mehr Wasser als gewöhnlich. Das Gefälle bis nach Oschersleben lässt keinen schnellen Abfluss zu. Es braucht Zeit. Damit der Pegel beim Großen Graben innerhalb des Großen Bruch derweil nicht weiter steigt, hat das LHW nun ein Siel geöffnet. Siele sind kleine Schleusen, über die der Wasserstand im Großen Graben reguliert werden kann, etwa " wenn der Große Graben über die Deiche tritt und das ist jetzt auch passiert ", wie Edmund Werner darlegt. Das sei auch eine Maßnahme, um den Deich zu schützen.

Sind Siele geöffnet, fließt Wasser aus dem Graben zusätzlich auf die angrenzenden Flächen und in Richtung Oschersleben – über den Faulen Graben als Umweg. Sinkt der Wasserstand im Großen Graben kann umgekehrt das Wasser aus den Binnengräben und den Flächen links und rechts vom Großen Graben über die Siele wieder über ihn abfliessen. Oschersleben ist das Nadelöhr, wo die Bode schließlich das gesamte Wasser aufnimmt. Sie weist derzeit einen Wasserstand von 2, 27 Meter auf. Gemessen wurde am Pegel Hadmersleben, der für Oschersleben repräsentativ ist, wie Edmund Werner erklärt. " Da besteht erst einmal kein Grund zur Besorgnis. Hier kann Wasser noch problemlos abgeleitet werden. " Die geringste Alarmstufe für Hochwasser beginnt bei einem Stand von 2, 50 Meter. Werner schließt : " Derzeit deutet sich an, dass die Tendenz leicht fallend ist. Das ist aber eine Momentbetrachtung und kann sich schnell ändern. "