Mehrere Bürger meldeten sich in jüngster Zeit in der Oschersleber Lokalredaktion der Volksstimme und äußerten ihren Unmut über den schrittweisen Verfall des alten Bahnhofsgebäudes. Auch unser Leser Georg Hanusch fragte wie es um die Zukunft des einstigen Prachtbahnhof in der Bodestadt bestellt ist. Volksstimme-Volontär Michael Pieper begab sich auf Spurensuche.

Oschersleben. Es ist für viele Reisende stets der erste Eindruck einer neuen Stadt und damit ein wichtiges Gut für jede Stadt : Das Bahnhofsgebäude, der erste Anlaufpunkt für auswärtige Bahntouristen und Neuankömmlinge. Sich als Stadt bestmöglich den Besuchern zu präsentieren, dafür nehmen einige Kommunen in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn viel Geld in die Hand. Daraus resultieren Prachtbauten, wie etwa der Berliner Hauptbahnhof – zugleich Einkaufspassage, Streckenknotenpunkt und Sehenswürdigkeit. Ähnliches, wenn auch in geringeren Ausmaße, entsteht auch in unserer Region, beispielsweise am Halberstädter Hauptbahnhof, wo das alte Empfangsgebäude modernisiert wird.

Ein ganz anderes Bild zeigt sich für Reisende im Bahnverkehr am Hauptbahnhof in Oschersleben. " Der gesamte Bereich wurde großzügig umgestaltet und modernisiert ", führt Georg Hoppe im Gespräch mit der Volksstimme an. Der Abteilungsleiter für Bauplanung bei der Stadt Oschersleben sieht aber auch die Kehrseite des Projektes : " Wir haben den ZOB damals mit 90 prozentiger Förderung durch die NASA umgestaltet. Davon ausgenommen blieb aber das alte Bahnhofsgebäude. " Dafür sah die Bahn keine Verwendung mehr. Wurde doch ein Service-Punkt im Gebäude der Alten Post untergebracht. " Und die Geschäfte und Gaststätten im Bahnhof wurden nach der Wende nicht mehr so stark angenommen. Also stand das Haus irgendwann leer. " Und so blieb es bis zum heutigen Tag.

2007 folgte dann der nächste Schicksalsschlag für das historische Gebäude : In einem Paket mit vielen anderen Bahnhöfen veräußerte die Deutsche Bahn das Bahnhofsgebäude an eine Käufergesellschaft – die Mainasset GmbH. Veränderungen brachte dieser Eigentümerwechsel allerdings nicht. " Die Verwaltung wurde im Zuge des Erwerbs von der Firma angeschrieben mit der Bitte, eigene Ideen und Konzepte für eine Neunutzung des Gebäudes zusammenzutragen. Der ausgefüllte Fragebogen ging wieder an die Firma. Damit endeten aber leider auch die Bemühungen um dieses Projekt seitens der Mainasset ", so Georg Hoppe zur weiteren Entwicklung.

Die Stadt selbst wird indes immer wieder von den Bürgern auf das einstige Aushängeschild angesprochen. Doch wirtschaftlich rentable Ideen sind auch in den Schubladen der Verwaltung nicht zu entdecken. Dabei würde es sicherlich Interessenten für die Räume im Gebäude geben : " Wir sind mehrmals von Vereinen angesprochen wurden, ob nicht Räume zur Verfügung gestellt werden könnten. Aber erstens liegen diese Entscheidungen nicht in unserer Zuständigkeit, da die Stadt nicht Gebäudeeigner ist. Und zweitens würden für diesen Fall hohe Kosten auf den Haushalt zukommen, denen kein Gewinnertrag entgegensteht. " Denn vor einer möglichen Neunutzung der alten Räumlichkeiten stünden Sanierungsarbeiten in Millionenhöhe. Schließlich befindet sich das Haus noch immer auf dem Stand von vor zwanzig Jahren.

Dennoch sehen Bürger und Stadtverwaltung in der momentanen Brache eine " unbefriedigende Lösung ", so Georg Hoppe weiter.

Von Seiten der Bahn ist indes keine Aktivität geplant, in einer Stellungnahme wird lediglich auf den Eigentümer verwiesen. Die Patron Capital / Mainasset hingegen war bis zu Redaktionsschluss für eine Stellungnahme bezüglich des von ihnen mit Wirkung zum 1. Januar 2008 erstandenen Empfangsgebäudes für uns nicht zu sprechen.

Viele offene Fragen bleiben also zurück hinsichtlich der Zukunft des mehr als 165 Jahre alten Gebäudes. Offene Fragen, die demnächst vielleicht sogar einen faden Beigeschmack bekommen. Denn wie aus gut informierten Kreisen zu erfahren war, bahnt sich am Bahnhof ein nächster Eigentümerwechsel an. Genauere Informationen liegen der Redaktion zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht vor, da " das Verfahren noch in der Schwebe ist ", wie es hieß. Zweifel sind in jedem Fall angebracht, ob diese Entwicklung in naher Zukunft eine wahrhaft vorzeigbare Entwicklung an dem sanierungswürdigen Haus vorweisen kann.